Volleyball

Neustart im deutschen Volleyball

Georg Grozer hört auf, die deutsche Volleyball-Nationalmannschaft steht vor einem Neuaufbau. Bekommt sie auch einen neuen Trainer?

Raus mit Applaus: Georg Grozer (l.) bedankt sich bei den Fans in der Schmeling-Halle. Er hat angekündigt, seine Karriere in der Nationalmannschaft zu beenden.

Raus mit Applaus: Georg Grozer (l.) bedankt sich bei den Fans in der Schmeling-Halle. Er hat angekündigt, seine Karriere in der Nationalmannschaft zu beenden.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Er hätte sich wenigstens noch verabschieden können. Aber Georg Grozer war nicht nach reden zumute. „Ich sage heute gar nichts“, grummelte der Superstar des deutschen Volleyballs und stapfte an den Journalisten vorbei in die Kabine. So hatte sich der 35-Jährige seinen letzten Auftritt im Trikot der Nationalmannschaft nicht vorgestellt. Es war seit Längerem klar, dass Grozer nach dieser Saison seine DVV-Karriere beenden wird. Doch bis zuletzt hatte er die Hoffnung nicht aufgegeben, dass nicht das Olympia-Qualifikationsturnier für Tokio der Endpunkt seiner Reise sein würde, sondern die Spiele selbst.

Das Scheitern lässt wenig Raum für Interpretationen

Aber ausgerechnet im Finale erwischten die Deutschen beim 0:3 gegen Frankreich nicht ihren besten Tag. „Gerade in den ersten beiden Sätzen haben wir lange nicht zu unserem Rhythmus gefunden“, sagte Mittelblocker Marcus Böhme. Im ganzen Spiel gelangen lediglich zwei Asse, demgegenüber standen 16 Aufschlagfehler. Allein beim Service gab die deutsche Mannschaft auf diese Weise fast einen kompletten Satz ab.

Es war der bittere Abschluss dieser Woche in Berlin. „Hero or Zero“, Helden oder Versager – unter dieses Motto hatte der Deutsche Volleyball-Verband das Turnier in der Max-Schmeling-Halle gestellt, das von Beginn an wenig Spielraum ließ, wie das verpasste Olympiaticket zu bewerten war. Und während für die meisten Spieler schon in einigen Tagen wieder der Ligaalltag ruft, wird der Verband die Auswirkungen noch etwas länger zu spüren bekommen.

Abschied von Grozer bedeutet Ende einer Ära

Der Abschied von Georg Grozer bedeutet das Ende einer Ära. Er reißt eine Lücke, welche die jüngere Generation erst einmal schließen muss. In den vergangenen Jahren war Grozer mit seiner Schlaghärte stets vorangegangen; die Bronzemedaille bei der WM 2014 und Platz zwei bei der EM 2017 waren zu großen Teilen sein Verdienst.

„Mit seiner Energie hatte er die Fähigkeit, die anderen Spieler auf dem Feld mitzureißen“, sagte Marcus Böhme. Grozers Abgang könnte nun jedoch eine ganz andere Sogwirkung entfalten. Auch einige andere Spieler sind bereits im fortgeschrittenen Alter und stehen ebenfalls vor der Frage, ob sie ihre Karriere für Deutschland fortsetzen. Etwa Kapitän Lukas Kampa: Er habe noch keine abschließende Entscheidung getroffen, so der 33-Jährige. „Klar ist, dass ich das Pensum, das ich seit 2008 in Nationalteam mache, künftig so nicht mehr schaffen werde. Wenn nochmal eine Weltmeisterschaft oder eine Europameisterschaft kommt, will ich das aber nicht komplett ausschließen.“

Vertrag von Bundestrainer Giani läuft aus

Auch Marcus Böhme (34) kann sich vorstellen, noch ein Turnier zu spielen, aber bis Olympia 2024 wird es wohl auch für ihn nicht gehen. Bei Libero Markus Steuerwald (30), der für das Berliner Turnier extra noch einmal reaktiviert worden war, stehen die Zeichen ebenfalls auf Abschied. Auf seiner Position gibt es aber noch die geringsten Sorgen.

Mit Julian Zenger von den BR Volleys steht ein Nachfolger bereit, der seine Qualitäten schon bei diesem Turnier bewies. „Nun müssen wir den jungen Spielern eine Chance geben. Wir müssen jetzt an die nächsten vier Jahre denken, den Weg zu den nächsten Olympischen Spielen“, sagte Bundestrainer Andrea Giani.

Offen ist, ob er die Mannschaft auf diesem Weg begleiten wird. Der Vertrag des Italieners läuft nach dieser Saison aus. Und schließlich ist er der Hauptverantwortliche dafür, dass die Olympischen Spiele in Tokio ohne Deutschland stattfinden. „Wir werden uns in aller Ruhe zusammensetzen und besprechen, wie es weitergeht“, sagte DVV-Präsident René Hecht. Die Art und Weise, wie er dem Coach dabei den Arm auf die Schulter legte, wirkte wie ein Vertrauensbeweis.

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