Volleyball

Deutsche Volleyballer wollen nach Paris

Die Konkurrenz ist stark, das Ziel klar. Die deutsche Volleyball-Nationalmannschaft will wie 2017 bei der EM eine Medaille gewinnen.

Jubel im Nationalteam: Die Berliner Moritz Reichert (3.v.r.) und Julian Zenger (r.) peilen bei der EM die nächste Medaille an.

Jubel im Nationalteam: Die Berliner Moritz Reichert (3.v.r.) und Julian Zenger (r.) peilen bei der EM die nächste Medaille an.

Foto: nph / Kurth / picture alliance / nordphoto

Berlin. Endlich kann sich Moritz Reichert mal wieder richtig auf ein Volleyball-Großereignis freuen. In den vergangenen beiden Jahren haben den Außenangreifer der BR Volleys zur Unzeit Verletzungen zurückgeworfen. So verpasste der 24-Jährige 2017 einen der größten Auftritte der deutschen Nationalmannschaft, die in Polen überraschend EM-Silber gewann. Umso mehr fiebert er nun den kontinentalen Meisterschaften entgegen, die für ihn und seine Mannschaft an diesem Freitag (15 Uhr) mit dem ersten Gruppenspiel in Brüssel gegen Serbien beginnen. „Wir hatten eine gute Vorbereitung“, sagt Reichert, „als Team haben wir uns das Ziel gesetzt, wieder eine Medaille zu gewinnen.“

So viele Teams bei der EM dabei wie noch nie

Das wird schwierig, aus verschiedenen Gründen. 24 Nationen nehmen teil, so viele wie noch nie. Das Turnier wird in vier Ländern stattfinden. In Belgien, den Niederlanden, Frankreich und Slowenien ermitteln jeweils sechs Mannschaften jene vier Teams, die den Sprung ins Achtelfinale schaffen. Dann wird der Modus kompliziert: Wo die Deutschen im Erfolgsfall Achtel- und Viertelfinale bestreiten, hängt davon ab, welche der gastgebenden Nationen sich dafür qualifizieren. Sicher ist, dass die Spiele um die Medaillen in Paris über die Bühne gehen. Das bedeutet, dass zur körperlichen Strapaze, bis zu neun Partien bewältigen zu müssen, auch noch Reisestress kommen könnte. „Wir beschäftigen uns nicht groß damit“, sagt Reichert, „sondern versuchen, das Beste daraus zu machen.“ Paris ist das Ziel.

Wie Bundestrainer Andrea Giani verspricht auch der Berliner sich viel von der Rückkehr Georg Grozers ins Nationalteam. Der 34-Jährige habe eine unheimliche Präsenz und „ist eben ein Spieler auf höchstem Niveau. Du weißt, in wichtigen Momenten bekommt er den Ball und macht was draus.“ Zumal Grozer mit einem weiteren Routinier, Zuspieler Lukas Kampa (32), bestens harmoniert. Was schon in der schwierigen Vorrundengruppe D nötig sein wird, denn nach dem Serbien-Spiel heißen die weiteren Kontrahenten Gastgeber Belgien, Österreich, Slowakei und Spanien. „Wir haben gleich zu Anfang die schwersten Gegner, darauf fokussieren wir uns jetzt“, berichtet Reichert, „und danach müssen wir von Spiel zu Spiel sehen.“ EM-Favoriten gibt es viele: Titelverteidiger Russland, Weltmeister Polen, die starken Franzosen, Bulgaren und Italiener. Und Deutschland.

Wechsel vom Sand in die Halle nicht bereut

Für Moritz Reichert geht es bei der EM auch darum, in der Nationalmannschaft die guten Leistungen zu bestätigen, die er zuletzt bei den BR Volleys gezeigt hat. Im fünften Finale um die deutsche Meisterschaft in Friedrichshafen verwandelte er den Matchball mit einem Ass und krönte so eine am Ende hervorragende Saison. In Gianis Team gehört er wie Libero Julian Zenger (22), der im Mai von Frankfurt nach Berlin wechselte, zu den Jüngeren, die das Gerüst der Zukunft bilden sollen. Seit drei Jahren zählt er bereits zum festen Stamm.

Dabei hatte er zu Beginn seiner Karriere auf anderem Untergrund großen Erfolg. Da wurde Reichert 2013 Beachvolleyball-Weltmeister der U-19-Junioren – mit einem gewissen Clemens Wickler. „Ja, wir haben noch Kontakt“, erzählt Reichert, „er ist ja super erfolgreich.“ Mit Julius Thole gewann Wickler im Juli an der Seite von Julius Thole in Hamburg WM-Silber, jüngst belegten beide ebenfalls Rang zwei beim World-Tour-Finale in Rom. Seinen Wechsel hat der 1,95 Meter große Berliner dennoch nicht bereut: „Mit meinen körperlichen Voraussetzungen habe ich bessere Chancen in der Halle“, glaubt er. Zwei deutsche Meistertitel mit dem VfB Friedrichshafen (2015) und den BR Volleys (2019) bestätigen das.

Vorfreude auf die Olympia-Qualifikation in Berlin

Und jetzt vielleicht auch die Aussicht auf eine Medaille. Mindestens wollen sich die Deutschen bei der EM den nötigen Respekt verschaffen, denn eine noch wichtigere Veranstaltung steht ihnen Anfang 2020 bevor, wenn es um die Olympia-Qualifikation geht. „Wir wollen schon mal zeigen, dass mit uns als Gastgeber zu rechnen ist“, kündigt Kampa an. Das gilt erst recht für Reichert und Zenger, denn das Turnier findet vom 5. bis 10. Januar in der Berliner Max-Schmeling-Halle statt.