EHC Eisbären

Steve Walker kehrt zum Team zurück

Knapp zwei Wochen müssen die Eisbären noch warten, dann bekommen sie Unterstützung von einem alten Mannschaftsmitglied. Der kanadische Eishockey-Star Steve Walker kehrt nach Berlin zurück. Der Mann hat den Status eines Heiligen, hält Klubrekorde ohnegleichen.

Foto: Bongarts/Getty Images / Bongarts/Getty Images/Getty

Na bitte, es geht doch! Die Eisbären können konzentriert spielen, 60 Minuten lang sogar, wenn es denn sein muss. Sie können dabei auch voller Leidenschaft und Intensität agieren, ohne ihre taktische Ordnung zu vernachlässigen. Sie können so spielen, dass weder Trainer Don Jackson noch Manager Peter John Lee etwas zu meckern haben. Wie beim 1:0 am Sonntag in Mannheim. Ziemlich genau so hatten sich die beiden den Auftritt ihrer Mannschaft nach dem unrühmlichen 0:2 gegen Ingolstadt zwei Tage zuvor vorgestellt. Lee lächelte zufrieden.

Doch es war nur ein Lächeln für den Moment. Dieses eine Spiel in Mannheim verändert nichts an dem Gesamteindruck, den er von der Mannschaft gewonnen hat im ersten Saisonviertel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Es hapert hier und dort; und die Hoffnung, dass sich das irgendwann regelt, hat der Manager nicht mehr so Recht. Zumindest nicht, wenn personell alles so bleibt, wie es ist.

Deshalb soll in etwa zwei Wochen, zur Deutschland-Cup-Pause, ein neuer Spieler auftauchen. Oder viel mehr ein weiterer, denn neu ist Steve Walker nun gewiss nicht. Zwar existiert noch kein unterschriebener Vertrag, aber die Wahrscheinlichkeit grenzt inzwischen an Sicherheit. „Steve trainiert wie ein Verrückter, sechs Tage die Woche“, sagt Lee.

Viele im Eisbären-Umfeld wird es freuen, wenn Walker wieder in Berlin auftaucht. Der Mann hat den Status eines Heiligen, hält Klubrekorde ohnegleichen. In seinen zehn Jahren beim EHC prägte er die Eisbären wie kein Zweiter. Dennoch begleitet die Rückkehr auch der Beigeschmack des Scheiterns. Nicht von Walker, sondern der Eisbären.

Im Frühjahr sah der Stürmer die Zeit gekommen, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Walker ist inzwischen 37 Jahre alt, sein Körper bereitete ihm in den vergangenen Jahren viele Schmerzen. Er suchte nach einer Aufgabe außerhalb des Sports und fand sie in einer Ausbildung zum Polizisten. Die schließt er Anfang November ab, der Dienst soll Mitte 2011 beginnen. Genug Zeit, zwischendurch noch die Saison mit den Eisbären zu Ende zu spielen.

„Es geht ihm so gut, wie lange nicht“

Sein Karriereende hatte Walker nie öffentlich ausgerufen. Insofern lässt sich nicht von einem Rücktritt vom Rücktritt reden. Trotzdem ist der Schritt mit Zweifeln behaftet. Lee versucht, sie wegzuwischen: „Durch die lange Pause fühlt Steve sich körperlich so gut wie lange nicht. Außerdem ist er sehr stolz, er will niemanden enttäuschen.“ Er könne den anderen helfen, glaubt Lee. Die Eisbären bekommen also Polizeischutz.

Dass der nötig sein würde, gehörte nicht zum Saisonplan. Wie so vieles nicht. Zum Beispiel das rückgängig gemachte Karriereende von Denis Pederson. Lee bereitete die Saison ohne die beiden Starspieler vor. Mit der Absicht, vermehrt junge Spieler zum Zuge kommen zu lassen. Dann überlegte Pederson (35) es sich anders, was an sich komisch, aber mit Blick auf die Zusammenstellung der Mannschaft in Ordnung war. Nun kommt aber auch noch Walker, der im Januar 38 Jahre alt wird. „Ich hätte gedacht, dass sich unser Projekt schneller weiterentwickelt“, sagt Lee. Der Umbruch der Eisbären stockt, die alten Helden sollen's richten.

Glücklich ist Lee darüber nicht. Er war sich des Risikos mit der jungen und überwiegend deutschen Mannschaft bewusst. Lee ging dieses Risiko ein, weil er daran glaubte, dass es funktionieren kann. Doch was herauskam, war nicht genug. Stark schwankende Leistungen und ein intern zu geringer Konkurrenzdruck führten letztlich zu der Ansicht, dass die Mannschaft in der jetzigen Zusammensetzung den Ansprüchen nicht genügt. „Wir brauchen Erfolg, deshalb müssen wir reagieren“, sagt der Manager, „und wenn diese Mannschaft Erfahrung braucht, kann ich mir keinen besseren Spieler als Steve vorstellen.“ Es ist aber nicht nur das. Walker bringt, wie Lee sagt, „diesen Geist“ in die Kabine, diese Aura eines Kämpfers, eines Gewinners. Er hat das, was nur wenige der jungen Spieler ausstrahlen.

Vielleicht war es ein bisschen zu naiv zu glauben, dass nach den Abgängen von erfahrenen Profis alles reibungslos verläuft. Irgendwie hatte man das ja gehofft bei den Eisbären, sonst wären die Ansprüche nicht in den Sphären der Meisterschaft angesiedelt worden. Womöglich wird das mit einem erholten Walker, der zum letzten Mal alles aus sich herausholt, wieder ein Stück realistischer. Letztlich aber muss Lee für sich die Konsequenzen aus dem zuletzt Erlebten ziehen. Er muss sich überlegen, ob er zur nächsten Saison den gleichen Weg geht und sich auf die vorhandenen Spieler verlässt, oder ob er beizeiten außerhalb nach adäquatem Ersatz sucht. Polizist Walker kann er dann jedenfalls nicht mehr zurückholen.

Das nächste Eisbären-Spiel:

30.10., 18.30 Uhr: Eisbären – München