Volleyball

BR Volleys kämpfen um ein fünftes Finale

BR Volleys geben sich im Titelkampf noch nicht geschlagen. Trainer Enard soll bleiben, einige Spieler müssen gehen.

Die Berliner Jeffrey Jendryk und Kyle Russsell (v. r.) stemmen sich gegen Philipp Collin und die nächste Niederlage gegen den VfB Friedrichshafen.

Die Berliner Jeffrey Jendryk und Kyle Russsell (v. r.) stemmen sich gegen Philipp Collin und die nächste Niederlage gegen den VfB Friedrichshafen.

Foto: Andreas Gora / pa/dpa

Berlin. Im Sport wird manchmal in wenigen Augenblicken aus großer Begeisterung noch größere Ernüchterung. Das dritte Finale zwischen dem VfB Friedrichshafen und den BR Volleys im Kampf um die deutsche Volleyball-Meisterschaft ist dafür ein gutes Beispiel. Mit dem Schwung ihres Fünfsatzsieges waren die Berliner an den Bodensee gereist, hatten sich dort im ersten Durchgang gleich sieben Satzbälle erarbeitet. Es wirkte, als wäre die Mannschaft von Trainer Cédric Enard auf bestem Wege, den Titel zum vierten Mal in Folge zu holen.

Zuschauerschnitt ist so hoch wie noch nie

Allein: Sie vergab all ihre Möglichkeiten. Die Euphorie gefror zu Frustration. Friedrichshafen gewann das Match 3:1 und braucht in der Best-of-five-Serie nur einen Erfolg, um seinem Coach Vital Heynen einen goldenen Abschied zu schenken. Vor dem vierten Aufeinandertreffen an diesem Mittwoch (18.30 Uhr, Sport1) in der Schmeling-Halle scheint alles für den VfB zu sprechen, der selbst im Fall einer Niederlage ja eine weitere Chance am Sonntag in der eigenen Arena hätte.

So weit ist es noch nicht. „Ich glaube fest daran, dass wir das vierte Spiel gewinnen und die Entscheidung in Friedrichshafen fällt“, sagt Berlins Geschäftsführer Kaweh Niroomand. Die Begründung liefert er gleich mit: „Es war fahrlässig, wie wir den Vorsprung vergeben haben. Aber bis dahin haben wir unseren besten Volleyball in dieser Saison gespielt.“ Nun soll die Mannschaft nicht wieder versuchen, den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen. „Erst mal“, fordert der Manager, „müssen wir uns ganz auf Mittwoch konzentrieren.“ Schritt für Schritt setzen.

Niroomand erkennt Fehler bei Teamzusammenstellung

Dann steht ja auch wieder der „siebte Mann“ hinter dem Team. Die Fans zählen schon jetzt zu den positiven Erkenntnissen einer Saison mit vielen Verletzungen und Pleiten. „Die Art, wie die BR Volleys wahrgenommen werden, ist noch einmal gewachsen“, freut sich Niroomand. 90.408 Zuschauer strömten zu den 18 Partien in die Arena in Prenzlauer Berg, das ergibt einen Durchschnitt von 5023 Fans. Im zehnten Jahr seit dem Umzug von der Sömmering- in die Max-Schmeling-Halle ist das der höchste Wert. Er wird am Mittwochabend noch einmal steigen – die BR Volleys hoffen auf 7500 Zuschauer. Oder mehr. Volleyball zieht in Berlin. Das zeigt sich auch daran, dass die Champions-League-Finals am 18. Mai am selben Ort mit mehr als 9000 an den Fan gebrachten Tickets bereits ausverkauft sind.

Es gibt aber auch andere Erkenntnisse, die bleiben. Der Manager gibt sich eine Mitschuld am unbefriedigenden Verlauf: „Die Verantwortung eines solchen Unternehmens in die Hände eines so jungen Zuspielers zu legen, war falsch. Da müssen wir sorgfältiger sein.“ Die Rede ist von Jan Zimmermann (26), der inzwischen nach Belgien an Greenyard Maaseik weitergegeben wurde, weil er sich bei den BR Volleys nicht durchsetzte. „Ich meine nicht seine Qualität, daran lag es nicht. Es lag an dem Druck und den Erwartungen in Berlin.“

Trainer Enard soll bei den Volleys bleiben

Zumindest glaubt er, dass aus dem nötigen Umbruch nach den Abgängen von Robert Kromm (Karriereende) und Paul Carroll (Wechsel nach Russland) kein Bruch geworden ist. „Beinahe wäre es das geworden“, gibt Niroomand zu. Bereits jetzt kündigt er an, dass es nach der Saison weitere Veränderungen geben soll. „Es werden neue Spieler kommen. Doch die Stammformation wird fast die gleiche bleiben.“ Das erhöht schon die Vorfreude auf die Saison 2019/20. In Friedrichshafen starteten Sergej Grankin, Kyle Russell, Moritz Reichert, Samuele Tuia, Jeffrey Jendryk, Georg Klein und Nicolas Rossard. Nicht dabei waren etwa Diagonalangreifer Benjamin Patch und Nicolas Le Goff, zwei, die eigentlich als Stars des Teams verpflichtet worden waren.

Gern weitermachen möchten die BR Volleys in jedem Fall mit Trainer Cédric Enard. Der Franzose leiste „gute Arbeit. Er kommuniziert auch gut. Ich bin sehr zufrieden mit ihm“, sagt Kaweh Niroomand. Und wer weiß, vielleicht bleibt er am Ende ja sogar doch noch als deutscher Meister bei den BR Volleys.

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