Volleyball-Finale

Kyle Russell hat die Mentalität für die großen Spiele

Der amerikanische Angreifer lässt die BR Volleys auf die Titelverteidigung hoffen, dafür soll am Sonntag ein Sieg her.

Diagonalangreifer Kyle Russell (l.) war am Donnerstag nicht zu bremsen.

Diagonalangreifer Kyle Russell (l.) war am Donnerstag nicht zu bremsen.

Foto: Andreas Gora / dpa

Kyle Russell kannte kein Halten mehr. Mit einem beherzten Satz sprang der Amerikaner in Diensten der BR Volleys auf die Werbebande und ließ sich von der tobenden Menge feiern. Dabei breitete er die Arme aus, so als wollte er sagen: Seht her, was ich geleistet habe!

Beim dramatischen 3:2-Sieg der Berliner gegen den VfB Friedrichshafen war Russell am Donnerstag der überragende Mann. Vor allem ihm war es zu verdanken, dass die Gastgeber das zweite Spiel der Finalserie gewinnen konnten und damit in der Best-of-Five-Serie um die deutsche Meisterschaft zum 1:1 ausglichen. 26 Punkte erzielte der Mann mit dem Schnauzbart, darunter auch den entscheidenden nach 139 intensiven Spielminuten. Damit haben die Berliner am kommenden Mittwoch (8. Mai) ein weiteres Heimspiel in dieser Serie, die am Sonntag zunächst mit Spiel drei am Bodensee weitergeht (14.30 Uhr, Livestream bei rbb24.de).

Patch kann mit Fehlern nicht so gut umgehen

„Das hat er sehr gut gemacht“, sagte Volleys-Manager Kaweh Niroomand und klang dabei fast ein wenig zu nüchtern. Russell selbst drückte es etwas enthusiastischer aus. „Ich bin ein Energie-Mensch und konnte der Mannschaft heute viel Energie geben“, sagte der Diagonalspieler. Er habe 110 Prozent gegeben und zu keinem Zeitpunkt daran gezweifelt, dass die Berliner diese Partie gewinnen würden. „Wir wussten, dass es ein großer Kampf wird. Aber wir haben ihn angenommen“, sagte er.

Bereits im vergangenen Jahr war Kyle Russell einer der Garanten für die Meisterschaft gewesen. In der Finalserie 2018, damals ebenfalls gegen den VfB Friedrichshafen, war er einer der Besten auf Berliner Seite. „Ich liebe es, in solchen Situationen zu spielen“, sagte er.

Trotzdem hatte Trainer Cédric Enard ihn zunächst noch auf der Bank belassen. Anfangs durfte noch Benjamin Patch spielen, doch der enttäuschte erneut und wurde bereits im ersten Satz ausgewechselt. Irgendwie scheint Patch dem Druck im Play-off nicht gewachsen zu sein. „Er kann Volleyball spielen, aber wenn er einen Fehler macht, dann bringt ihn das völlig aus dem Konzept. Dann hat er Kino im Kopf“, sagte Niroomand. Dagegen läuft Kyle Russell in solchen Situationen erst recht zu Höchstform auf. „Er hat diese Mentalität“, so Niroomand. „Er macht sich nicht so einen Kopf, sondern nutzt seine athletischen Fähigkeiten einfach aus.“

Mit Nervenstärke kommen die Berliner immer wieder zurück

Auch Russell gelang allerdings nicht alles. Im dritten Satz schaute der 25-Jährige mit zugekniffenen Augen fast ungläubig zu, wie sein Schmetterschlag geblockt wurde und zurück ins Feld tropfte. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Berliner mit zwei Punkten zurück, das Spiel drohte zu kippen, doch sie kamen noch einmal zurück und gewannen den Satz am Ende in der Verlängerung. Solche Situationen gab es einige. Von Anfang an lastete der Druck auf den Berlinern, die das erste Spiel auswärts klar verloren hatten (0:3). Als sie dann auch noch den ersten Satz abgaben, lag das Momentum eindeutig bei den Friedrichshafenern.

Doch die BR Volleys bewiesen Nervenstärke und befreiten sich aus dieser Lage. „Das war immens wichtig. Wir sind sehr erleichtert“, sagte Kapitän Sebastian Kühner. Nun liegt der Druck auf einmal wieder beim VfB, der sich womöglich daran erinnert, dass er gegen Berlin zuletzt immer den Kürzeren zog. „Das hat so ein Play-off-Rhythmus eben in sich: Wenn du verlierst, hast du die Belastung“, sagte Niroomand. Nur Russell war unbeeindruckt. Auf die Frage, ob sich die Geschichte in diesem Jahr wiederholt, lächelte er kurz. Dann sagte er trocken: „Ich hoffe doch.“