Eishockey

Eisbären schlagen Meister Hannover

Mit einem glücklichen 2:1-Sieg gegen die Hannover Scorpions feiern die Berliner in der O2 World einen späten, aber erfolgreichen Start in die DEL-Saison.

Im Sport geht es nicht immer gerecht zu. Zumindest dem Empfinden nach. Da dominiert eine Mannschaft über eine gesamte Partie, ihr unterläuft nur ein einziger Fehler, der aber genügt, um letztlich mit leeren Händen dazustehen. In etwa so müssen sie sich auch bei den Hannover Scorpions fühlen. Die werden Meister in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) und kaum ist ein Sommer ins Land gezogen, scheinen das alle vergessen zu haben. Obwohl die Mannschaft nahezu identisch ist, fehlte der Name der Niedersachsen, als die Trainer der Liga ihre Favoriten für die neue Spielzeit benannten. Irgendwie wird das den Scorpions nicht ganz gerecht. Denn nur Zufall war die Meisterschaft nicht.

Daran ließen die Hannoveraner am ersten DEL-Wochenende auch keinen Zweifel, sie gewannen beide Spiele. Der EHC Eisbären war da noch gar nicht im Einsatz, zumindest nicht in der Liga. Die Berliner nahmen stattdessen am Finalturnier der European Trophy teil und spielten sich dort über den finnischen, den schweizerischen und den schwedischen Meister zum Triumph. Zum Start in die DEL nun auf den deutschen Titelträger zu treffen, machte sich da natürlich wunderbar. So konnten die Eisbären ihre nette Meisterserie vollenden, sie taten es mit einem 2:1 (0:0, 0:1, 1:0, 1:0) nach Verlängerung in einer aufregenden Partie.

Damit endete der Abend genauso schön, wie er begonnen hatte. Während die Berliner das Eis betraten, begrüßten die Fans sie mit einem blau-weiß-roten Meer aus Papptafeln. Dann wurde der Pokal der European Trophy vorgeführt. Stefan Ustorf, der neue Kapitän, richtete ein paar herzliche Worte an die 14.000 Besucher in der O2 World. Und für Denis Pederson gab es einen Extra-Applaus an seinem 35. Geburtstag.

Mit der Schmusestimmung war es nach dem ersten Bully allerdings schnell vorbei. Was nicht unerwartet kam. Sein Team, dem vier Spieler fehlten, werde mehr Druck ausgesetzt sein als in den elf Partien der Trophy, ahnte Trainer Don Jackson. Weil sich zwar in der Mannschaft der Scorpions wenig verändert, dafür aber auf der Trainerposition ein nicht unerheblicher Wechsel stattgefunden hat. Dem Defensivanhänger Hans Zach folgte im Sommer Toni Krinner. Und der bevorzugt einen sehr offensiven Stil.

So waren die Scorpions dann auch kaum wiederzuerkennen. Sie attackierten die Berliner schon weit in deren eigener Zone, zeitweise sicherten lediglich zwei Mann die Mittellinie ab. Ein ordentliches Aufbauspiel war dadurch kaum möglich für die Eisbären. Die machten es sich zudem mit Strafzeiten selbst schwer. Die Niedersachsen investierten so viel Energie in die Partie, dass die Berliner sich nur selten durchsetzen konnten. „Das machen sie richtig gut, sie stehen ganz eng zusammen und lassen uns keinen Platz“, sagte Rankel in der zweiten Pause. Da führten die Gäste 1:0 durch einen Überzahltreffer von Matt Dzieduszycki (27.).

Ein Mittel, um dies zu korrigieren, wusste Rankel allerdings: „Wir müssen mehr laufen.“ Das versuchten die Eisbären dann auch. Doch obwohl die Scorpions nun ein offensives Team sind, steckt auch noch viel von Hans Zach drin. Sprich: Sie haben die Abwehrarbeit nicht verlernt. Lücken fanden die Berliner daher nur selten.

Eine, die zu einem Tor führte, tat sich erst 17,9 Sekunden vor dem Ende auf. Jeff Friesen rettete den EHC in die Verlängerung, die ihren Namen kaum verdiente. Denn nach nur 68 Sekunden traf Jens Baxmann zum 2:1 und sicherte den lange eher unwahrscheinlichen Sieg der Eisbären. Die gelten übrigens auch als Favorit auf den Titel, obwohl sie zuletzt im Viertelfinale ausgeschieden waren. So ist der Sport.