BR Volleys

BR Volleys: Aufbruch ins Ungewisse

Die BR Volleys stehen vor einer komplizierten Saison. Ihr großes Ziel: das Viertelfinale der Champions League erreichen.

Zweifelnder Blick von Samuel Tuia: Der Franzose, der Brasilianer Eder Carbonera (l.) und das Team der BR Volleys stehen vor einer Saison mit vielen Fragezeichen.

Zweifelnder Blick von Samuel Tuia: Der Franzose, der Brasilianer Eder Carbonera (l.) und das Team der BR Volleys stehen vor einer Saison mit vielen Fragezeichen.

Foto: Marcel Lorenz via www.imago-images.de / imago images/Marcel Lorenz

Berlin. Fragen, Fragen, Fragen. So viele Fragen gibt es an die BR Volleys vor dem Start der Volleyball-Bundesliga. Nach Corona, den Überlebenschancen der Sportart, der Stimmung auf den spärlich gefüllten Rängen, der zerrissenen Vorbereitung durch einen Covid-19-Fall im Team, der neuen Mannschaft – die Spieler sind froh, dass es jetzt endlich losgeht und sie Antworten auf dem Feld geben können.

An diesem Sonnabend (18.30 Uhr) empfängt der zehnmalige deutsche Meister zum Auftakt die Powervolleys Düren in der Schmeling-Halle. Ein Klassiker – nur gegen Friedrichshafen (126 Mal) haben die Berliner in der Bundesliga noch öfter gespielt als gegen den Kontrahenten vom Nordrand der Eifel. In 72 Vergleichen gab es 48 Siege für Berlin, aber auch 24 für Düren. Darum schon die nächste Frage: Kommt dieser starke Gegner vielleicht ein bisschen zu früh?

Die Westdeutschen haben sich nämlich kaum verändert, ihr routiniertes, auf allen Positionen gut besetztes Team zusammengehalten. „Sie haben einen guten Mix aus jungen und älteren Spielern und wenig Wechsel“, antwortet Volleys-Trainer Cédric Enard, „wir wissen, dass es schwer wird.“ Sein Libero Julian Zenger pflichtet dem bei: „Wir sind schon darauf vorbereitet, dass die uns ärgern wollen“, sagt der 23-Jährige, „unsere Duelle haben sowieso meistens ein gutes Niveau. Aber wir haben auch eine sehr gute Mannschaft. Unser Kader mit den sechs neuen Leuten muss sich zwar erst finden. Aber ich würde sagen, er ist besser als vergangene Saison.“

BR Volleys haben vergangene Saison 25 Siege aneinandergereiht

In der vergangenen Saison, die im März ohne Vergabe des Meistertitels abgebrochen wurde, hatten die Berliner national in Bundesliga und Pokalwettbewerben alles gewonnen, 25 Siege aneinandergereiht. Und nun: noch besser? Das verspricht nichts Gutes für die Konkurrenz, wenn, ja wenn die Liga diesmal zu einem anderen Ende gebracht wird. Wegen Corona-Infektionen beim VC Olympia und beim TSV Unterhaching sind die ersten Spiele schon verlegt worden, bevor die Saison überhaupt begonnen hat.

Aber, Corona mal beiseite, „die Stimmung ist bei uns so weit ganz gut“, sagt Zenger, „und das letzte Wochenende hat dazu bestimmt beigetragen“. Da gab es eine Art Vorspiel, den Supercup in Frankfurt, den die BR Volleys gegen die Gastgeber 3:0 gewannen. Nicht allein der Sieg, auch die Art und Weise, wie er zustande kam, hat gutgetan. „Das ist etwas anderes als Vorbereitung“, erklärt Enard, „das ist eine reale Wettkampf-Situation mit anderer Intensität und mit Druck. Wir mussten ja auch schwierige Phasen überstehen.“

Drei Zugänge verstärken die BR Volleys gleich im ersten Spiel

Das gelang ganz gut, obwohl mit Benjamin Patch der vorgesehene Diagonalangreifer ausfiel. Den Job übernahm Cody Kessel vorbildlich. Sehr erfreulich war aber auch, dass sich auf Anhieb drei Zugänge, der französische Außenangreifer Timothée Carle, der brasilianische Olympiasieger Eder Carbonera und ebenfalls im Mittelblock der deutsche Nationalspieler Anton Brehme, als echte Verstärkungen erwiesen. Alle drei standen in der Startformation. Carle und Eder halfen ihrem Team gerade in schwierigen Momenten mit ihrer Aufschlagstärke. Das erste Schrittchen zum Entstehen einer neuen, noch schlagkräftigeren Mannschaft ist gemacht.

Nun sind Spieler und Trainer selbst gespannt, wie sie sich bei ihrem zweiten Auftritt präsentieren, beim Debüt in heimischen Gefilden vor 550 Zuschauern gegen Düren. Es gibt schon vorweg eine positive Nachricht für Cody Kessel: Er darf auf seine Stammposition im Außenangriff zurückkehren. Benjamin Patch trainiert seit Mitte der Woche wieder voll mit, auch sein Backup Davy Moraes ist nach überstandenen gesundheitlichen Problemen einsatzfähig. Das ist sehr wichtig, nicht allein, weil das exakte Zusammenspiel zwischen Steller Sergej Grankin und Patch zu den größten Stärken des Teams zählt. Sondern auch deshalb, weil die Mannschaft nur mit allen 13 Mann an Bord ihren Rhythmus finden kann.

Ziel der BR Volleys ist Viertelfinale der Champions League

Die größte sportliche Zielsetzung der BR Volleys in dieser Saison ist es, in der Champions League besser abzuschneiden als 2019/2020; da schieden sie in der Gruppenphase nach teilweise enttäuschenden Leistungen und durch Verletzungen aus. „Die Champions League“, sagt Zenger, „ist einer der Gründe, warum Spieler in Berlin unterschreiben.“ Natürlich nicht nur, um mitzumachen, es darf schon ein bisschen mehr sein. Auch da ist der Libero überzeugt von der Qualität seiner Mitspieler: „Wir haben eine Mannschaft, mit der man über die Gruppenphase hinauskommen und das Viertelfinale erreichen kann.“

Zunächst heißen die Gegner Ach Ljubljana, Zenit Kasan und voraussichtlich Jastrzebski Wegiel. Ihr erstes Spiel haben die Berliner am 18. November gegen den slowenischen Dauer-Champion Ljubljana. Ein ambitioniertes Ziel, die Gruppe als Erster oder Zweiter zu beenden. Aber Zweifel und Fragen helfen da nicht weiter, ist sich Kapitän Sergej Grankin sicher. Aus seiner Sicht zählt jetzt nur eines: „Spielen, spielen, spielen.“

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