Volleyball

Nächster Anlauf der BR Volleys beim Lieblingsgegner

Im Pokal-Viertelfinale treffen an diesem Mittwoch Friedrichshafen und Berlin aufeinander. Die Statistik spricht für die Schwaben.

David Sossenheimer gegen den Berliner Block mit Steven Marshall, Graham Vigrass Paul Carroll (v.l.). Den Cupsieg im Januar 2017 feierte der VfB Friedrichshafen.

David Sossenheimer gegen den Berliner Block mit Steven Marshall, Graham Vigrass Paul Carroll (v.l.). Den Cupsieg im Januar 2017 feierte der VfB Friedrichshafen.

Foto: Wuechner/Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Pressefoto

Berlin. VfB Friedrichshafen gegen BR Volleys – mehr geht nicht im deutschen Volleyball. Saison für Saison teilen diese beiden Vereine die Meisterschaft unter sich auf, seit mittlerweile 22 Jahren ist das so. Rekord-Champion sind die Schwaben mit 13 Titeln, doch in den vergangenen acht Jahren hatte sieben Mal der Klub aus der Hauptstadt die Nase vorn. Wie es aussieht, können die Berliner (10 Meisterschaften) über kurz oder lang sogar am VfB vorbeiziehen.

Daraus jedoch Rückschlüsse auf den zweiten nationalen Wettbewerb zu ziehen, verbietet sich. Wenn es um den DVV-Pokal geht, ist Friedrichshafen (16 Cupsiege) Lichtjahre von Berlin (4) entfernt. Warum das so ist? Schwer zu erklären. Häufig scheiterten die BR Volleys gar nicht am Lieblingsfeind vom Bodensee, sondern wahlweise an Moers, Haching, Düren, Herrsching oder Lüneburg. Oder an sich selbst.

Für Enard stehen die Chancen bei 50:50

Dieses Jahr soll ihnen das nicht passieren, und jedenfalls an diesem Mittwoch (20 Uhr) kann auch niemand anderes ihnen ein Bein stellen, denn da kommt es in der ZF-Arena am Bodensee zum Aufeinandertreffen Friedrichshafens mit den BR Volleys. Ob sie diesmal schaffen, was sie noch nie geschafft haben, seit die Hauptstadt-Volleyballer vom SCC unter dem Namen BR Volleys antreten? Nämlich den Rekord-Pokalsieger aus dem Rennen zu werfen?

Nach Meinung von Volleys-Trainer Cédric Enard stehen die Chancen „50:50“. Manche sähen sein Team als Favoriten, weil es Anfang Oktober den Supercup in Hannover mit 3:0 gegen die „Häfler“ gewonnen habe. Andere hielten den Heimvorteil für wichtiger. Der Franzose sagt: „Aus meiner Sicht stehen die Uhren auf Null.“ Tagesform, Kleinigkeiten, ein Punkt kann entscheidend sein.

Beide Teams beherrschen erneut die Bundesliga

Darüber besteht Einigkeit: Die Mannschaft, die in Hannover gegen Berlin chancenlos war, hat sich seither stark entwickelt. Laut Enard ist sie „in der Annahme stabiler. Auch die Abstimmung mit den Zuspielern ist besser“. Mit dem australischen Mittelblocker Nehemiah Mote ist zudem ein sehr guter Aufschläger hinzugekommen. Das spiegelt sich in den Ergebnissen: In der Bundesliga hat der VfB alle seine sieben Spiele gewonnen, zuletzt bei den Alpenvolleys Haching am Montag mit 3:2.

Nur darf man nicht übersehen: Die BR Volleys stehen vor Friedrichshafen an der Tabellenspitze, weil sie sogar alle acht Spiele für sich entschieden, ein tadelloser Saisonstart. „Unsere Stamm-Sechs hat bereits in der letzten Saison zusammengespielt“, sieht Manager Kaweh Niroomand einen weiteren Vorteil auf Berliner Seite. Man darf auch behaupten, dass sein Team mehr individuelle Klasse vereint, etwa den Olympiasieger Sergej Grankin aus Russland, die US-Nationalspieler Benjamin Patch und Jeffrey Jendryk, Frankreichs Block-Wand Nicholas Le Goff, die deutschen Nationalspieler Moritz Reichert und Julian Zenger.

Im Pokal siegen fast immer die „Häfler“

Die beiden Letztgenannten wurden gerade von Bundestrainer Andrea Giani in den vorläufigen 20-Mann-Kader für die Olympia-Qualifikation vom 5. bis 10. Januar in Berlin berufen. 14 von ihnen überstehen den letzten Cut an den ersten Januartagen. Das ist noch ein Weilchen hin, für Zenger zählt nun erst einmal die Pokal-Herausforderung. „Ich hätte das Spiel lieber bei uns in der Schmeling-Halle gehabt“, sagt der 22-Jährige. Aber Auslosung ist Auslosung. „Früher oder später muss man sowieso jeden schlagen.“ Niroomand glaubt vorausschauend: „Wer dieses Spiel gewinnt, hat gute Chancen, Pokalsieger zu werden.“

Wohl wahr. Mit Lüneburg und Haching haben sich zwei Topteams schon im Achtelfinale verabschiedet. Aber wer all sein Geld nun auf die BR Volleys setzen will, muss gute Nerven und einen starken Glauben haben. Ein einziges Mal (2016) holten sie in den vergangenen zehn Jahren den Cup, blickt man noch zehn weitere Jahre zurück, kommt ein einziger Triumph (2000) hinzu. Außerdem: Wenn es das sportliche Schicksal doch mal so wollte, dass die beiden Erzrivalen im Pokal direkt aufeinandertrafen, hat zumindest in diesem Jahrtausend immer der VfB Friedrichshafen gewonnen. Andererseits: Je länger eine Serie dauert, um so näher kommt sie ihrem Ende.