Kommentar

Meisterschaft der BR Volleys: Ein Umbruch ohne Bruch

Die Volleys sind mit ganz neuem Team Meister geworden. Das kann im nächsten Jahr auch in Europa Erfolg haben, meint Dietmar Wenck.

Zehn Mal deutscher Meister: Die BR Volleys.

Zehn Mal deutscher Meister: Die BR Volleys.

Foto: Felix Kästle / dpa

Berlin. Als die Saison noch gar nicht begonnen hatte, da hatte Kaweh Niroomand schon ein etwas mulmiges Gefühl. „Uns muss der Umbruch gelingen, ohne dass es zum Bruch kommt“, sagte der Geschäftsführer bei der Auftaktpressekonferenz der BR Volleys im vergangenen Herbst. Der Verein hat Robert Kromm verloren, Paul Carroll, ein Jahr davor schon Felix Fischer. Sie waren so etwas wie die DNA der Mannschaft, gemeinsam mit Sebastian Kühner, der jetzt ebenfalls aufhören will. Keine Wandervögel, sondern Identifikationsfiguren.

Irgendwann gibt es im Sport natürlich Veränderungen, schon aus Altersgründen. Nur ist Erfahrung durch nichts zu ersetzen, das meinte Niroomand. Er hatte mehr als ein Dutzend neue Spieler verpflichtet, vorzugsweise junge, viel Talent, wenig Routine. Dazu einen Coach, der zum ersten Mal außerhalb seiner Heimat Frankreich arbeitete. Ein nötiges und dennoch ein gewagtes Experiment.

Wie die Bayern im Fußball

Es ist gelungen, es gibt keinen Bruch. Denn die Berliner sind erneut deutscher Meister, zum siebten Mal in den vergangenen acht Jahren, zum vierten Mal in Folge. Das klingt nach Bayern München im Fußball. Aber der Weg dorthin war diesmal sehr steinig. Der Versuch, in Jan Zimmermann einem noch sehr jungen Mann die spielerische Verantwortung über das Team zu geben, erwies sich als zu optimistisch. Der Manager gibt daran nicht dem Spieler, sondern sich selbst die Schuld.

Es gab ungewohnte Probleme jedoch nicht nur beim Zuspiel, auch in der Annahme. Die Rädchen griffen nicht ineinander. Dann reagierte der Verein meisterhaft, verpflichtete in Nicolas Rossard und Sergej Grankin zwei erfahrene Profis, die unaufgeregt und mit hoher Qualität die Qualitäten der anderen erst wirklich zum Vorschein brachten.

Dieses Team wäre auch in Europa konkurrenzfähig

Es ist auch gut und richtig, dass Niroomand nun bestrebt ist, das Gerüst, das im entscheidenden Moment Stabilität erlangt hat, so weit wie möglich zusammenzuhalten. Gelingt es wirklich, den Olympiasieger Grankin an Berlin zu binden, wäre das ein Riesengewinn nicht nur für den Meister, auch für die Liga. Der Russe ist ein Star in seiner Heimat und erst recht in Deutschland.

Und die BR Volleys wollen ja außerdem in Europa viel mehr erreichen als in der nun vergangenen Saison. Dort ist das wahre Spielfeld eines Sergej Grankin und auch der BR Volleys. Mit seiner Routine und dem riesigen Potenzial der jüngeren Spieler müsste Niroomand vor den nächsten Aufgaben nicht mulmig zu sein.