Volleyball

Berlin Volleys erkämpfen fünftes Spiel gegen Friedrichshafen

In der Finalserie Best of five gelang dem Hauptstadt-Klub gegen Friedrichshafen mit einem 3:1-Heimsieg der 2:2-Ausgleich.

Erster Matchball abgewehrt: Großer Jubel bei den BR Volleys nach dem Sieg.

Erster Matchball abgewehrt: Großer Jubel bei den BR Volleys nach dem Sieg.

Foto: dpa

Berlin. Die Mission des neunmaligen deutschen Volleyball-Meisters BR Volleys, passend zur zehnten Saison in der Max-Schmeling-Halle – sie könnte doch noch ein gutes Ende nehmen. Der Titelverteidiger gewann in seinem mit 8553 Zuschauern ausverkauften Volleyballtempel mit 3:1 (28:26, 25:21, 15:25, 25:21) gegen den VfB Friedrichshafen. Damit ist die Finalserie der ewigen Rivalen nach dem Modus „Best of five“ mit je zwei Siegen auf beiden Seiten ausgeglichen. In der ZF Arena am Bodensee kommt es somit am Sonntag (14.30 Uhr, Sport1) zum Showdown zwischen den beiden Klubs, die seit zweiundzwanzig Jahren die Meisterschaft unter sich ausmachen.

Benjamin Patch für Kyle Russell in der Startformation

Das hätten viele vor Wochen nicht für möglich gehalten; besonders die BR Volleys zeigten die Saison über sehr schwankende Leistungen. Aber nun wollen sie alles: „Das letzte Spiel müssen wir gewinnen“, sagte Geschäftsführer Kaweh Niroomand. Außenangreifer Moritz Reichert ergänzte: „Unser Ziel ist es, deutscher Meister zu werden. Die Chance haben wir uns heute erhalten.“ Friedrichshafens Trainer Vital Heynen hat natürlich andere Vorstellungen: „In den drei Jahren in Friedrichshafen habe ich alles gewonnen, nur der Meistertitel fehlt noch. Das wollen wir ändern.“

Sicher überraschend war für viele, dass Berlins Trainer Cédric Enard wieder Diagonalangreifer Benjamin Patch anstelle des zuletzt deutlich stärkeren Kyle Russell in die Startformation beorderte. Der Grund: Russell leidet unter einer Magenverstimmung und ist nicht voll fit, sein Einsatz auch am Sonntag fraglich. Patch hatte auch wieder erhebliche Probleme, seine Schmetterschläge durchzubekommen; erst der vierte führte zum Erfolg. „Er macht sich zu sehr verrückt, wenn etwas misslingt“, sagte Niroomand. Der Amerikaner schwankt zu häufig zwischen Flop und Top.

Volleys verwandeln vierten Satzball zur 1:0-Führung

Insgesamt starteten beide Teams nervös und mit vielen Fehlern in die Partie, oft schon beim Aufschlag. Als erste konnten sich die Gastgeber steigern und einen kleinen Vorsprung herausholen. Niroomand klatschte begeistert Beifall, als der bis dahin längste Ballwechsel von Moritz Reichert zum 13:11 verwandelt wurde. Seine Mannschaft wirkte keineswegs verunsichert durch die unglückliche 1:3-Niederlage am vergangenen Sonntag am Bodensee. Sofort nahm VfB-Coach Vital Heynen eine Auszeit, um den Schwung des Gegners zu bremsen. Doch der ließ sich vorerst nicht bremsen, lag 18:15 vorn, angetrieben vom emotionalen Anführer Samuele Tuia.

Doch was heißt das: In Friedrichshafen hatten die Berliner im ersten Satz auch dominiert, sogar sieben Satzbälle gehabt und ihn doch nicht gewonnen. Erneut wendete sich das Blatt, bei 20:19 übernahm der VfB. Die Volleys kämpften jedoch verbissen um jeden Punkt und erarbeiteten sich wieder Satzbälle, wie vor drei Tagen. Diesmal nutzten sie den vierten zum 28:26. Niroomand applaudierte jetzt noch viel heftiger. Und Reichert (19 Punkte) sagte: „Das hat uns natürlich ein Riesen-Selbstvertrauen gegeben.“

Sergej Grankin wird wertvollster Spieler

War der erste Durchgang noch sehr spannend und ausgeglichen, machten die BR Volleys anschließend einen weiteren Schritt nach vorn. Im zweiten Abschnitt gelang es den Süddeutschen nicht ein einziges Mal, sich einen noch so kleinen Vorsprung zu erarbeiten, stets lag der Titelverteidiger vorn, vom 1:0 bis zum 25:21. Den vierten Satzball schmetterte Reichert ins Friedrichshafener Feld. Immer besser hatte sich der 24-Jährige ins Spiel gebracht, neben Tuia (18 Punkte), dem wieder sehr starken Zuspieler und zu Recht zum MVP (Most Valuable Player - wertvollster Spieler) gewählten Sergej Grankin und dem diesmal immerhin nicht komplett enttäuschenden Patch (11).

Bei den Herausforderern überzeugte in erster Linie der kleinste Mann auf dem Feld, der nur 180 Zentimeter messende Außenangreifer Athanasios Protopsaltis. Der Grieche ist dafür in puncto Cleverness den meisten anderen weit voraus. Das allein jedoch reichte nicht, um die Hausherren vor unlösbare Probleme zu stellen. VfB-Star Bartlomiej Boladz blieb wirkungslos. Im dritten Satz waren zwar die Gäste dominant, doch diese Phase nutzten die Berliner auch ein bisschen zum Luftholen. Im Schlussabschnitt hatten sie wieder Oberwasser – bis auf einen 1:3-Fehlstart. Doch kurz darauf lag Enards Team 6:4 vorn und gab seine Führung danach nie wieder ab.

Tuia ließ seinen Emotionen freien Lauf, riss seine Kollegen mit. Reichert (Niroomand: „eine überragende Vorstellung von ihm in allen Belangen“) und der abgebrühte Grankin (Niroomand: „sein Spiel ist eine Augenweide“), der ein Service als kurzen Spinaufschlag zum 24:21 vor die Füße der entsetzten Friedrichshafener setzte, leisteten die Vorarbeit. Und ausgerechnet Benjamin Patch verwandelte den umjubelten Matchball, der die Fans in der Schmeling-Halle in Ekstase versetzte. Und jetzt? „Jetzt haben wir ein Best of one“, sagte Kaweh Niroomand. Um die Mission der BR Volleys zum erhofften Ende zu führen.