Volleyball

Unerfüllte Erwartungen bei den BR Volleys

BR Volleys sind mit ihrem Saisonstart unzufrieden. Manager Niroomand kritisiert das Team, Trainer Énard steht aber nicht zur Diskussion.

Sieben Mal in dieser Saison hatte das neu zusammengestellte Team der BR Volleys schon Grund zum Jubeln. Vier Mal allerdings setzte es auch Niederlagen.

Sieben Mal in dieser Saison hatte das neu zusammengestellte Team der BR Volleys schon Grund zum Jubeln. Vier Mal allerdings setzte es auch Niederlagen.

Foto: Peter Steffen / dpa

Berlin.  Es sind emotionale Tage für Kaweh Niroomand. Am Sonnabend wurde er auf der Vollversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes in Düsseldorf zum Vizepräsidenten Finanzen gewählt, „eine große Ehre“, wie er findet. An diesem Dienstag lässt man den umtriebigen Manager wieder hochleben, da feiert er seinen 66. Geburtstag. Nur in seiner sportlichen Hauptfunktion als Geschäftsführer der BR Volleys ist ihm gerade gar nicht zum Lachen zumute. „Da bin ich ziemlich enttäuscht“, sagt Niroomand zum ernüchternden 0:3 am Sonntag bei den Alpenvolleys Haching, „immer wenn man denkt, es geht häppchenweise vorwärts, kommt der nächste, tiefe Rückschlag.“

Bittere Erinnerungen an die Vorsaison

1:3 gegen Friedrichshafen (Supercup), 2:3 gegen Düren, 0:3 gegen Frankfurt und nun auch das klarste aller Resultate gegen Haching (jeweils Bundesliga): Obwohl es zwischendurch sieben Pflichtspielsiege gab, hatten sich die Berliner den Saisonstart ganz anders vorgestellt. Wobei Niroomand klarstellt: „Ich zweifle nicht an der Arbeit von Cédric Énard.“ Der neue Trainer aus Frankreich müsse sich vorerst keine Sorgen machen, anders als sein Vorvorgänger Luke Reynolds, der das Ende der vergangenen Saison nicht erreichte.

„Wir haben jetzt eine ganz andere Situation“, findet Mannschaftskapitän Sebastian Kühner. „Damals hatten wir ein eingespieltes, sehr erfahrenes Team und einen unerfahrenen Trainer. Diesmal ist es genau andersrum.“ Diesmal ist die Mannschaft jung, der Trainer erfahren. Énard hat sehr erfolgreich in seiner Heimat gearbeitet. Jedes Teammitglied hat eine hohe individuelle Qualität, etwa die US-Amerikaner Dustin Watten, Jeff Jendryk und Benjamin Patch, die vor zwei Monaten erst WM-Bronze gewannen. Oder die starken Franzosen Nicolas Le Goff und Samuele Tuia. Oder der im deutschen Nationalteam so auftrumpfende Moritz Reichert, den ein Bänderriss für Wochen aus der Bahn warf. Oder, oder, oder.

Auf menschlicher Ebene gutes Miteinander

Das Problem ist nur: Sie treten bisher nicht als Team auf. Dem widerspricht Kühner. „Die Charaktere funktionieren auf menschlicher Ebene sehr gut miteinander“, sagt er, „jeder ist offen für den anderen. Die andere Seite ist der sportliche Teil. Da erleben wir eine Berg- und Talfahrt.“ Niroomand sieht das deutlich kritischer. „Mannschaftlich stimmt weder die Moral, noch klappt das Zusammenspiel“, sagt er, „keiner krempelt die Ärmel hoch und geht voran.“ Mehr als einmal seien die BR Volleys ordentlich ins Spiel gestartet, wie jetzt gegen die Hachinger. Doch dann gebe es ein, zwei misslungene Aktionen, oder der Kontrahent serviere ein paar sehr gute Aufschläge, schon breche alles auseinander. Wie ein Kartenhaus.

Der Manager wird noch heftiger: „Keiner unserer Spieler erfüllt die Erwartungen. Individuell muss jeder seine Leistung bringen, das muss als erstes kommen. Denn wir wissen ja, was die Leute können.“ An personelle Veränderungen oder Testspiele in der Spielpause, die das Berliner Team bis Mitte nächster Woche hat, sei nicht gedacht.

Zwei wichtige Spiele stehen bevor

Danach wird es ernst, denn da geht es nicht um ein paar Punkte, sondern um das Erreichen von Saisonzielen. Am 13. Dezember bestreiten die BR Volleys das Pokal-Halbfinale in der CU-Arena Hamburg gegen die SVG Lüneburg. Am 19. Dezember haben sie ihr zweites Gruppenspiel in der Champions League bei Trefl Gdansk. „Das Dumme ist, wir haben nicht viel Zeit. Und das sind ganz wichtige Spiele für uns“, sagt Niroomand. Kühner gibt sich weiter optimistisch. „Wir haben ein Riesenpotenzial. Wir können es nur bisher nicht zu hundert Prozent aufs Feld bringen“, sagt er. Vielleicht würden ein paar mehr Emotionen schon helfen.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.