BR Volleys

Sergej Grankin ist der neue Kapitän der BR Volleys

Trainer Cédric Enard hat entschieden, dass Sergej Grankin der neue Kapitän der BR Volleys wird. Begeistert ist der Russe nicht.

Sergej Grankin fühlt sich in Berlin wohl. Jetzt wird er sogar Kapitän der BR Volleys.

Sergej Grankin fühlt sich in Berlin wohl. Jetzt wird er sogar Kapitän der BR Volleys.

Foto: BR Volleys

Berlin. Normalerweise läuft das so: Der Trainer einer Mannschaft, in diesem Fall Cédric Enard, braucht einen neuen Kapitän und macht sich seine Gedanken, wer für diesen wichtigen Posten die beste Lösung ist. Oft berät er sich über seine Wahl mit jemandem, der die Spieler ebenso gut kennt wie er, in diesem Fall mit Geschäftsführer Kaweh Niroomand. Wenn das auch geschehen ist, verabredet sich der Coach zum Gespräch über die bevorstehende Saison bei einem Essen mit seinen erfahrensten Profis, in diesem Fall Sergej Grankin, Pierre Pujol und Eder Carbonera. Und dann nennt er den Namen des Auserwählten, in diesem Fall Sergej Grankin.

Grankin war von der Wahl nicht gerade begeistert

Normalerweise sagt der Spieler dann, dass es eine Ehre für ihn sei, ausgesucht worden zu sein. Doch bei dem Russen, der seit eineinhalb Jahren das Trikot der BR Volleys trägt, liegen die Dinge etwas anders. „Ich wollte nicht unbedingt, aber Cédric wollte, also mache ich das jetzt mal“, erzählt der beste Spieler der Bundesliga wenig begeistert. Er will nämlich vor allem eines: Volleyball spielen und nicht mit Schiedsrichtern über strittige Entscheidungen diskutieren, was jetzt zu seinen Aufgaben gehört. Ihm sind solche Debatten nach all den Jahren immer noch ein Gräuel. Und er sagt: „Das bedeutet auch, dass man für den Moment den Fokus verliert.“

Der 35 Jahre alte Grankin ist Steller, sein Job ist millimetergenaues Zuspiel. Dazu braucht es höchste Konzentration. Der Familienvater beherrscht diese Aufgabe wie nur sehr wenige andere auf der Welt. Deshalb wurde er mit Russland Olympiasieger 2012, Olympia-Dritter 2008 und Europameister 2017 – unter anderem. Seit er im Januar 2019 aus Moskau nach Berlin kam, haben die BR Volleys national kaum noch ein Spiel verloren, wurden Meister und Pokalsieger. In der vergangenen, wegen Corona abgebrochenen Saison, wurde Grankin neun Mal in Spielen der Berliner zum MVP gewählt, zum wertvollsten Akteur, so oft wie niemand sonst.

Grankin ist ohnehin der Anführer der BR Volleys

„Aufgrund seiner spielerischen Qualitäten und seiner Position des Stellers ist Sergej der eigentliche Leader des Teams“, urteilt Niroomand, „schon deshalb bietet er sich an für die Kapitänsrolle.“ Als Trainer Enard merkte, wie Grankin mit sich rang, sagte er zu ihm: „Bei deiner Erfahrung, bei deiner Position in der Mannschaft musst du das machen. Du bist jetzt eineinhalb Jahre hier, du bist bereit für den Posten des Kapitäns.“ Neben der Erfahrung müsse der Kapitän eine bedeutende Rolle auf dem Feld haben, das Team führen können und ein Beispiel sein in allem, sei es bei der professionellen Einstellung, im Training oder neben dem Court.

Alles Attribute, die auf den Russen zutreffen, der damit Nachfolger des nach Danzig gewechselten Moritz Reichert wird. Davor war Sebastian Kühner Kapitän, davor Robert Kromm und davor der Amerikaner Scott Touzinsky, Olympiasieger von 2008. Grankin zur Seite stehen soll der Franzose Pierre Pujol als Vizekapitän. Und der Brasilianer Eder Carbonera, der dritte Olympiasieger in der Geschichte der BR Volleys, übernimmt ebenfalls Verantwortung für die Mannschaft. So dass Grankin mit der Aufgabe nicht allein dasteht.

Junge Spieler der BR Volleys schauen zu Grankin auf

Über seine Akzeptanz muss er sich keine Sorgen machen. „Wir haben viele junge Leute in der Truppe, die alle zu ihm aufschauen“, sagt Niroomand. Außerdem kennt der neue Kapitän mittlerweile alles und jeden im Verein, ist überall beliebt und hat sowieso bereits Erfahrung mit der Rolle, die er schon bei Dynamo Moskau ausfüllte. Aber, typisch Grankin, er interessiert sich jetzt sowieso schon wieder für andere Dinge. „Ich hoffe, wir können diese Saison durchspielen. Vor allem die Champions League ist mir wichtig“, sagt er.

Obwohl es erst am Sonntag mit dem Supercup in Frankfurt losgeht, marschiert Grankin in Gedanken schon auf dem Feld vorweg. „Er wird schon ein guter Kapitän sein“, sagt Niroomand. Normalerweise sollte es so kommen.

Mehr über die BR Volleys lesen Sie hier.