Volleyball

Sturmwarnung aus den Alpen für die BR Volleys

Die österreichisch-deutsche Symbiose Alpenvolleys Haching etabliert sich in der Bundesliga und will auch Meister BR Volleys ärgern.

Hachinger Jubel: Rudy Pieter Verhoeff (l.) und Pedro Henrique Frances gewannen im ersten Halbfinale 3:1 gegen Meister BR Volleys.

Hachinger Jubel: Rudy Pieter Verhoeff (l.) und Pedro Henrique Frances gewannen im ersten Halbfinale 3:1 gegen Meister BR Volleys.

Foto: Gerold Rebsch / imago/Gerold Rebsch

Berlin. Wenn es sportlich nicht läuft wie gewünscht, kann der sonst so smarte Maseratifahrer Hannes Kronthaler schon mal leicht aus der Spur geraten. Wie vor eineinhalb Wochen, als die Alpenvolleys Haching Gefahr liefen, im Viertelfinale um die deutsche Volleyball-Meisterschaft auszuscheiden.

Wütend nach der Niederlage gegen Herrsching

Gegen Außenseiter Herrsching hatte sein Team gerade 2:3 verloren, da sprudelte es aus dem Manager und Hauptsponsor in Personalunion vor Wut nur so heraus: Er habe keine Lust, Profis acht Monate lang Gehalt zu zahlen und dann nach sieben Monaten auszuscheiden, schimpfte er in der „Süddeutschen Zeitung“. Die Leistung seiner Mannschaft sei „eine Frechheit“ gewesen.

Inzwischen geht es ihm besser, viel besser sogar. Die Alpenvolleys haben den Kraftakt Viertelfinale ebenso mit 2:1 Siegen überstanden wie der Titelverteidiger BR Volleys seine Aufgabe gegen die widerspenstigen Powervolleys Düren. Beide Mannschaften stecken jetzt schon mitten in ihrer Halbfinalserie nach dem Modus „Best of five“. An diesem Sonnabend (17.30 Uhr, Sporttotal.tv) treffen sie in der Schmeling-Halle aufeinander. Mit Vorteil für den Herausforderer: Kronthalers Truppe gewann die erste Partie 3:1 (28:26, 25:20, 23:25, 31:29). Die Satzergebnisse lassen erahnen, wie hochklassig sie war.

Titelkampf in Österreich war langweilig

Das wiederum lässt erkennen, wie gut das österreichisch-deutsche Team der Liga tut – wie alles, was Abwechslung schafft im ewigen Duell zwischen Berlin und Rekordmeister VfB Friedrichshafen. Der TSV Unterhaching hat das schon früher getan, dann sprang vor fünf Jahren der Hauptsponsor ab, und Volleyball in München war tot. In Österreich langweilte sich der Bauunternehmer Kronthaler mit dem HypoTirol Volleyballteam Innsbruck nach zehn Meisterschaften und fünf Pokalsiegen.

Man sprach miteinander. Und beschloss eine bisher einmalige Symbiose. Die Hachinger lieferten die Lizenz, die Volleyball-Liga eine Wildcard, die Innsbrucker Geld und Mannschaft. Bei rund 1,5 Millionen Euro liegt der Etat, ist der dritthöchste der Liga. Für drei Jahre wurde das Projekt vereinbart.

Vergangenes Jahr war im Halbfinale Schluss

Fast zwei davon sind um, und es sind Spiele wie jenes gegen Herrsching, die Kronthaler, der selbst Rekordnationalspieler seines Landes war und dessen Sohn Niklas als Außenangreifer im Team steht, ins Grübeln bringen. Ob er sein finanzielles Engagement fortsetzen oder es nach drei Jahren beenden soll. Was vermutlich das Ende des Projektes bedeuten würde.

Gibt es noch häufiger solche Spiele wie zuletzt gegen die BR Volleys in Innsbruck, bei dem rund 2000 Zuschauer in der Arena zuschauten, wird er sicher weitermachen. Wenn gar der Einzug in die Finalserie gelingt, was man nicht ausschließen kann, brächte das weiteren Rückenwind. Im vergangenen Jahr scheiterten die Tiroler im Halbfinale an Friedrichshafen.

25 Aufschlagfehler sind viel zu viel

Wenn es nach Cédric Enard geht, sollte auch diesmal in der Runde der besten Vier Schluss sein. „Jetzt geht es darum, zu Hause die richtige Antwort zu geben“, sagt der Trainer der BR Volleys. Zu verbessern gibt es bei seiner Mannschaft vor allem zwei Dinge. Im Auftaktspiel fehlte es seinen Spielern in engen Situationen an der nötigen Entschlossenheit. Und 25 Aufschlagfehler lassen sich nicht wiedergutmachen. „Es ist eine große Herausforderung, wir brauchen früher oder später ja auch einen Erfolg in Innsbruck“, ist dem Franzosen bewusst. Aber erst einmal wären die BR Volleys zufrieden, wenn sie die Laune von Herrn Kronthaler im zweiten Spiel etwas in Wallung bringen könnten.