Volleyball

Die Reise der BR Volleys: Havana – Sibirien – Meistertitel

Nach dem Gewinn des Pokals wollen die BR Volleys auch die Meisterschaft verteidigen. Aber vorher steht noch die Pflicht in Kemerowo.

So sehen Sieger aus: Die BR Volleys nach ihrem Triumph in Mannheim. Dort findet bis 2025 das Pokalfinale statt.

So sehen Sieger aus: Die BR Volleys nach ihrem Triumph in Mannheim. Dort findet bis 2025 das Pokalfinale statt.

Foto: Uwe Anspach / dpa

Berlin. Der Kellner in der Bar „Havana“ in Mannheim staunte nicht schlecht, als am späten Sonntagabend plötzlich eine größere Gruppe von Gästen um Einlass bat. Zuerst kamen ein paar überdurchschnittlich hochgewachsene Männer, die sich als der Volleyball-Pokalsieger BR Volleys zu erkennen gaben. Im Anschluss folgten die Leute aus der Geschäftsstelle des Klubs und etliche überwiegend in Orange gekleidete Fans, alles in allem 40 bis 50 glückliche Menschen. Ein paar Stunden nach dem 3:0 im Endspiel gegen Düren in der SAP-Arena wollten alle noch ein wenig diesen fünften Cupsieg des Vereins feiern. Der Kellner hatte seinen Schrecken auch schnell überwunden und reagierte professionell: Er griff zum Telefon und trommelte weiteres Personal von zu Hause zusammen. Die Party konnte beginnen.

Trainer Enard will, dass seine Spieler zu Tieren werden

„Wir kannten die Bar noch vom letzten Mal“, sagte Geschäftsführer Kaweh Niroomand fröhlich. Das letzte Mal, das war 2016, als die Berliner ebenfalls im Pokalfinale triumphiert hatten, damals gegen den TV Bühl. Doch seitdem ist ein bisschen was passiert im deutschen Volleyball. Seitdem haben die BR Volleys den langjährigen Platzhirschen VfB Friedrichshafen vom Platz eins in dieser Sportart verdrängt. In dieser Saison war es für die Charlottenburger der 23. Sieg im 23. Spiel gegen einen nationalen Konkurrenten. Dementsprechend ist das nächste Ziel klar umrissen. „Natürlich der Meistertitel“, sagte Kapitän Moritz Reichert. Trainer Cédric Enard wünscht sich von seinem Personal: „Wir müssen wie die Tiere ins Play-off gehen.“

Hungrig und bissig soll das wohl bedeuten. Allerdings bereitet dem Franzosen ein wenig Sorgen, dass die Meisterschaftsendrunde erst Ende März beginnt, in rund fünf Wochen. Bis dahin haben die Berliner noch vier Spiele in der Bundesliga zu bestreiten; ein Sieg reicht ihnen, um auch rechnerisch Platz eins und damit den Heimvorteil im Play-off sicher zu haben. Gerade sind sie so gut in Schwung, dass der Kampf um den wichtigsten Titel gern gleich beginnen könnte. „Wir müssen versuchen“, sagte Enard, „unseren Rhythmus zu behalten.“

BR Volleys wollen auch in der Champions League angreifen

Er blickt aber schon darüber hinaus. Geht es nach ihm, werden die wichtigsten Personalfragen – also: wer bleibt, wer geht, wer kommt – bis dahin schon geklärt. „Das wird schwierig“, orakelt Niroomand, „die Vorsortierung des Marktes ist in vollem Gange.“ Die international zahlungsfähigere Konkurrenz aus Russland, Polen oder Italien bekommt natürlich mit, welch starke Mannschaft in Berlin gerade am Start ist und wird nichts unversucht lassen, sich die Filetstücke herauszuschneiden. Die BR Volleys andererseits haben nach der guten Erfahrung dieser Saison, als der Stamm des Teams sich schon kannte, großes Interesse, dass es ein weiteres Mal so geschieht.

„Vielleicht können wir den Kern zusammenhalten“, hofft der Geschäftsführer. Steller Sergej Grankin, den besten Mann in der Bundesliga. Diagonalangreifer Benjamin Patch, der ein ideales Paar mit dem Russen bildet. Den immer stärker werdenden Reichert. Samuel Tuia und Nicolas Le Goff sind wie ihr Trainer Franzosen, was eine weitere Zusammenarbeit erleichtern könnte. Schließlich gibt es im Verein ein übernächstes Ziel. Nämlich irgendwann einmal in der Champions League den ganz Großen Paroli zu bieten, in einer ganz besonderen Saison.

Dieses Mal sind die Berliner dort bereits ausgeschieden, auch wenn ihnen am Montag noch die beschwerliche Reise nach Sibirien zum Spiel am Mittwoch (13 Uhr) bei Kuzbass Kemerowo bevorstand. Reichert allerdings freute sich darauf, allen Strapazen zum Trotz, „weil es Spaß macht, sich gegen Weltklasse zu beweisen“. Enard forderte unverblümt von seinen Pokalsiegern: „Lasst uns versuchen, Kemerowo zu schlagen. Nur für uns.“ Für ein noch größeres Selbstbewusstsein.

Mehr über die BR Volleys finden Sie hier.