BR Volleys

Warum Cody Kessel der größte Fan der BR Volleys ist

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Inga Böddeling
Die Hände hoch, die Augen weit aufgerissen: Cody Kessel (l.) ist der Strahlemann im Team der BR Volleys.

Die Hände hoch, die Augen weit aufgerissen: Cody Kessel (l.) ist der Strahlemann im Team der BR Volleys.

Foto: nordphoto GmbH / Engler / picture alliance / nordphoto GmbH / Engler

Cody Kessel ist der große Motivator bei den BR Volleys und kann am Donnerstag seinen ersten deutschen Meistertitel holen.

Berlin. Fast jede Woche kommt ein Paket in der Geschäftsstelle der BR Volleys an. Und fast jede Woche steht Cody Kessel auf der Matte, um dieses Paket abzuholen. Die heiße Ware? Bücher. Der Außenangreifer des Volleyball-Bundesligisten ist passionierter Leser, ordert immer wieder neuen Lesestoff, um sich in den verschiedensten Themen weiterzubilden. „Das ist ein richtiger Luxus“, erzählt der 29-Jährige, der gern zehn Bücher gleichzeitig liest und ganz nebenbei noch seinen eigenen Newsletter zu den verschiedensten Themen verschickt. „Wir haben einfach so viel Freizeit als professionelle Sportler.“

Und die verbringt der US-Amerikaner am liebsten mit einem Buch vor der Nase. Manchmal darf’s aber auch ein Podcast auf die Ohren sein. Zum Beispiel am Mittwoch, als es neun Stunden lang im Doppeldecker-Bus nach Friedrichshafen ging. Zum dritten und vielleicht entscheidenden Spiel in der Finalserie um die deutsche Meisterschaft.

Für die BR Volleys wäre es der elfte Meistertitel

Nach den Siegen in den ersten beiden Partien der „Best of five“-Serie sind die Volleys an diesem Donnerstag nur noch einen Erfolg von ihrem elften Titel entfernt (18 Uhr, Sport1). Ein Kinderspiel wird das nicht, die ersten beiden Auftritte von Friedrichshafen seien zwar schwach gewesen, aber „Friedrichshafen hat bis jetzt nicht sein stärkstes Volleyball gespielt“, weiß Kessel. Er spielt gerade nicht nur sein erstes Play-off-Finale, es wäre auch sein erster Titel.

2019 war Kessel von Bundesliga-Rivale Lüneburg in die Hauptstadt gewechselt, war dabei, als die Volleys in der vergangenen Saison quasi alles gewannen und am Ende doch nicht den Titel feiern durften, weil die Saison wegen der Corona-Pandemie ohne Meister abgebrochen wurde. „Für manche von uns ist das eine Extra-Motivation“, erklärt er.

BR Volleys hatten eine Saison voller Widrigkeiten

Nach einer äußerst durchwachsenen Saison hatte eigentlich niemand mehr die Volleys auf der Titel-Rechnung. Doch plötzlich stand das Team von Trainer Cédric Énard im Finale. Und zeigte Leistungen, die selbst die Experten verwunderten. „Das Potenzial war von Anfang an da, es kam nur einfach nie raus“, erklärt Kessel. Das Timing der Mannschaft hätte nicht besser sein können.

Deshalb wäre der Titel vor allem „eine Belohnung für all das, was wir in dieser Saison durchgemacht haben. Mit Corona und so vielen Verletzungen und Widrigkeiten auf dem Feld“, sagt der in Colorado Springs geborene Amerikaner. Ihm selbst würde seine erste deutsche Meisterschaft natürlich auch viel bedeuten. „Ich denke aber noch nicht allzu viel darüber nach, weil wir noch nicht am Ziel sind“, sagt er.

Cody Kessel ist der Motivator bei den BR Volleys

Und sowieso, Kessel spricht viel lieber davon, was der Titel für die BR Volleys bedeuten würde, er ist eben ein absoluter Teamplayer. Das ist schnell zu erkennen, wenn man den 1,98 Meter großen Profi mit dem offenen Lachen beobachtet. Am Spielfeldrand, wenn er jede Aktion seiner Mannschaft bejubelt. Auf dem Feld, wenn er die Arme in die Luft und die Augen weit aufreißt, um sein Team noch einen Tick mehr zu motivieren. „Als ich von Lüneburg nach Berlin kam, wurde das meine Rolle von der Bank aus“, erinnert sich Kessel. „Mit den Fans war das natürlich einfacher, aber jetzt mussten wir lernen, das auch allein zu schaffen. Und ich liebe es, mein Team so anzufeuern.“

Wenn man so will, ist Kessel gerade der größte Fan der BR Volleys. Seine Liebe zu den Berlinern begann allerdings nicht erst mit dem Wechsel vor zwei Jahren. Schon in der Highschool habe er die Spiele der Volleys geguckt, weil damals auch einige US-Amerikaner in der Hauptstadt gespielt hatten. Als er dann mit 15 Jahren bei einem Volleyball-Camp auch noch von Paul Carroll, sechsmaliger deutscher Meister mit den BR Volleys, trainiert wurde, stand fest, dass er irgendwann selbst mal in Berlin spielen möchte.

Wie lange er das nun noch tun wird, ist ungewiss. Sein Vertrag läuft in diesem Sommer aus. „Ich werde erst mal nach Hause zurückkehren“, sagt Kessel. „Und dann werden wir weitersehen.“ Bevor es so weit ist, steht noch das bislang wichtigste Spiel seiner Karriere an. Und vielleicht auch sein bislang größter Triumph. „Wenn wir das schaffen, könnte es für den Bus auf der Rückfahrt gefährlich werden“, sagt Cody Kessel und lacht. Lesen wird er auf dem Weg zurück nach Berlin dann wohl nicht.

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