Sportpolitik

Niroomand vor Aufstieg in den DOSB

Kaweh Niroomand, der Geschäftsführer der BR Volleys, möchte am Sonnabend zum Vizepräsidenten Finanzen im DOSB gewählt werden.

Seit der Olympia-Bewerbung Berlins 2014 ist Kaweh Niroomand in der deutschen Sportpolitik kein Unbekannter mehr

Seit der Olympia-Bewerbung Berlins 2014 ist Kaweh Niroomand in der deutschen Sportpolitik kein Unbekannter mehr

Foto: nph / Kurth / picture alliance / nordphoto

Berlin.  Nein, nein, beruhigt Kaweh Niroomand den Fragesteller, seine Frau habe nichts daran auszusetzen gehabt, als sie erfuhr, dass er ein neues Amt anstrebe. Mal wieder. „Meine Frau kennt das nicht anders von mir, wir haben seit 38 Jahren ein sehr gutes Familienleben“, sagt der 65-Jährige und lacht. Geschäftsführer der BR Volleys ist er schon, Sprecher der Initiative der Berliner Profiklubs, Mitglied der Vollversammlung der IHK Berlin. Zudem sitzt er im Präsidium des Vereins Berliner Kaufleute. „Einige kleinere Ehrenämter“ kämen noch dazu.

Berlins Olympia-Bewerbung machte ihn bekannt

Nun wurde er gefragt, ob er im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) Vizepräsident Finanzen werden möchte. „Im höchsten Organ des deutschen Sports“, sagt Niroomand mit hörbarem Stolz. Nach kurzer Bedenkzeit hat er zugesagt. Die Wahl steht am Sonnabend bei der Jahreshauptversammlung in Düsseldorf an. Niroomand ist bisher der einzige Kandidat.

In Berlin ist der gebürtige Iraner, der mit 13 Jahren nach Deutschland kam und blieb, vor allem als Manager des neunmaligen deutschen Volleyball-Meisters BR Volleys bekannt. In ganz Deutschland machte sich der ehemalige Software-Unternehmer einen Namen, weil er 2014 zu den Köpfen der Berliner Bewerbung um Olympische Spiele gehörte, dabei einen sehr guten Job machte und viele Sympathien gewann. Der Posten im DOSB-Präsidium wurde frei, da der bisherige Amtsinhaber Stephan Abel in den Beirat der Deutschen Sport Marketing (DSM) wechselt.

Deutscher Volleyball-Verband erhielt eine Absage

Warum dieser Hang zum Ehrenamt? Klare Antwort: „Ich bin davon überzeugt, dass sich die Bevölkerung nicht nur auf die Politik verlassen darf“, sagt er, „wir stehen als Bürger alle in der Verantwortung.“ Jeder solle sich zivilgesellschaftlich einbringen, sei es im Altenheim oder im Sportverein: „Die Bandbreite ist groß.“ Wobei Niroomand auch nein sagen kann. Der Deutsche Volleyball-Verband hätte ihn gern zum Präsidenten gemacht. Und holte sich vor Kurzem erst eine Absage.

Vom Interesse des DOSB sei er überrascht worden, sagt Niroomand. Er ist ja das Gegenmodell zu seinen zukünftigen Mitstreitern, bisher immer ein Vereinsmensch gewesen, hat also keine typische Funktionärskarriere hinter sich. Er sieht seinen zukünftigen Posten im DOSB dennoch nicht als nette Notiz für seine Biografie. „Wer mich kennt, der weiß, dass ich immer versuche, etwas zu bewegen. Die Bedeutung des Sports in der Gesellschaft zu vergrößern: Darum geht es mir.“ Wenn das viel Arbeit mit sich bringe, sei es eben so, sagt Niroomand, der 2014 sein Unternehmen verkauft hat: „Ich habe in meinem Leben nie darauf geachtet, ob ich acht oder 18 Stunden arbeite. Zwischen Privatem und Geschäft war ein fließender Übergang.“

Auch Hockey-Weltmeisterin Schmitz steht zur Wahl

Dass er ausgewählt wurde, könne aus seiner Sicht ein Signal und Anerkennung für Berlin sein. Sei es in der Nachwuchsarbeit der Spitzenvereine, mit den gelungenen Großveranstaltungen wie Leichtathletik-EM oder Deutsches Turnfest oder den vielen Programmen des Landessportbundes: „Die Stadt leistet viel für den Sport.“

Mit Uschi Schmitz könnte am Sonnabend eine weitere Kandidatin ins Präsidium einziehen, die in Berlin noch gut bekannt ist. Sie ist als Nachfolgerin von Judo-Olympiasieger Ole Bischof für den Posten als Vizepräsidentin Leistungssport vorgeschlagen. Die Hockey-Weltmeisterin von 1976 (in Berlin) gewann als Trainerin mit den Frauen des Berliner HC vier deutsche Meisterschaften und zweimal den Pokal.

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