BR Volleys

Samuel Tuia: Anführen durch Vorbild

Samuel Tuia ist mit seiner Erfahrung sehr wichtig für die BR Volleys. Ein Chef alten Schlages ist er aber nicht.

Meistens gut gelaunt: Samuel Tuia (2.v.l.) bejubelt einen Punkt mit seinen Kollegen Adam White, Kyle Russell und Dustin Watten (v.l.).

Meistens gut gelaunt: Samuel Tuia (2.v.l.) bejubelt einen Punkt mit seinen Kollegen Adam White, Kyle Russell und Dustin Watten (v.l.).

Foto: Peter Steffen / dpa

Berlin.  Wie geht es eigentlich Menschen aus der Südsee im Berliner Winter? Ach, halb so wild, antwortet Samuel Tuia gut gelaunt. Der 32 Jahre alte Volleyballprofi hat in seiner Karriere schon ganz andere Temperaturen ausgehalten, minus 48 Grad in der sibirischen Stadt Kemerowo etwa, wo er von 2011 bis 2013 spielte. „Berlin ist großartig“, sagt er. Zumal vor Kurzem erst seine Frau Tahiteloi hier Töchterchen Nelle zur Welt brachte, und auch sein Sohn Emmanuel sich wohlfühlt. Wenn jetzt noch der sportliche Erfolg mit den BR Volleys hinzukäme, wäre sein Glück komplett. Wenn.

Nicht das wahre Bild der BR Volleys

An diesem Sonntag (16 Uhr) gastiert in der Bundesliga die SVG Lüneburg in der Schmeling-Halle. Die Niedersachsen treffen dabei auf ein verunsichertes Berliner Team. „Wir ärgern uns über uns selbst“, sagt Tuia. Manchmal spiele die Mannschaft ganz gut und gewinne. Ein anderes Mal beginne sie gut und gebe dann plötzlich das Geschehen aus der Hand. Oder sie geht unter wie in Innsbruck oder zuletzt in Danzig. „Das Bild, das wir zeigen, das sind nicht wir, das ist nicht der Volleyball, den wir spielen können.“ Er glaubt auch zu wissen, woran das liegt. „Wir haben keinen Killerinstinkt. Uns fehlen manchmal die Aggressivität und die Konzentration, um eine Partie nach Hause zu bringen.“ Wie im Pokal-Halbfinale bei Lüneburg vor zehn Tagen. 2:0 geführt, auch im Tiebreak vier Punkte Vorsprung gehabt. Aber verloren.

Die Verantwortlichen des Klubs beklagen, dass ein Führungsspieler fehle, ein knallharter Leader. Tuia wurde als letzter Spieler in diese Mannschaft geholt. Auch, weil er mit seiner großen Erfahrung die anderen mitreißen soll. „Das ist meine Hoffnung, Sam hat große Qualitäten“, erklärt Geschäftsführer Kaweh Niroomand. Tuia sagt: „Dazu bin ich bereit. Ich versuche, immer 120 Prozent zu geben.“ Anführen durch Vorbild. Der Außenangreifer ist mit 92 Punkten Topscorer des Teams, spielt grundsolide, macht wenig Fehler.

Anschreien liegt nicht in seiner Kultur

„Man kann sich auf seine Leistung verlassen“, beschreibt Kapitän Sebastian Kühner den Mann vom französischen Inselstaat Wallis und Futuna. Tuia verließ die Südsee mit 16 Jahren, um die Volleyball-Welt zu erobern. Er spielte für Vereine in Frankreich, Polen, Russland und zuletzt vier Jahre in Istanbul. „Er ist höflich und lebensfroh, seine Mentalität ist positiv“, so Kühner. Aber Leute anschreien, ihnen aggressiv entgegentreten, um sie anzutreiben? „Das liegt nicht in meiner Kultur“, sagt der französische Nationalspieler, der 2009 mit der „Equipe tricolore“ EM-Silber gewann.

Ein Grund für die Startprobleme der BR Volleys: Das Team wurde im Sommer neu zusammengestellt, „wir brauchen Zeit, aber wir haben keine“, sagt Tuia. Es liege an Details, die nicht richtig funktionieren. „Kleine Dinge führen zu großen Veränderungen.“ Jeder Spieler müsse realisieren, „wo wir sind. Wir sind in Berlin. In diesem Klub müssen wir alles gewinnen“. Eine gelungene Revanche gegen Lüneburg wäre da Balsam fürs angekratzte Selbstbewusstsein. Sonst könnte es viel kühler werden in Berlin.