Volleyball

Die lange Nacht der BR Volleys im Flughafenhotel

Die Berliner feiern ihren zehnten Meistertitel ausgelassen. Der Blick richtet sich aber schon wieder auf die nächsten Ziele.

Kyle Russell prüft, ob das Gold auch echt ist.

Kyle Russell prüft, ob das Gold auch echt ist.

Foto: Felix Kästle / dpa

Berlin. Das kleine Restaurant in der Nähe des Flughafens Friedrichshafen war leider zu gut besucht für eine spontane Party. Obwohl hier inzwischen die eine oder andere Feier stattgefunden hat – vorab zu reservieren, verkneifen sie sich bei den BR Volleys aus Aberglauben.

Zu Recht, es hätte hellseherischer Fähigkeiten bedurft, den Ausgang des fünften Finales vorherzusagen. 16:14 im Tie-Break, also im fünften Satz, viel knapper geht’s nicht. Doch am Ende hieß es, zum vierten Mal in Folge: Champion BR Volleys, unterlegener Finalist VfB Friedrichshafen.

Und jetzt? Wird das Meisterwerden nicht eintönig? Sicher nicht nach so einer Finalserie. Und außerdem: „Friedrichshafen ist noch Rekordmeister“, setzt Geschäftsführer Kaweh Niroomand gleich ein neues Ziel. 13 Titel für die Süddeutschen, zehn für die Berliner, sehr groß ist der Abstand nicht mehr.

Das Finale der Champions League wäre ein Traum

Trotzdem, auch wenn man „um jede Meisterschaft hart kämpfen“ muss, wie der Manager klarstellt, geht der Blick der Berliner weiter. Über die Grenzen der Bundesliga hinaus. „Das Thema Champions League ist für uns sehr interessant“, sagt er. Aus mehreren Gründen.

Für einen Weltklassemann wie Sergej Grankin ist dies die Spielwiese, auf der er sich präsentieren will. Für seine jungen Kollegen wie Benjamin Patch, Moritz Reichert oder Jeffrey Jendryk ist es der Wettbewerb, wo sie sich weiterentwickeln können.

Auch wenn der Modus extrem hart sei: „Wir wollen uns in den Top Acht Europas etablieren“, sagt Niroomand. Am kommenden Sonnabend finden in Berlin erstmals die „Superfinals“ statt, die Endspiele der Königsklasse bei Frauen und Männern. Womöglich nicht zum letzten Mal.

Die Stammformation bleibt zusammen

Niroomand wäre nicht Niroomand, hätte er nicht schon mal ein Endspiel mit Beteiligung der BR Volleys vor seinem geistigen Auge vorbeiflimmern sehen. „Es ist unangemessen von uns, vom Finale zu sprechen“, sagt der Motor des Berliner Volleyball-Projektes, „aber träumen darf man.“

Voraussetzung dafür ist ein starkes Team. Wie es derzeit aussieht, werden die BR Volleys ein solches haben. Am Dienstagabend (18 Uhr, Schmeling-Halle) will der Geschäftsführer auf der Saison-Abschlussfeier Details verkünden. Nationalspieler Julian Zenger (21/bisher Frankfurt) wird Nachfolger des wechselwilligen Franzosen Nicolas Rossard auf der Liberoposition. Benjamin Patch, mit 29 Punkten der beste Berliner im fünften Finale, wird ebenso bleiben wie der Rest der Stammformation.

Es werden aber auch Profis den Verein verlassen. Linus Weber (19) etwa zieht es zum Verein des Bundestrainers Andrea Giani nach Mailand. Zum zweiten Mal nach Ruben Schott vor zwei Jahren wildert der Italiener im Berliner Kader. „Ich möchte dazu nichts sagen“, erwidert der genervte Niroomand. Das sagt allerdings genug.

Müller lädt ins Rote Rathaus ein

Die positive Stimmung jedoch wollten sich die Berliner nicht verderben lassen. Sie feierten sehr intensiv und sehr lange im Flughafenhotel. Details verriet Niroomand nicht, nur so viel: „Wir hatten eine sehr schöne Feier.“

Am Dienstag geht sie erst einmal mit dem Empfang im Roten Rathaus beim Regierenden Bürgermeister Michael Müller weiter.

„Herzlichen Glückwunsch an alle, die für dieses wunderbare Ende eines dramatischen Finales verantwortlich sind. Sie alle zusammen stehen mit ihrer Leidenschaft und ihrem Einsatz für die herausragende Stellung der Sportmetropole Berlin“, so Müller.