Volleyball

BR Volleys kassieren herbe Niederlage

Die BR Volleys verlieren 0:3 gegen die Polen von Skra Belchatow und haben kaum noch Chancen, die Gruppenphase zu überstehen.

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Berlin. Direkt nach der heftigen 0:3 (21:25, 22:25, 23:25)-Niederlage in der Champions League gegen PGE Skra Belchatow sah Kaweh Niroomand offenbar Gesprächsbedarf. Gestenreich diskutierte der Geschäftsführer der BR Volleys mit Trainer Cédric Énard. Was genau es zu bereden gab, wollte der 66-Jahre alte Chef des Volleyball-Projektes aus der Hauptstadt nicht verraten. Aber es kochte in ihm, das war seinen Antworten zu entnehmen. Dabei wünschte er sich gerade von seiner Mannschaft das Gegenteil. „Wir schaffen es einfach nicht, konstant und ruhig unser Spiel aufzuziehen“, monierte er, „uns fehlt Gelassenheit und Geduld. Wir hätten dieses Spiel nicht verlieren müssen, aber wir legen uns immer selbst Steine in den Weg.“

Vom Erreichen des Viertelfinales in dem Wettbewerb, in dem die BR Volleys vor drei Jahren immerhin noch zu den vier besten Teams des Kontinents zählten, wollte er nicht lange lamentieren. „Es ist theoretisch möglich, aber es ist ungleich schwerer geworden“, stellte er fest. Auch Kapitän Sebastian Kühner stellte sachlich fest: „Der Druck in den letzten drei Spielen ist jetzt sehr hoch.“ In der Champions League, ganz besonders in der Berliner Gruppe, ist der Heimvorteil von entscheidender Bedeutung. Und die Berliner sind nach drei Spieltagen die ersten des Quartetts, die vor eigenem Publikum eine Partie verloren und sind Tabellenschlusslicht.

Die Polen liegen auf Kurs, deshalb sagte Belchatows Cheftrainer Roberto Piazza: „Ich bin glücklich, wie mein Team aufgetreten ist.“ Obwohl ihm zwei Stammspieler sogar noch fehlten. Das konnte Niroomand auf der anderen Seite des Netzes nicht sagen. Die Berliner agierten phasenweise nicht schlecht, auf Augenhöhe mit dem polnischen Meister. Doch in den Sätzen zwei und drei wurden Führungen hergeschenkt. Das war besonders im dritten Durchgang ärgerlich, „da macht unsere Libero (Dustin Watten,d.Red.) drei individuelle Fehler und Jan (Zuspieler Jan Zimmermann,d.Red.) baggert einen Ball ins Aus – völlig unnötig. Wir waren nicht unbedingt schlechter als unser Gegner.“ Der große Unterschied war, dass Belchatow immer bei seiner Linie blieb, keine großen Schwankungen zeigte und in den entscheidenden Momenten jedes Mal voll auf der Höhe war.

Damit scheint nach dem Aus im Pokal-Halbfinale im Dezember nun auch die Champions League kein glückliches Ende für die BR Volleys zu nehmen. Doch so weit will der Manager gar nicht denken, auch nicht darauf eingehen, was in der Bundesliga noch alles drin ist. „Wir denken jetzt nur noch von einem Spiel zum nächsten. Sehen, dass wir uns stabilisieren. Wir haben ja gar keine Ballkontrolle.“ Ob er etwas ändern wolle, wurde er gefragt. „Ich wüsste gar nicht, wo ich anfangen soll. Heute könnte ich fünf Spieler auswechseln“, kam grimmig zurück.

Die Hoffnungen ruhen nun auf zwei Rekonvaleszenten, auf den Nationalspielern Moritz Reichert aus Deutschland und Nicolas Rossard aus Frankreich. Libero Rossard war nach auskurierter Handverletzung schon gegen Belchatow für Kurzeinsätze auf dem Feld und wird sicher bald den unglücklich agierenden Watten ersetzen. Außenangreifer Reichert hat nach einer Muskelverletzung im Bauch wieder mit leichtem Training begonnen. „Sie können Ruhe reinbringen“, hofft Niroomand. Vielleicht schon beim Bundesliga-Spieltag am Sonntag (16 Uhr, Schmeling-Halle) gegen Aufsteiger Giesen. „Bis dahin“, fordert Kapitän Kühner, „muss die Champions League aus dem Kopf raus sein. Wir brauchen jeden Punkt und können auch keine Sätze liegen lassen.“ In der Bundesliga ist der deutsche Meister nämlich auch nur Fünfter.