Volleyball

BR Volleys krönen verrückte Saison

Zum dritten Mal in Folge haben sich die BR Volleys in der Finalserie der Volleyball-Bundesliga gegen Friedrichshafen durchgesetzt.

Für Berlin war es bereits der vierte Meistertitel in Folge und der zehnte insgesamt.

Für Berlin war es bereits der vierte Meistertitel in Folge und der zehnte insgesamt.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin/Friedrichshafen. Benjamin Patch kullerten Freudentränen aus den Augen, er musste von Sergej Grankin kräftig gedrückt werden, damit er wieder lachen konnte. Moritz Reichert sprintete im Halbkreis, er hatte soeben den entscheidenden Punkt gemacht, per Ass zum 3:2 (25:17, 25:21, 19:25, 23:25, 16:14)-Sieg der BR Volleys über den VfB Friedrichshafen. Die Emotionen mussten raus. Der deutsche Volleyball-Meister kommt wieder aus Berlin, zum siebten Mal in den vergangenen acht Jahren, zum zehnten Mal insgesamt. „Es war eine Millimeter-Entscheidung“, jubelte Kapitän Sebastian Kühner (32), der das Ende seiner Laufbahn bekannt gab. „Ich bin happy über meine Karriere.“

Das konnte er sein. Glücklich konnten alle Berliner sein. Denn sie hatten eine Achterbahnfahrt der Gefühle hinter sich. In der gesamten Saison, in der es das enttäuschende Aus im Pokal-Halbfinale gab und das schwache Abschneiden in der Champions League. Und dann eine enorme Leistungssteigerung mit der Krönung im Finale. Die Mannschaft fand sich spät, aber gerade noch rechtzeitig. Sonst hätte sie dieses verrückte fünfte Endspiel auch nicht gewonnen.

Die ersten beiden Sätze hatte sie „fast fehlerfrei“ gespielt, wie Geschäftsführer Kaweh Niroomand lobte, „aber als Friedrichshafen die nächsten beiden gewonnen hat, dachte ich, der Sieg schwimmt uns davon.“ Im Tiebreak ein ähnlicher Verlauf. Die BR Volleys um den überragenden Benjamin Patch (29 Punkte) hatten sich ein kleines Drei-Punkte-Polster erarbeitet, doch der VfB glich zum 12:12 wieder aus. 3800 Friedrichshafener Fans wollten ihr Team zum Titel brüllen, aber der Titelverteidiger zeigte sich nervenstark. Patch markierte mit Urgewalt den Punkt zum 15:14, Reichert ließ einen Aufschlag folgen, an den niemand herankommen konnte.

„Berlin ist absolut verdienter Meister“

„Berlin ist absolut verdienter Meister“, sagte Vital Heynen, der unterlegene Trainer. „Es war sehr, sehr, sehr, sehr knapp. Aber wer den letzten Punkt macht, verdient das auch.“ Bitter für ihn und seine Mannschaft: Zum vierten Mal in Folge unterlag der VfB den Berlinern im entscheidenden Spiel, zum dritten Mal in Folge vor dem eigenen Publikum. Noch sind die Süddeutschen mit 14 Titeln Rekordmeister. Aber das Team der Gegenwart, das sind die BR Volleys.

Grankin biss auf dem Siegerpodest für die Fotografen auf seine Goldmedaille; der Russe, der im Januar nachverpflichtet worden war, ist Gold wert für den Verein. Derzeit sieht es so aus, als würde der Olympiasieger von 2012 tatsächlich in Berlin bleiben. Jedenfalls deutete Niroomand das an. Aus der Startformation solle nur Nicolas Rossard gehen, „die gesamte erste Sechs bis auf den Libero bleibt“, sagt Niroomand im TV-Interview. Auch der Zuspieler, der vielleicht der stärkste Profi ist, der je in der Volleyball-Bundesliga am Start war.

„Sergej möchte bleiben, wir wollen ihn halten“, so Niroomand, „wenn uns das gelingt, unsere erste Sechs zu halten, werden wir nächste Saison nicht solche Probleme haben wie in dieser Spielzeit.“ Das ist Zukunftsmusik. Erst einmal wollten die, den zehnten Meistertitel gewonnen hatten, ihn auch gebührend feiern. Orangene T-Shirts mit einer 10 darauf hatten die Berliner dabei und schnell übergestreift. Auf dem Spielfeld wurden Selfies mit der hässlichen Meisterschale gemacht, die doch jeder haben will. Am Montag erst kommt das Team zurück, am Dienstagabend wird mit den Fans in der Schmeling-Halle gefeiert. „Von jetzt bis Mittwoch ist durchgehend Party“, kündigte Niroomand an. Die Mannschaft hat sich das verdient.