Volleyball

Sergej Grankin bleibt Hirn und Herz der BR Volleys

Die BR Volleys und ihr größter Star haben sich geeinigt: Sergej Grankin verlängert seinen Vertrag in Berlin um eine Saison.

Stell dir vor, Sergej Grankin bleibt bei den BR Volleys: Der russische Volleyball-Star verlängert seinen Vertrag um ein Jahr.

Stell dir vor, Sergej Grankin bleibt bei den BR Volleys: Der russische Volleyball-Star verlängert seinen Vertrag um ein Jahr.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Sergej Grankin hat gute Laune. Derzeit hält sich der Volleyball-Olympiasieger mit Frau und Tochter in Moskau auf. „Es ist hier ganz ähnlich wie in vielen anderen Ländern“, beschreibt er am Telefon seine Situation. „Alles normalisiert sich so langsam. Die Märkte öffnen wieder.“ Er fühlt sich wohl in seiner Heimat und kann das Leben dort auch noch eine Weile genießen. Wann die neue Saison beginnt, ist bisher nicht endgültig geklärt. Dafür steht fest, welches Trikot der 35-Jährige dann tragen wird: das der BR Volleys, wie in den vergangenen eineinhalb Jahren.

Grankin, einer der besten Zuspieler der Welt und Star der Mannschaft, hat seinen Vertrag in Berlin verlängert. „Zunächst für ein Jahr“, sagt er, „danach entscheiden wir neu.“ Ihm gefällt nicht nur die russische Hauptstadt, sondern auch Berlin besonders gut. „Es ist nicht so groß wie Moskau, aber es gibt viele Parks, viele freundliche Menschen. Die Atmosphäre ist gut.“ Deshalb allein verlängert kein Profi der Welt seinen Vertrag. „Ich kann in Berlin das Volleyballspielen richtig genießen“, erklärt der Russe, „die Organisation und das Management sind sehr gut, und die Fans sind einfach großartig.“

Grankin hätte anderswo mehr Geld verdienen können

Sein Gehalt erwähnt er nicht, obwohl Grankin ziemlich sicher der Topverdiener in der Volleys-Mannschaft sein dürfte. „Es war keine Frage des Geldes“, sagt der Familienvater. Sonst hätte er nicht nur den Verein, sondern gleich das Land gewechselt. Natürlich ist ihm nicht entgangen, was gerade in der Volleyball-Welt los ist, besser gesagt: in Europa. Dort werden Summen versprochen, die locker doppelt so hoch sind wie Grankins Einkommen. Etwa in Italien, wo Trentino Volley Medienberichten zufolge den brasilianischen Außenangreifer Ricardo Lucarelli (28) mit einem Angebot von rund 400.000 Euro netto pro Jahr davon überzeugte, erstmals bei einem europäischen Verein anzuheuern. Oder in Russland, wo Kuzbass Kemerowo Ivan Saitzew als neuen Außenangreifer verpflichtete, der bisher in Modena ein ähnlich hohes Gehalt kassierte.

Das ist verwirrend in Zeiten der Corona-Krise, unter der viele Länder leiden, aber offenbar nicht alle Mäzene der finanzstärksten Ligen. Hatte Grankin denn keine Angebote aus Russland, Italien oder der ebenfalls potenten polnischen PlusLiga? Doch, hatte er, „aber nicht von Vereinen, die in der Champions League spielen. Und das kann ich in Berlin. Es ist mein Ziel, mit den BR Volleys weiterzukommen als letztes Jahr.“ Da waren er und seine Kollegen in der Gruppenphase gescheitert. Dieser Stachel sitzt tief. Immer noch.

Grankin ist ein Argument, nach Berlin zu kommen

Nicht zuletzt an ihm wird es liegen, ob der Plan aufgeht. Über Grankins sportliche Bedeutung für die Mannschaft sagt Trainer Cédric Enard: „Er ist unser Anführer, ein großer Wettkämpfer, in vielen Spielen der X-Faktor.“ Das Hirn und das Herz des Teams. Der Franzose schwärmt von den Qualitäten seines Leaders, wegen dessen großer internationaler Erfahrung, seiner Spielintelligenz, aber auch wegen seiner Persönlichkeit. „Er hat einen großen Einfluss auf unser Spiel und unsere Mannschaft“, erklärt Enard, „Spieler wie Benjamin Patch sind selbstbewusster, wenn sie wissen, dass Sergej da ist.“

Was der Königspersonalie zusätzlichen Wert gibt, zumal die Berliner mit Pierre Pujol einen zweiten exzellenten Zuspieler haben. „Natürlich ist das ein wichtiger Punkt, wenn du ein neues Team bilden willst. Wenn du sagen kannst, also: Unsere Setter sind Sergej und Pierre.“ Das erhöht die Chancen, dass umworbene Spieler bleiben. Oder neue sich für Berlin entscheiden, obwohl ihnen finanziell lukrativere Angebote vorliegen. Die BR Volleys haben noch Bedarf an Verstärkung, besonders auf der Position des Mittelblockers. Georg Klein hat seine Karriere beendet, Jeffrey Jendryk zog es nach Polen zu Resovia Rzeszow, Nicolas Le Goff nach Montpellier in seine Heimat Frankreich.

Das neue Team der BR Volleys soll wieder in Europa angreifen

Enard ist aber noch die zweite Perspektive wichtig. „Dass Sergej bleibt, ist der Beweis dafür, dass unser Verein attraktiv ist für Spieler wie ihn. Dass er überzeugt ist, dass dieser Verein hohe Ziele in der Champions League hat. Dass man sie hier erreichen kann, dass Berlin der richtige Ort ist. Er will hier etwas mit aufbauen.“ So sei das Bild von den BR Volleys in der Volleyball-Welt insgesamt.

Dieses positive Bild soll weitere Farben erhalten. Man müsse nicht davon ausgehen, dass das Team der BR Volleys in der nächsten Saison schwächer sein werde als in der vergangenen, abgebrochenen Saison, sagt Geschäftsführer Kaweh Niroomand, eher stärker. Und schon die verlor im nationalen Vergleich kein einziges Spiel. Die Truppe, die sich voraussichtlich Anfang, Mitte August zur Vorbereitung auf die neuen Aufgaben in Berlin versammelt, soll allerdings auch in Europa wettbewerbsfähig sein.

„Viel hängt natürlich von der Auslosung der Champions-League-Gruppen ab“, weiß Enard. Da traf es die Berliner im Vorjahr mit zwei russischen Topteams (Kemerowo und Urengoy) hart. „Wir hatten eine sehr schwere Gruppe“, sagt auch Grankin, kündigt jedoch forsch an: „Diesmal wollen wir mehr gewinnen.“ Wenn nicht erneut Verletzungspech stört. Und wenn er den X-Faktor beisteuert, der gerade international gebraucht wird. „Sehr gern“, sagt der Russe, „ich hoffe nur, dass ich dann auch ein Visum bekomme, wenn es wieder losgeht.“ Das war scherzhaft gemeint. Wie eingangs erwähnt: Sergej Grankin hat gute Laune.

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