Eishockey

Eisbären machen aus Europas Liga eine Spitzenklasse

Die Berliner tun etwas für den Ruf des deutschen Eishockeys. Im schwedischen Jönköping haben sie am Sonntag sogar das Finale der European Trophy erreicht. So kam der deutsche Eishockey aus der Drittklassigkeit heraus.

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Eisbären starten durch

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Wie sein großer Traum aussah, das erklärte Pierre Pagé ziemlich oft. Europa hieß das Zauberwort, welches seine Augen zum Glänzen brachte. Ganz nach oben, an die Spitze des kontinentalen Eishockeys wollte der Kanadier den EHC Eisbären führen. Nur gab es in der Zeit zwischen 2002 und 2007, in der Pagé die Berliner trainierte, gar keinen erstklassigen europäischen Wettbewerb, in dem er seinen Traum hätte verwirklichen können.

Es dürfte den krankhaft ehrgeizigen Coach daher sicher mehr als nur ein bisschen genervt haben, dass nur ein Jahr, nachdem er die Berliner verlassen hatte, die Champions Hockey League ausgetragen wurde. Zwar reichte es für den EHC nicht, um Europas Thron zu besteigen, aber mit drei Siegen aus vier Spielen verkauften sich die Berliner teuer. Wahrlich Ironie des Schicksals ist nun, dass die Eisbären ausgerechnet in Salzburg einen ihrer international größten Erfolge feiern. In Salzburg nämlich, als Trainer von Red Bull, läuft Pagé inzwischen seinen Träumen hinterher. Europas Elite aber, die ist für den österreichischen Klub noch weit entfernt. Nicht so für die Eisbären, die beim Finalturnier der European Trophy in Salzburg am Sonntag Abend im Finale auf HV 71 Jönköping trafen.

Die Russen fehlten gänzlich

Wie genau diese Trophy zu bewerten ist, darüber gibt es durchaus unterschiedliche Meinungen. Das in Eigenregie der Klubs erstmals organisierte Turnier fand in der Vorbereitung der Mannschaften auf die nationalen Ligen statt. Zudem gab es keine sportliche Qualifikation – und russische Klubs, ohne Frage die stärksten des Kontinents, fehlten gänzlich. Doch deshalb die Trophy als Spielerei abzutun, würde sowohl der Qualität der Mannschaften als auch Spiele nicht gerecht.

Keineswegs übertrieben ist die Schlussfolgerung, die Eisbären-Manager Peter John Lee aus dem Wettbewerb zieht. Er beschreibt sein Team als „europäische Topmannschaft“. Denn das Starterfeld bot einiges: 18 Mannschaften aus sieben Ländern, darunter die Meister aus Finnland, der Schweiz und Schweden. Nach dem Gruppensieg in der Capital Division trafen die Berliner in Zell am See und Salzburg auf eben jene Gegner. Finnlands Titelträger TPS Turku wurde im Viertelfinale mit 4:1 verabschiedet, der Schweizer Meister SC Bern danach mit 5:1. Und mit der Paarung Berlin gegen Jönköping fand die Trophy ein passendes Finale, denn auch der schwedische Meister hatte zuvor seine Gruppe als Erster beendet.

Die Deutschen sind eher drittklassig

Dem Ansehen des deutschen Eishockeys tut es gut, was die Berliner in der Trophy geleistet haben. Was über die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) geredet wird, ist oft nichts Erfreuliches. Bisweilen wird das Niveau als bestenfalls drittklassig eingestuft. „Wir haben gezeigt, dass die Liga nicht so schlecht ist, wie sie immer gemacht wird“, sagt Lee. Zumindest die Spitzenmannschaften sind international konkurrenz- und siegfähig. Was auch schon die Auftritte der Berliner seinerzeit in der Champions League nahelegten. An Wert gewinnt das Abscheiden der Eisbären zudem durch die Tatsache, dass sie nur wenige Ausländer einsetzen. Die Berliner spiegeln so den Leistungsstand des deutschen Eishockeys besser wider als jeder andere Klub aus der DEL.

Nach der Kür mit elf Partien bei der Trophy müssen die Berliner nun zur Pflicht in der Liga zurückkehren. Vier spielfreie Tage bleiben ihnen, um sich auf die Partie gegen Meister Hannover vorzubereiten. Die grandiose Frühform zu konservieren, „die hohe Intensität mit in die Liga zu nehmen, wird eine Herausforderung“, sagt Trainer Don Jackson: „Man darf nicht vergessen, die letzten Tage und Wochen waren sehr anstrengend, mit den Reisen und den starken Gegnern.“ Aber der Aufwand, daran lassen Lee und Jackson keinen Zweifel, hat sich gelohnt. Die Eisbären haben sich dorthin vorgearbeitet, wo Pierre Pagé immer hin wollte.