Volleyball

Duell der wankenden Giganten

Erstmals seit Jahren beherrscht weder Friedrichshafen noch Berlin das Geschehen in der Volleyball-Bundesliga.

Gedränge am Netz im letzten Meisterschaftsfinale zwischen BR Volleys und VfB Friedrichshafen. In dieser Saison mischen aber auch vier andere Teams mit.

Gedränge am Netz im letzten Meisterschaftsfinale zwischen BR Volleys und VfB Friedrichshafen. In dieser Saison mischen aber auch vier andere Teams mit.

Foto: Michael Hundt / Matthias Koch / imago/Matthias Koch

Berlin.  Es hat sich so schön eingespielt, deshalb ist die Rede in den Vorankündigungen wie immer vom „Duell der Giganten“. BR Volleys treffen auf VfB Friedrichshafen, der aktuelle deutsche Volleyball-Meister auf den Rekordchampion. In den vergangenen zwanzig Jahren kam der Meister entweder vom Bodensee (13 Mal) oder von der Spree (sieben Mal). Fällt also an diesem Mittwoch (19 Uhr, Sport1) in der Schmeling-Halle eine Vorentscheidung, wer diesmal die Nase vorn haben wird?

Die Liga schlägt in dieser Saison Kapriolen

Eher nicht. In dieser Saison schlägt die Liga Kapriolen. Beide Topteams haben von ihren zwölf Spielen schon drei verloren. Tabellenführer sind die Alpenvolleys Haching, 2017 entstanden durch eine Kooperation des ehemaligen Pokalsiegers TSV Unterhaching mit Österreichs Meister Hypo Tirol Volleyballteam Innsbruck. Zur Spitzengruppe zählen außerdem die SVG Lüneburg, die United Volleys Frankfurt und die Po­wervolleys Düren. Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand spricht leicht süffisant bereits von „ehemaligen Giganten“, und wenn er sich insgeheim sicherlich etwas anderes wünschen würde, fügt er hinzu: „Ist doch schön, dass die Liga jetzt spannender ist.“

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen haben die Marktführer mit Problemen zu kämpfen. Verletzungssorgen setzen beiden zu, ihre neu zusammengestellten Teams sind zudem noch auf der Suche nach sich selbst. Im Vorjahr legte Friedrichshafen eine einmalige Serie hin, gewann alle zwanzig Punktspiele und sammelte die Optimalpunktzahl 60 ein. Nun sagt Trainer Vital Heynen: „Die anderen Vereine haben Schritte nach vorn gemacht. Und unsere Mannschaft funktioniert noch nicht so.“

Heynen gefällt die neue Konstellation

Zugleich gefällt dem Belgier, der im vergangenen Jahr als Nationaltrainer Polens Weltmeister wurde, die Konstellation: „Woche für Woche schaust du, wer gegen wen spielt und bist gespannt, wer wohl gewinnen wird. Es ist schon eine Weile her, dass man bereits vor den Spielen Vorhersagen treffen konnte.“

Niroomand sieht zwei verschiedene Aspekte, die dazu geführt haben, dass andere Vereine aufgeschlossen haben. „In Frankfurt und Innsbruck sind Investoren am Werk, die ihre Teams als Wirtschaftsunternehmen sehen. In Lüneburg und Düren ist es eher so, dass sie eingespielte Teams haben, Spieler, die sich seit Jahren kennen.“ Und nicht zuletzt kommt hinzu, wie das so ist im Sport: Wenn die Favoriten wanken und öfter mal als Verlierer das Feld verlassen, wächst automatisch das Selbstbewusstsein der Herausforderer.

Bundesliga ist auf einem guten Weg

Klaus-Peter Jung, der Geschäftsführer der Volleyball-Bundesliga (VBL), stellt erfreut fest, „dass die Liga durch die neue Spannung eine ganz andere Wertigkeit hat. Das zeigt, dass sie auf einem guten Weg ist“. Für die Platzhirsche werde es nicht mehr so leicht wie bisher, den Titel zu gewinnen. Vital Heynen allerdings ist überzeugt: „Es bleibt das Duell der Giganten, schon wegen der vorangegangenen Erfolge. Außerdem glaube ich immer noch, dass einer von diesen beiden am Ende wieder Meister wird.“