Eishockey

Eisbären schon gefühlter "Europameister"

Nun haben die Eisbären also einen europäischen Titel, ihren ersten. Und nennen sich "Europameister". Obwohl die Elite bei der European Trophy nicht vollständig vertreten war.

Am Morgen danach durfte sich der Jüngste noch einmal ganz allein mit dem schmucken Pokal ablichten lassen. Dabei strahlte Laurin Braun (19) mindestens genauso wie der blitzblank polierte Pott, den er schon die ganze Nacht hatte behüten dürfen und für dessen unbeschadete Ankunft in der heimatlichen Kabine des EHC Eisbären er ebenfalls zuständig war. Dass sie die Trophäe mitnehmen konnten, hatten die Berliner ja auch ein gutes Stück ihm zu verdanken. Bei der European Trophy war Braun mit fünf Treffern zweitbester Schütze des deutschen Eishockeyteams. Und im Finale gegen Schwedens Meister HV 71 Jönköping hatte Braun beim 5:3 in Salzburg das erste Tor erzielt.

Nun haben die Eisbären also einen europäischen Titel, ihren ersten. Sie sind verdammt stolz, nennen sich "Europameister". Obwohl die europäische Elite nicht in ihrer Gesamtheit vertreten war bei dem Turnier. Aber das ist erst einmal zweitrangig. "Das war wirklich super Eishockey. Alle haben hart gespielt, es hat viel Spaß gemacht", sagt EHC-Manager Peter John Lee. Nicht nur sein Klub konnte in den vergangenen Wochen nach zwei Niederlagen zum Auftakt und dann neun Siegen in Folge einiges an Renommee hinzugewinnen, sondern auch die Deutsche Eishockey-Liga (DEL). "Ich habe mit zahlreichen Verantwortlichen gesprochen. Niemand hätte gedacht, dass in Deutschland so gutes Eishockey gespielt wird", so Lee.

Mit ihrem furchtlos frechen Auftreten überraschten die Berliner die Konkurrenz. Denn viele der Kontrahenten sind das aggressive Forechecking und den permanenten Druck auf das Tor, was sehr viel Laufbereitschaft und Kondition erfordert, aus ihren eigenen Ligen nicht in dieser Form gewohnt.

Für die Berliner hat sich die European Trophy mit dem Erfolg auch finanziell halbwegs gerechnet. Andere Klubs aber, die schon in der Gruppenphase auf der Strecke geblieben sind, mussten aufgrund der hohen Reisekosten Einbußen hinnehmen. Dennoch: "Die Organisatoren haben mit beschränkten Mitteln ein starkes Produkt mit enormem Entwicklungspotenzial geschaffen", sagt Turnierdirektor Bo Lennartsson. Lee betrachtet die erste Auflage vor allem als Investition, um daraus künftig noch mehr zu machen.

Wie das aussehen könnte, darüber wurde auch in Salzburg viel diskutiert. Einig sind sich alle, dass ein saisonbegleitender Wettbewerb kommen muss. Die schwedischen Klubs, von denen auch die Initiative zur European Trophy ausging, tendieren dabei zu einer Europaliga, bei der die Klubs ihren Heimatligen den Rücken kehren. Für die Eisbären kommt dies allerdings nicht in Frage. "Das ist kein Modell für uns", sagt Lee.

Der Weltverband IIHF und die nationalen Ligen bevorzugen eine Wiederaufnahme der Champions League. Einige Klubs der European Trophy allerdings streben eine Teilnahmegarantie an und sind von einer bei der Champions League vorgesehenen sportlichen Qualifikation weniger angetan.

Welche Form auch immer ein europäischer Wettbewerb in der nächsten Saison haben könnte, es würde wohl ein mittel- und nordeuropäischer bleiben. Finanziell nämlich sind die russischen Klubs, die bei der Trophy fehlten, allen anderen in Europa weit überlegen. Zudem würde ihre Einbindung enorme Reisekosten verursachen. Ein Endturnier der besten Klubs aus Russland und Mittel- sowie Nordeuropa wäre allerdings vorstellbar.

Aufgewertet würde ein europäischer Wettbewerb fraglos, wenn mehr als nur vier Meister daran beteiligt wären. Den Triumph der Berliner bei der Trophy schmälert das aber nicht. Schließlich haben sie in drei Tagen die Titelträger aus Finnland, der Schweiz und Schweden im Viertel- und Halbfinale sowie im Endspiel geschlagen. Am Freitag geht es weiter. Dann trifft der EHC in der DEL auf Hannover, den Deutschen Meister.