„BR Volleys wollen immer gewinnen“

Trainer Cédric Enard soll die BR Volleys zum nächsten Titel führen. Ein Interview mit dem Franzosen, für den Berlin die erste Station im Ausland ist.

Der Trainer beobachtet sein neues Team: Cédric Enard, Adam White, Benjamin Patch und Dustin Watten (v.l.)

Der Trainer beobachtet sein neues Team: Cédric Enard, Adam White, Benjamin Patch und Dustin Watten (v.l.)

Foto: Jastrzebski Wegiel

Berlin.  Am Sonnabend (19 Uhr) beginnt für den Titelverteidiger BR Volleys mit dem Spiel bei den Grizzlys Giesen die Bundesligasaison. Der neunmalige deutsche Volleyball-Meister hat nicht nur seine Mannschaft stark verändert, sondern auch ein komplett neues Trainerteam installiert, mit Cédric Enard (42) an der Spitze. Der Franzose führte vergangene Saison Tours VB zur nationalen Meisterschaft. Warum er seine Heimat verließ und was er mit den BR Volleys vorhat, sagt er im Gespräch mit der Berliner Morgenpost.

Sie haben weder als Spieler noch als Trainer jemals im Ausland gearbeitet. Warum fangen Sie gerade jetzt damit an, Monsier Enard?

Cédric Enard: Ich war vorher nicht offen dafür. Vergangene Saison habe ich in Tours gearbeitet, aber meine Frau und meine drei Töchter blieben daheim in Toulouse. Das war sehr hart für uns, vor allem für meine Frau. Tours wollte, dass ich bleibe, dafür hätte ich allerdings meinen Job als Assistenztrainer bei der französischen Nationalmannschaft aufgeben sollen. Das wollte ich in keinem Fall, denn in meinem Alter ist das eine große Chance, viel zu lernen. In Berlin kann ich beides machen. Und meine Familie war bereit, etwas Neues kennenzulernen.

Mit welcher Zielsetzung treten Sie Ihren Job bei den BR Volleys an?

Mit der gleichen Zielsetzung, die der Klub hat. Er spielt immer mit, um zu gewinnen. Die BR Volleys sind außerdem ein Projekt, das in ganz Europa für seine Fans bekannt ist und für seine perfekte Organisation. Sie wollen das Image des Volleyballs immer weiter entwickeln. Das kennt man in Frankreich nicht so. Für einen solchen Klub wollte ich arbeiten.

Für die BR Volleys ist die Champions League sehr wichtig. Was können Sie dort erreichen?

Da müssen wir die Auslosung abwarten. Es spielen in dieser Saison einige wahre Monster-Teams mit. Die Champions League ist diese Saison noch einmal stärker geworden.

Also ist es unmöglich, wie vor zwei Jahren das Final Four zu erreichen?

Unmöglich ist nichts. Aber es gibt sechs Teams aus Italien, Russland und Polen, die einfach über allen anderen schweben. Man muss das realistisch betrachten. Viel hängt von unserer Gruppe ab, und natürlich werden wir kämpfen. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass wir viele Spieler ausgetauscht haben. Wir sind erst eine gute Woche alle zusammen. Trotzdem konnte ich schon sehen: Es ist ein großes Potenzial da. Wir haben zuletzt ein gutes Turnier in Polen gespielt. Die Mannschaft arbeitet wirklich gut. Wir wissen, dass wir wenig Vorbereitung hatten. Aber alle geben hundert Prozent von dem, was da ist.

Was erwarten Sie von der Schmeling-Halle? Vor den Fans dort ist in der Vergangenheit manch ein großer Gegner ein bisschen kleiner geworden.

Das stimmt. Ich bin unheimlich gespannt darauf, das zu erleben, denn ich habe so viel davon gehört. Vom Trainer von Toulouse zum Beispiel, mit dem ich befreundet bin. Der hat hier letztes Jahr gespielt und riet mir, in Berlin zu unterschreiben. Es muss unglaublich sein, wenn die Halle voll ist.

Frankreich ist Volleyball-Europameister. Wie werden die Bundesliga und speziell die BR Volleys in Ihrer Heimat gesehen?

Ich glaube, die Liga ist ähnlich wie die französische. Nur zwei Vereine sind seit langer Zeit sehr bekannt, die BR Volleys und der VfB Friedrichshafen, vergleichbar mit meinem letzten Verein Tours VB. Ich muss die deutsche Liga allerdings erst richtig kennenlernen. Wenn ich mir die Aufstellungen ansehe, steigt das Level auch in vielen anderen Teams wie Frankfurt, Düren, Lüneburg oder Haching. Es ist in Berlin wie in Tours – jeder will dich schlagen. Du musst also immer auf der Hut sein. Jeder Volleyball-Fan in Frankreich kennt die BR Volleys, sie spielen ja jedes Jahr Champions League. Viele Spieler, die in Berlin angefangen haben, wechseln von hier später zu Topklubs, auch das weiß man.

War es Ihre Wahl, Jan Zimmermann und Moritz Reichert nach Berlin zu lotsen? Welche Rolle spielen deutsche Spieler insgesamt in Ihrem Konzept?

Bei Jan ja. Moritz hatte hier schon vorher unterschrieben. Als wir die Positionen angesehen haben, die zu besetzen waren, habe ich zu Kaweh Niroomand (Geschäftsführer der BR Volleys, d.Red.) gesagt, dass wir immer auch auf deutsche Spieler schauen sollten. Es ist meine Philosophie, dass man Spieler suchen und ihnen vertrauen soll, die aus dem Land kommen, in dem sie spielen. Das habe ich in Frankreich genauso gehandhabt. Deutsche Spieler sind wichtig für die Identifikation in der Liga und im Klub.

Werden Sie auch junge Talente weiterentwickeln?

Natürlich. Was ich etwa von Egor Bogatchev gesehen habe, sind sein großes Potenzial und seine positive Mentalität. Er gibt dem Team sein Maximum an Energie und Emotionen, 110 Prozent, dafür sind junge Leute da. Wenn du ihnen vertraust, davon bin ich überzeugt, dann geben sie sehr viel zurück, wovon die Mannschaft profitiert. Okay, du brauchst auch die alten, die bringen Ruhe rein, wenn es nötig ist, sie wissen, was zu tun ist. Es ist die richtige Balance, die Erfolg bringt.

Kennen Sie Ihren Vorgänger?

Stelian Moculescu? Ein großer Trainer. Man muss Respekt haben vor jemandem, der so viel Erfolg hatte. Ich meine, er hat sogar die Champions League gewonnen. Ich habe keinen persönlichen Kontakt zu ihm, aber zu vielen anderen älteren Coaches. Ich liebe es, von ihren Erfahrungen zu lernen, mich mit ihnen auszutauschen.

Was werden Sie anders machen als Moculescu? Kann man das überhaupt vergleichen?

Nein. Ich werde den besten Job machen, den ich machen kann. Den Cedric-Enard-Job. Ich will ich sein, mit all dem, was ich seit Jahren aufgenommen habe. Und ich bin immer offen für Neues.

Sie brauche ich ja nicht zu fragen, wie Ihnen die Stadt Berlin gefällt, Sie waren ja bisher kaum hier. Aber haben Ihre Frau und Ihre Töchter schon eine Liste angelegt, wo sie unbedingt mit Ihnen mal hingehen wollen?

Sie sind begeistert von der Stadt und kennen Berlin tatsächlich schon sehr gut – ich gar nicht. Eine Liste gibt es. Sie ist sehr lang.