Volleyball

Ruben Schott ist nicht mehr der Kleine

Ruben Schott wollte bei den BR Volleys nicht mehr der Kleine sein und ging nach Polen. Mit Gdansk trifft er nun auf seinen Ex-Klub.

Mit dem Nationalteam wurde Ruben Schott im vergangenen Jahr EM-Zweiter.

Mit dem Nationalteam wurde Ruben Schott im vergangenen Jahr EM-Zweiter.

Foto: Conny Kurth / www.kurth-media.de / imago/Conny Kurth

Berlin.  Wenn das Wetter oder sein Trainer Andrea Anastasi ihm nicht gerade einen Strich durch die Rechnung machen, geht Ruben Schott ganz gern an der Ostsee spazieren. Die liegt quasi vor der Haustür. Sein Verein Trefl Gdansk stellt dem 24-Jährigen eine schicke Drei-Zimmer-Wohnung zur Verfügung, und die ist nur fünf Minuten vom Wasser wie von der Trainingshalle entfernt. Er fühlt sich wohl in der polnischen Plusliga im Land des Volleyball-Weltmeisters. „Ich wollte viel Einsatzzeit“, sagt Schott, „und bis auf einmal habe ich in jeder Partie durchgespielt.“ Der Wechsel hat sich gelohnt für ihn, nicht nur finanziell, da ist er sich sicher.

Stimmung in Berlin ist einzigartig

Dennoch freut er sich auf Berlin, seit Tagen schon. In der Champions League trifft er an diesem Mittwoch (20 Uhr) auf seinen Stammverein, die BR Volleys. Viel Vertrautes wird Schott wiedersehen. Die Fans, die ihn jahrelang angefeuert haben, die Schmeling-Halle, wo er große Siege feierte, viele Spieler und Mitarbeiter des Klubs, die ihn begrüßen werden. „Die Stimmung dort ist einzigartig“, weiß er. Auch die Familie schaut zu, sogar die Oma sitzt auf der Tribüne. 15 Tickets hat er im Vorfeld organisiert. „Ich werde sicher aufgeregt sein“, sagt der junge Mann.

Doch nicht nur. Auch entschlossen zu zeigen, wie er sich weiterentwickelt hat. Schott hat deshalb vor eineinhalb Jahren seine Geburtsstadt verlassen. Das hatte in Berlin helle Aufregung ausgelöst. Ausgerechnet Bundestrainer Andrea Giani, der vorher verkündet hatte, es müssten mehr deutsche Nationalspieler in Deutschland bleiben, damit die Liga erstarke, lockte das große Talent zu seinem Klub Revivre Mailand. Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand wollte den Italiener Giani nicht mehr in der Schmeling-Halle sehen.

In Italien hat er sich nicht durchgesetzt

Inzwischen hat sich die Erregung gelegt. „Ruben ist ein guter Junge“, sagt der Manager, „und seine Entwicklung interessiert mich natürlich.“ Schott hielt es nicht lange in Italien. Vom guten Essen „schwärme ich zwar heute noch“. Das sportliche Abenteuer dagegen hinterließ einen leicht bitteren Nachgeschmack. Der Berliner, als Vizeeuropameister mit hohen Erwartungen verpflichtet, setzte sich nicht durch. „Ich fand es cool, die Chance zu haben, dort zu spielen“, erklärt er, „doch ich war nicht so zufrieden mit meiner Leistung.“ Schott geht ehrlich damit um, die Saison verlief enttäuschend, die Konkurrenz war zu stark, das Niveau der italienischen Liga zu hoch.

Ein Fehler war es aus seiner Sicht trotzdem nicht, Berlin zu verlassen. Fast zehn Jahre lang hatte er für SCC, VC Olympia und BR Volleys gespielt. Im wahrsten Sinne: von klein auf. „Wenn man nie den Schritt aus dem eigenen Verein herausmacht, bleibt man vielleicht in den Augen der anderen immer der Kleine“, erklärt er. Zwar hatte er sich in seinen letzten Wochen bei den BR Volleys stark in den Vordergrund geschmettert, aber innerlich stand sein Entschluss schon fest. Er nahm in Kauf, im Ausland an seine Grenzen zu stoßen. Man lernt auch durch Fehlschläge. vermutlich sogar am meisten durch sie.

Stabile Größe in der polnischen Plus-Liga

In Polen lief es im Jahr darauf weit besser. Schott reifte in der Plusliga zu einer stabilen Größe. Bei seinen drei Champions-League-Einsätzen für Gdansk zählte er zu den Stärksten, auch beim 3:0 im Hinspiel gegen Berlin. „Er war sehr gut gegen uns“, sagt Niroomand, „er hatte immer schon eine tolle Einstellung. Jetzt ist sein Aufschlag noch besser geworden, auch seine Annahme.“ Ähnlich stellt Schott sich das an diesem Mittwoch vor. „Ich will mich gut präsentieren“, sagt er, „ich will gewinnen.“ Zeigen, dass ihm die Luftveränderung gut getan hat, nicht allein wegen der frischen Ostseebrise.

Er verfolgt, was in der Bundesliga passiert: „Sie ist ausgeglichener geworden, das gefällt mir.“ Was in Berlin passiert: „Wenn ich Zeit habe, schaue ich mir die Spiele im Stream an.“ Gut möglich, dass er eines Tages wieder das orangene Trikot tragen wird. Sein Vertrag in Danzig läuft im Sommer aus. „Berlin ist für mich immer eine Option“, sagt Schott. Berlin scheint das ähnlich zu sehen. Niroomand: „Wenn es passt, hat Ruben immer die Möglichkeit, zu uns zurückzukehren.“