Sieg in München

Berliner Eisbären erobern DEL-Tabellenspitze

Die Eisbären sind wieder ganz oben. Besser kann ein Verein nicht dastehen in der Eishockey-Bundesliga. Doch ausgelassene Freude gibt es bei den Berlinern nicht.

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Nach einem Sieg über München stehen die Eisbären an der Tabellenspitze. Am Freitag erwarten die Berliner im Spitzenspiel den Zweiten EHC Wolfsburg.

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Eine Weile ist es schon her, dass die Mannschaft des EHC Eisbären zuletzt an der Tabellenspitze der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) stand. Es war am 21. März des Vorjahres, die Hauptrunde endete gerade und die Berliner hatten die Konkurrenz meilenweit hinter sich gelassen. So weit, wie zuvor kein anderes Team, ganze 25 Punkte betrug der Vorsprung. Gebracht hat es aber nicht viel, außer einer Menge Druck. Dem die Eisbären letztlich nicht standhielten – gleich in der ersten Play-off-Runde war Schluss.

Insofern erfüllte es bislang niemanden mit Trauer, dass die Berliner den Platz an der Spitze in dieser Saison noch nicht ein einziges Mal besetzten. Zumindest nicht im Klub. Allzu strenge Kritiker sahen die Mannschaft, die zudem mit etlichen Verletzungen zu kämpfen hatte, hingegen schon kurz vor dem Kollaps. Ganz so schlimm kann es allerdings kaum sein. Am Sonntag waren die Eisbären zunächst etwa ein Drittel lang immerhin schon virtueller Tabellenführer. Nach dem 41. Spieltag manifestierte es sich dann auch in der Rangliste. Gegen den EHC München gewannen die Berliner trotz zweimaligen Rückstands noch 5:4 (2:1, 1:3, 1:0, 0:0, 1:0) nach Penaltyschießen.

Es läuft inzwischen tatsächlich besser bei den Eisbären als in den wechselhaften ersten Monaten der Saison. „Seit Weihnachten spielen wir wieder gutes Eishockey“, sagt Stürmer André Rankel. Er hat zu dieser Entwicklung selbst einiges beigetragen. Bis vor kurzem ging bei dem Nationalspieler nicht viel zusammen, seit einigen Spielen aber punktet Rankel wieder regelmäßig, verbuchte beim 7:1 gegen Augsburg am Freitag drei Vorlagen,erzielte in München die ersten beiden Treffer der Berliner und brachte den EHC damit jeweils in Führung (2./12.).

Rankel erklärt die Verbesserungen, die eigenen und die der Kollegen, mit dem durch die Erfolge gestiegenen Selbstvertrauen. Die kleinen Dinge gelängen den Eisbären nun wieder mehr – Nachsetzen, Körperspiel, Puckkontrolle an der Bande. So schlecht, wie vieles gemacht wurde, empfand es Kapitän Stefan Ustorf allerdings auch nicht. Er beklagt ein wenig die Maßstäbe, mit denen die Eisbären manchmal gemessen werden. „Wenn wir ein paar Spiele gewinnen“, sagt er, „sind wir die Unbesiegbären.“ Und die Oberluschen, wenn mal zwei Spiele verloren werden. Diese extreme Schwarz-Weiß-Einordnung stört den 36-Jährigen.

Es könnte aber trotzdem gut sein, dass die Eisbären, bei denen erneut Kevin Nastiuk im Tor stand, nun wieder gefeiert werden – als Tabellenführer. Kurioserweise als einer, bei dem der Trainer, Don Jackson, Gegenstand vieler Diskussionen ist, dessen Verbleib öffentlich in Frage gestellt wird. Was eine Situation darstellt, die anderswo sicher undenkbar wäre.

Bezüglich des Trainers dürfte es vorerst etwas ruhiger werden. Besser als Erster kann er die Eisbären im Moment nun mal nicht machen. Dass die Berliner wieder oben angekommen sind, liegt unter anderem auch an Steve Walker. Der hat nach seiner wegen einer Polizeiausbildung verspäteten Rückkehr inzwischen 16 Partien absolviert und dabei 18 Punkte gesammelt. Zwei kamen in München, wo Denis Pederson das 4:4 erzielte (46.), in Form von Toren hinzu. Sein Alter, in zwei Tagen wird Walker 38, ist offenbar kein Problem. Obwohl gerade dies ein weiterer Punkt war, der den Berlinern jede Menge Kritik eingebracht hat. Walker war der einzige Spieler, der im Penaltyschießen traf. Und er war damit derjenige, der die Eisbären an die Tabellenspitze schoss.