Volleyball

BR Volleys demonstrieren ihre Macht

Der deutsche Volleyball-Meister ist jetzt auch deutscher Pokalsieger. Die BR Volleys dominieren im Finale Gegner Düren nach Belieben.

Die Helden Mannheims: Ohne Probleme sicherte sich die Mannschaft der BR Volleys den fünften Pokaltriumph der Klubgeschichte.

Die Helden Mannheims: Ohne Probleme sicherte sich die Mannschaft der BR Volleys den fünften Pokaltriumph der Klubgeschichte.

Foto: Uwe Anspach / dpa

Mannheim. Trainer Cédric Enard roch ein klein wenig nach Bier, obwohl er extra schnell seine Kleidung gewechselt hatte. Als der Trainer der Berlin Recycling Volleys kurz die Kabine seiner Mannschaft verließ, um sein Siegerstatement abzugeben, bekamen seine Zuhörer einen Eindruck davon, was sich zuvor abgespielt haben musste. Bierduschen noch und noch, auf den Shirts stand ja auch, von einer Berliner Brauerei gesponsert, der Grund: „Berliner Pokalhelden. 1994, 1996, 2000, 2016, 2020.“ Das aktuell beste Volleyballteam Deutschlands, das allein in den vergangenen acht Jahren sieben Mal den Meistertitel gewann, hat nun auch seinen fünften Cupsieg zu seiner Erfolgsliste hinzugefügt. Durch einen nie gefährdeten 3:0 (25:12, 25:18, 25:22)-Sieg gegen kraftlose Powervolleys Düren. „Die Jungs“, sagte Berlins Coach Enard hochzufrieden, „waren sehr fokussiert heute. Sie waren es schon in den vergangenen Tagen.“ Diese Trophäe sollte unbedingt in die Hauptstadt, die auch die Volleyball-Metropole ist.

BR Volleys haben von Beginn an die mentale Hoheit

Die bedauernswerten Westdeutschen hatten so vor 10.689 Zuschauern in der Mannheimer SAP-Arena beim Volleyball-Höhepunkt des Jahres keine Chance. „Die Mannschaft hat von Anfang an klar gemacht: Heute brennt hier nichts an“, lobte Geschäftsführer Kaweh Niroomand, „und damit die mentale Hoheit übernommen.“ Der Rhythmus des Geschehens war so früh festgelegt. Das bestätigte Teamkapitän Moritz Reichert: „Jeder ist heute mit Vollgas reingegangen.“ Samuel Tuia ergänzte: „Wir haben Druck, Druck, Druck gemacht. Dabei hatten wir ja den Druck. Vor dem Finale war klar: Wir müssen das gewinnen.“

Weil die Rheinländer nur Siebter der Bundesliga-Tabelle sind. Die Berliner haben dagegen in dieser Saison jedes Spiel gegen nationale Konkurrenz für sich entschieden, 18 Mal in der Liga, einmal im Supercup und nun auch vier Mal im Cupwettbewerb. Eine so klare Favoritenrolle hätte auch zum Ballast werden, Düren befreit aufspielen können. Zumal die BR Volleys im Pokal schon häufig hinter ihrer Bestleistung zurückgeblieben sind. Diesmal nicht. „Unsere letzten Wochen war nicht so leicht“, sagte der von Berlin an die Powervolleys ausgeliehene Egor Bogachev, „und nach unserem unglücklichen Start sind wir ins gleiche Muster gefallen. Wir haben schnell den Mut verloren.“

Nur im dritten Satz kommt kurz Spannung auf

Von Beginn an ließen die Berliner vor rund 250 mitgereisten Berliner Fans keine Zweifel am Endresultat aufkommen. Zwar begann die Partie mit einem Fehlaufschlag des Zuspielers Sergej Grankin, danach jedoch lief alles wie im Schnürchen. Die Dürener brachten kaum eine Angriffsaktion zum guten Ende und wurden von ihrem Kontrahenten förmlich überrollt. Grankin, Benjamin Patch und Co. kämpften auch bei ihren höhen Führungen um jeden Ball, als sei es ein abzuwehrender Matchball. Das zeigte Wirkung. Auf Dürener Seite ließen selbst Routiniers wie der enttäuschende Björn Andrae oder Michael Andrei bald die Schultern hängen. Während sich etwa Bogachev, der Chilene Sebastian Gevert (Punktbester mit zwölf Zählern) oder der starke Mittelblocker Tim Broshog bis zum Schluss wehrten.

Es nützte nichts, weil der Meister in allen Belangen überlegen war, „darum haben wir auch verdient gewonnen, finde ich“, sagte Reichert. Einmal wurde es noch etwas spannend, in der SAP-Arena machte sich so etwas wie Hoffnung breit, die Partie könnte länger als eine gute Stunde dauern. Da führte der Außenseiter, der seine Rotation leicht verändert hatte, mit 16:14, doch nur Augenblicke später hatten die Berliner beim 21:17 schon wieder alles unter Kontrolle. „Sergej hat das Team das ganze Spiel über perfekt geführt, er hat nie den Eindruck aufkommen lassen, die Konzentration werde sinken“, lobte Enard den Russen Grankin besonders. Der wies wie üblich solche Heraushebungen zurück und sprach von einer „ganz starken Mannschaftsleistung, mit der wir uns diesen Titel verdient haben“.

Zur Belohnung müssen die BR Volleys nach Sibirien

Dennoch war es eine Augenweide, ihm zuzusehen, wie er vor allem seine US-Spezi Benjamin Patch (13 Punkte) immer wieder anspielte und der Amerikaner gnadenlos einschmetterte. Aber auch die Mittelblocker Jeffrey Jendryk und Nicolas Le Goff oder der Franzose Tuia (11) und der Deutsche Reichert (10) kamen auf ihre Kosten. Düren konnte nie vorhersehen, wer in der nächsten Szene der entscheidende Mann sein würde. Nach der Partie sangen die Berliner Fans „Oh, wie ist das schön“, der Kusshände werfende Niroomand wurde gefeiert wie die gesamte Mannschaft.

Es war keine Feier vorbereitet, aber es war klar, dass die Nacht eine lange werden würde. „Wir müssen ja schließlich zwei, drei Bier trinken“, beharrte Tuia. „Das könnte sein“, pflichtete Reichert bei. Das erleichtert vielleicht auch die Reisestrapazen des Montags: Da reist der nun fünfmalige deutsche Pokalsieger nämlich nicht nach Hause, sondern nach Sibirien. In Kemerowo ist noch ein sportlich bedeutungsloses Champions-League-Spiel zu bestreiten. Es wäre noch viel lästiger gewesen, wenn die Berliner nicht mit dem schönen Gefühl des Pokaltriumphs hinfliegen könnten.