Volleyball

BR Volleys starten mit Grankin in die Zukunft

Olympiasieger Sergej Grankin bleibt bei den BR Volleys. Das kann den deutschen Volleyball-Meister auf ein noch höheres Niveau heben.

Volleys-Zuspieler Sergei Grankin (r.) mit der Meisterschale.

Volleys-Zuspieler Sergei Grankin (r.) mit der Meisterschale.

Foto: Felix Kästle / dpa

Berlin. Die Fans der BR Volleys wurden schon unruhig. Und was wird aus unserem wichtigsten Spieler? Kaweh Niroomand hatte vor fast 600 Gästen auf der Abschlussveranstaltung im Vip-Bereich der Schmeling-Halle ein Loblied auf das Team und die Saison gesungen, die in der zehnten Meisterschaft endete. Er hatte gesagt, wer bleibt, wer geht und wer kommt.

Nur zu einer Personalie hatte er sich nicht geäußert. „Sergej? Sergej?“ riefen die Fans nun, halb ängstlich, halb verständnislos. „Ach so“, sagte der Volleys-Geschäftsführer verschmitzt, als wäre ihm das entfallen, „ja, Sergej bleibt.“

Grankin verlängert Vertrag um ein Jahr

Das Schönste kam also zum Schluss, aber damit kam auch der schlimmste Moment des Abends für Sergej Grankin. Bis dahin hatte er sich ein bisschen am Rand verstecken können. Nun musste der beste Spieler der besten Mannschaft Deutschlands auf die Bühne kommen. Der Russe ist nur auf dem Volleyballfeld emotional und draufgängerisch.

„Er ist so bescheiden und so gut“, sagte Niroomand, „als wir Meister waren, ist er tatsächlich zu mir gekommen und hat sich bei mir bedankt, dass er das erleben durfte. Solche Leute brauchen wir. Sergej passt perfekt zu uns.“

So ähnlich beschrieb auch Grankin das, was sich zwischen ihm und dem Manager zugetragen hatte: „Er hat mir geholfen, als ich eine harte Zeit hatte. Nun könne ich ihm was zurückgeben, hat er gesagt. Ich fühle mich verantwortlich. Also bleibe ich.“ Niroomand wünschte sich eine Zusage über zwei Jahre. „Aber das ist noch nicht entschieden“, so Grankin, „erst mal habe ich für ein Jahr zugesagt.“

Grankin ist athletisch und vielseitig

Vermutlich hätte sich der blonde Zuspieler, der 2012 in London mit Russlands Nationalteam Olympiasieger wurde, diese Entwicklung vor Kurzem auch nicht träumen lassen. Er ist jetzt deutscher Volleyball-Meister. Muss komisch klingen für jemanden, der seine komplette Karriere in der Heimat verbracht hat und diese nie verlassen wollte. Doch im Dezember hatte er sich im Streit von seinem Stammverein Dynamo Moskau getrennt.

Im Januar hatten ihn die BR Volleys verpflichtet. Schon nach wenigen Wochen war klar – und es wurde im Play-off immer klarer – einen solchen Spieler hat es in der Bundesliga noch nicht gegeben. Athletisch, erfahren, vielseitig, immer einen Gedanken schneller als die Konkurrenten: Grankin hob seine Mitspieler auf ein neues Niveau.

Die jungen Spieler hören auf Grankin

Aber es war ein Geben und Nehmen. Grankin wurde überall freundlich aufgenommen. „Das ist in meiner Karriere die erste Station mit so wunderbaren Zuschauern, einer so großartigen Stimmung in der Arena“, sagte er, „und die gesamte Organisation, der Verein. Da gibt es keine Probleme.“ Weil er so zurückhaltend ist, schlossen ihn die Fans sofort in ihre Herzen. Er ist ein Star wider Willen. „Ich nehme das nicht so wichtig. Ich laufe nicht mit erhobener Nase auf der Straße herum. Das bin ich nicht“, sagt Sergej Grankin.

Was ihn immer noch treibt, ist Ehrgeiz. Der Vater einer kleinen Tochter redet bei seinen Zielen weniger von der Bundesliga. Ihn reizt es, große Auftritte in der Champions League zu zeigen. „Wir haben eine junge Mannschaft, aber Chancen gibt es immer“, sagt er, „warum nicht ganz weit kommen? Es hilft, dass unser Stamm zusammenbleibt.“ Das sei ein weiterer Grund für ihn gewesen zu bleiben. Und dass er sich so gut mit den jungen Spielern versteht, die zu ihm aufblicken: „Sie hören auf mich.“

Drei weitere Zugänge soll es noch geben

Es wird andererseits Niroomand helfen, dass Grankin bleibt. Bisher stehen mit den Zugängen Julian Zenger (aus Frankfurt) und Cody Kessel (aus Lüneburg) neun Spieler unter Vertrag, zwölf sollen es werden. Jung-Nationalspieler Egor Bogatchev wird für nur eine Saison abgegeben, um in Düren Spielpraxis zu sammeln.

„Dass Sergej bleibt“, sagt der scheidende Kapitän Sebastian Kühner, „ist ein Signal, wie niveauvoll in Berlin gearbeitet wird.“ Man darf gespannt sein, wen Niroomand noch aus dem Hut zaubert. Und ob er die Fans wieder so lange zappeln lässt.