Volleyball

Erst Coco Loco, dann wieder Champions League

Der nächste Leistungsträger hat seinen Vertrag bei den BR Volleys verlängert: Der Franzose Samuel Tuia bleibt für weitere zwei Jahre.

Sein zweiter Titel mit den BR Volleys: In Mannheim wurde Samuel Tuia im Februar 2020 Pokalsieger, im Jahr zuvor hatte er mit den Berlinern die Meisterschaft gewonnen.

Sein zweiter Titel mit den BR Volleys: In Mannheim wurde Samuel Tuia im Februar 2020 Pokalsieger, im Jahr zuvor hatte er mit den Berlinern die Meisterschaft gewonnen.

Foto: Uwe Anspach / picture alliance/dpa

Berlin. Samuel Tuia lacht geradezu ins Telefon. „28 Grad, die ganze Woche Sonne, das ist perfekt für mich“, erzählt der 33-Jährige fröhlich. Der Volleyballprofi hat Berlin für ein paar Wochen verlassen, mit seiner Frau Tahiteloi und ihren Kindern Emmanuel und Nelle. Sie kümmern sich in Cannes um sein zweites „Business“, wie er das nennt. Seit einem Jahr sind sie stolze Besitzer einer Bar im Zentrum der Stadt, wo es „die besten Cocktails an der Cote d’Azur gibt“. Das behauptet Tuia zumindest. Alles, was man mit Rum so mixen kann, steht auf der Getränkeliste des „Coco Loco“. Dazu kann man hier gepflegt essen. „Ich muss auch an die Zeit nach meiner Karriere denken“, sagt der Familienvater zu seinem Abstecher ans Mittelmeer.

Tuia unterschreibt bei BR Volleys bis 2022

Dass er zurückkehrt, ist beschlossene Sache. Samuel Tuia unterschreibt einen neuen Zweijahresvertrag bei den BR Volleys, dem zehnmaligen deutschen Meister und fünfmaligen Pokalsieger. Bei zwei dieser Titelgewinne war er dabei, weitere sollen folgen. Und die nächste Attacke in der Champions League, mit dem routinierten Franzosen in der Ballannahme und auf der Position des Außenangreifers. „Berlin setzt sich immer hohe Ziele“, sagt er, „selbst wenn man schläft, denkt man dort noch ans Gewinnen. Das passt genau zu mir, zu meiner Einstellung. Ich will auch immer hundert Prozent geben.“

Aber gleich ein Vertrag über zwei Spielzeiten, für einen Mann, der am 24. Juli 34 Jahre alt wird? Volleys-Trainer Cédric Enard stört das nicht. Er hat mit Sergej Grankin, Pierre Pujol (beide 35) und Zugang Eder Carbonera (36) ja sogar noch ältere Protagonisten in seiner Mannschaft. „Samu ist ein Spieler mit großer Erfahrung. Und egal, ob im Training oder im Match – ich liebe seine Energie“, erklärt Enard das Vertrauen in seinen Landsmann. „Er hat einen riesigen Kampfgeist. In wichtigen Partien brauchst du solch einen Spirit auf dem Feld. Er ist ein Anführer. Nicht durch das, was er sagt, sondern wegen seines Wettkampfverhaltens, seiner Kampfbereitschaft.“

Tuia ist in der Südsee aufgewachsen

Wer hätte gedacht, dass Tuia dieses Leben in Europa einmal so annehmen würde? Geboren und aufgewachsen ist er in Mata Uta, der Hauptstadt von Wallis und Futuna. Wer damit nicht viel anfangen kann: Diese Inselgruppe gehört zum französischen Überseegebiet und liegt irgendwo im Nirgendwo zwischen Samoa und Fidschi. Hauptsache Südsee. Das Leben dort läuft sehr beschaulich. Die meisten Insulaner leben vom Fischen, es gibt wenig Luxus. Aber die Menschen sind freundlich und lächeln viel. Sie glauben fest daran: Wer eine positive Einstellung hat, zu dem kommen auch positive Dinge. So erzählt das Samuel Tuia. Und sein Lächeln ist ihm geblieben.

Fast wäre es ihm vergangen, als er sich mit 16 Jahren entschloss, nach Frankreich zu ziehen. Ein Talentscout hatte ihn bei einem Leichtathletik-Sportfest entdeckt – beim Speerwerfen. Wegen seiner Kraft und Größe (1,95 Meter) sah er jedoch mehr den potenziellen Volleyballer in ihm. Der junge Mann ließ sich überzeugen, auf ein Internat in Montpellier zu wechseln. Sechs Jahre später war er Nationalspieler und wurde EM-Zweiter mit Frankreich.

Kulturschock in Europa

Trotz des sportlichen Erfolgs vergisst er nie, wie geschockt er war, als er vom entspannten Südsee-Archipel ins gestresste Europa kam. „Immer nur Arbeit, der viele Verkehr, die vielen Menschen, ihre Gesichter – ich hatte großes Heimweh“, berichtet Tuia, „ich dachte, jetzt ist egal, was noch kommt. Es kann nicht schlimmer werden.“ Andererseits wusste er, er musste sich anpassen. Das ist ihm sehr gut gelungen. Tuia spielte zunächst in Frankreich, danach in Polen, Sibirien und Istanbul. Bis er schließlich 2018 nach Berlin kam. Hier fühlte er sich von Anfang an wohl, weil er vor so vielen Fans in der Schmeling-Halle spielen konnte. Die geben immer genauso viel Energie wie er. Dementsprechend war es zwischen dem Mann aus der Südsee und den Fans aus der deutschen Hauptstadt Liebe auf den ersten Blick.

Berlin war für Tuia Liebe auf den ersten Blick

Nicht zuletzt deshalb will der für einen Volleyballer sehr kräftige Tuia noch eine Weile weitermachen; auch nach den nun vereinbarten zwei Jahren muss seine Karriere nicht enden. Gleichzeitig kreisen seine Gedanken um jene nicht mehr allzu ferne Zeit. Deshalb entschloss er sich, das „Coco Loco“ zu kaufen. „Ich investiere einen Teil des Geldes, das ich mit Volleyball verdient habe, in unsere Zukunft“, sagt er. Ein Partner kümmert sich während der Volleyballsaison um die Bar in Cannes. Doch auch Tahiteloi Tuia hat einen großen Anteil am Gelingen des Unternehmens. Von Berlin aus bestellt und bezahlt sie Waren, die Angestellten. Sogar die Einrichtung hat sie ausgesucht. „Mit dem Internet ist das heute alles möglich“, sagt Samuel Tuia. Und er hat ja keine Zeit.

Selbst momentan in Cannes ist das so. Die Sorge, dass durch Corona sein „zweites Business“ schweren Schaden erleiden könnte, hat sich nicht bewahrheitet. „Seit 1. Juni haben wir wieder geöffnet, es kommen doppelt so viele Leute wie vor der Krise. Von mir aus kann das gern so weitergehen“, erzählt Samuel Tuia. Wir telefonieren zwar, aber er lächelt, jede Wette.

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