BR Volleys

Kaweh Niroomand: „Es geht jetzt ums Überleben“

Am Sonntag beginnt die Volleyball-Saison. Nach Meinung von Volleys-Manager Kaweh Niroomand wird sie zum Überlebenskampf.

Mann der klaren Worte: Kaweh Niroomand sieht schwere Zeiten auf den Sport zukommen, nicht nur im Volleyball.

Mann der klaren Worte: Kaweh Niroomand sieht schwere Zeiten auf den Sport zukommen, nicht nur im Volleyball.

Foto: Andreas Gora / picture alliance/dpa

Berlin. Am Sonntag (14 Uhr, Sport1) können die BR Volleys gegen die United Volleys Frankfurt in der hessischen Banken-Metropole ihre nächste Trophäe gewinnen, den Supercup. Das Heimspiel am Sonnabend darauf gegen Düren ist ausverkauft. Doch was bedeutet das schon in diesem Jahr der Corona-Pandemie? In Zahlen ausgedrückt: Nur 550 Tickets standen zum freien Verkauf, die waren schnell weg. Doch der Verein zahlt drauf, macht einen Verlust im mittleren fünfstelligen Bereich. „Die Vorzeichen dieser Saison und auch die Zielsetzung sind anders als sonst“, sagt Kaweh Niroomand, „wir müssen durch diese schwere Zeit kommen.“

Der Geschäftsführer des zehnmaligen deutschen Meisters wird noch drastischer: „Es geht um die Rettung des Sports, der Vereine, der Sportler-Familie. Es geht ums Überleben.“ Ohne die finanzielle Unterstützung von insgesamt 2,2 Millionen Euro, die vom Berliner Senat neben den BR Volleys auch anderen Top-Vereinen (Alba, Füchse, Eisbären) und -Veranstaltern (Marathon, Istaf) als Ausfall für entgangene Zuschauereinnahmen überwiesen wurden, „hätten die BR Volleys das Licht ausknipsen müssen“. Das Loch in der Kasse betrug bei dem Volleyball-Klub mit den meisten Fans in Europa rund eine halbe Million Euro.

Niroomand fürchtet, dass die emotionale Bindung verloren geht

Niroomand hat aber nicht nur die finanziellen Nöte der Gegenwart vor Augen. Die sind enorm, „die 550 Zuschauer können kein Dauerzustand sein, damit machen wir an jedem Spieltag neue Verluste“, weil die Kosten der Veranstaltung viel höher sind als die Einnahmen. Und was, wenn die wenigen Zuschauer feststellen, dass die Max-Schmeling-Halle unter den neuen Bedingungen mit Abstand, Mundschutz und den paar Leuten nicht mehr die Atmosphäre verströmt wie gewohnt? Zehn Jahre haben er und der Klub daran gearbeitet, das Image vom Volleyballtempel aufzubauen. Was, wenn jetzt die Fans sagen: Es lohnt sich nicht mehr, da hinzugehen? „Ich habe Angst“, sagt Niroomand, „dass die emotionale Verbindung verloren geht.“

So weit ist es noch nicht. „Wir müssen die Situation jetzt annehmen und die gute Zeit teilen, mit denen, die da sind“, wünscht sich Trainer Cédric Enard. Seine Mannschaft sei bereit. Die Vorbereitung war kompliziert. Auch im Team hat es einen Corona-Fall gegeben. Die sechs neuen und die sieben gebliebenen Spieler seien in sehr unterschiedlicher Verfassung angereist, sagt Enard. Die Quarantäne nach dem positiven Test hat es noch mehr erschwert, in einen Rhythmus zu finden. „Es war ein langer Prozess“, erklärt der Coach.

VC Olympia und TSV Unterhaching melden Corona-Fälle

Nun muss sich zeigen, wie der Start gelingt. Ob die Liga diesmal zu Ende gespielt wird. Erste Corona-Fälle wurden vom VC Olympia und vom TSV Unterhaching bekannt. Es wird immer wieder Spielverlegungen geben. Ob die Champions League mit Reisen in Risikogebiete überhaupt beginnen kann, ist eine weitere Frage. Wenigstens der Supercup findet statt. „Es geht gleich um einen Titel, den wollen wir holen“, macht Enard keine Kompromisse. Mit dem Verhalten seiner Mannschaft in der Corona-Krise ist der Franzose zufrieden: „Die Spieler haben die Situation sehr gut angenommen.“ Was bleibt auch anderes übrig – in der ganzen Welt ist kaum noch etwas, wie es war.

„Mit der Unsicherheit müssen wir leben“, ist auch Niroomand klar. Man dürfe nicht kapitulieren. Im Überlebenskampf würde er sich noch mehr Unterstützung durch die Politik wünschen, nicht mit Geld, sondern in der Zuschauerfrage. Gemeinsam haben die Berliner Top-Vereine ein Hygienekonzept in Auftrag gegeben und dafür 80.000 Euro bezahlt. Alle Experten hätten es gelobt, als durchführbar bezeichnet, selbst jene, die keine besondere Sympathie für den Sport haben. Doch statt der 30 oder gar 50 Prozent Hallenauslastung, die dieses Konzept ermöglicht, sind nun nur 1000 Teilnehmer in der Halle erlaubt. „Wir haben ein Konzept“, klagt Niroomand, „das eine andere Würdigung verdient hätte.“

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