Volleyball

Kaweh Niroomand: „Ein Schlag ins Gesicht der BR Volleys“

Kaweh Niroomand, Manager der BR Volleys, kritisiert die Entscheidung der Liga, die Saison sofort zu beenden.

Enttäuscht: Kaweh Niroomand hatte sich von der Volleyball-Bundesliga eine andere Entscheidung gewünscht.

Enttäuscht: Kaweh Niroomand hatte sich von der Volleyball-Bundesliga eine andere Entscheidung gewünscht.

Foto: nph / Kurth / picture alliance / nordphoto

Berlin. Die Saison endete deprimierend für die BR Volleys. Das ist verrückt, denn der deutsche Volleyball-Meister hat alle seine 20 Spiele in der Bundesliga gewonnen und bekommt nun doch nicht seinen elften Meistertitel. Am Donnerstag nämlich erklärte die Volleyball-Bundesliga (VBL) die Saison wegen der Corona-Krise für beendet, obwohl sie wenige Stunden zuvor noch verkündet hatte, die wenigen verbleibenden Spiele ohne Zuschauer stattfinden lassen zu wollen. So hätte es einen geordneten Abschluss gegeben. Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand ist empört.

Berliner Morgenpost: Herr Niroomand, wie interpretieren Sie die Kehrtwende der VBL?

Kaweh Niroomand: Das muss man auf zwei Ebenen betrachten. Es gab eine Abstimmung der Vereins-Manager, die ist relativ eindeutig ausgefallen für den sofortigen Abbruch. Das hat der VBL-Vorstand am Abend zugrunde gelegt für seine Entscheidung. Für mich spiegelt sich da die Situation in unserer Liga wider. Die Abstimmung ist so klar ausgefallen, weil die Saison für die meisten Vereine eh vorbei war, da ging es ja bestenfalls noch um Platz zwei. Natürlich wurden dann die aktuellen Argumente zur Gesundheit der Bevölkerung angeführt. Aber dahinter steckten auch wirtschaftliche Interessen.

Ich gehe davon aus, die BR Volleys haben dagegen gestimmt. Was wäre Ihr Vorschlag gewesen, die Situation zu retten?

Auf die fünf Tage wäre es jetzt nicht mehr angekommen. Man hätte die beiden Spieltage innerhalb von drei, vier Tagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchführen können. Dann hätte man eine saubere Tabelle mit allen Platzierungen, einen ordentlichen Saisonabschluss. Das Problem ist, dass unsere Interessen und unsere Entwicklung ganz anders gelagert sind als für den Rest der Liga.

Sie sind also enttäuscht von der VBL?

Ich war ja immer Anhänger einer radikalen Lösung. Aber mit Augenmaß. Diese beiden Spieltage hätte man durchführen können und danach abbrechen. Es ist ja eine andere Situation als beim Fußball, wo noch zehn Spieltage anstehen. Oder beim Handball und Basketball.

Fahren Ihre Spieler jetzt in den Urlaub? Die haben doch bis Ende Mai laufende Verträge.

Der amerikanische Volleyball-Verband hat schon Donnerstag gefordert, dass unsere fünf Amerikaner sofort zurückgeschickt werden. Im Prinzip steht ja nichts mehr an. Wir müssen sehen, wie wir damit umgehen. Die Situation ist für uns alle neu. Auf die Schnelle habe ich auch keine Lösung für alles.

Welche wirtschaftlichen Folgen hat dieses Saisonende?

Da werden Verluste im sechsstelligen Bereich entstehen. Wie fangen wir das auf? Gerade angesichts der Situation, dass unsere Sponsoren ja auch von der Situation betroffen sind. Wer steigt aus, wer kann seine Verträge nicht erfüllen? Wer sagt, ihr spielt eure Saison nicht zu Ende, also zahle ich nicht? Deshalb wäre die andere Entscheidung ein guter Kompromiss gewesen.

Empfinden Sie die Entscheidung der VBL als Schlag ins Gesicht der BR Volleys? Sie werden doch seit Jahren als die Lokomotive der Liga gesehen.

Ja, vor allem wirtschaftlich. Es ist aber auch ein Schlag ins Gesicht für unsere Mannschaft, für unsere Fans, für unsere Sponsoren, für alle. Wir spielen die beste Saison, und dann kommt sowas. Unsere Situation wurde nicht berücksichtigt. Ich hätte vom VBL-Vorstand erwartet, dass er sagt, wir spielen das jetzt bis Dienstag zu Ende, und dann hat sich das.