Trainingsauftakt

BR Volleys starten ohne Trainer in die Vorbereitung

Die BR Volleys wollen wieder Deutscher Meister werden. Aber zum Trainingsauftakt fehlen neun Spieler und der neue Chefcoach Enard.

Zuspieler Sebastian Kühner muss noch lange auf seine Teamkollegen warten

Zuspieler Sebastian Kühner muss noch lange auf seine Teamkollegen warten

Foto: Sport Moments/Basting / picture alliance / Sport Moments/Basting

Berlin.  „So wenige waren wir noch nie.“ Die Worte Sebastian Kühners sagen eine Menge aus, der 31-Jährige trägt seit 2012 das Trikot der BR Volleys. Am Montag begann die Saisonvorbereitung beim Deutschen Meister. Mit dem Berliner Zuspieler, dem Australier Adam White und dem Franzosen Samuel Tuia. Das war’s. Mittelblocker Georg Klein schaute nur zu, er hat sich beim Beachvolleyball einen Innenmeniskus-Anriss zugezogen. Sehr ärgerlich. Alle anderen acht Volleys-Spieler, deren Bundesligasaison am 13. Oktober bei Aufsteiger Giesen beginnt, sind mit ihren Nationalmannschaften unterwegs.

Schlechte Voraussetzungen für den Titelverteidiger, der sowohl national wie international wieder höchste Ziele hat. Zumal sieben neue Spieler zu integrieren sind. Die Problematik sieht auch der neue Trainer Cedric Enard. „Sehr speziell“, findet es der Franzose, der allerdings selbst erst am Sonntagabend in Berlin eintraf und an diesem Mittwoch schon früh wieder nach Paris fliegt.

Denn der 42-Jährige ist Co-Trainer der französischen Nationalmannschaft und in dieser Mission fast durchgängig bis Ende September unterwegs. In der Zeit übernimmt der ebenfalls neue Assistenztrainer Tomasz Wasilkowski aus Polen die Leitung der Übungseinheiten in Berlin. „Aber spielen“, weiß Kühner, „können wir erst mal nicht.“ Der Fokus liegt auf Technik und Athletik.

Mitte September kehren die ersten Spieler zurück

In keiner anderen Sportart ist die Phase, in der Spieler zu ihren Nationalteams beordert werden, so lang wie im Volleyball: von Anfang Mai bis Ende September. „Der Weltverband will eben Geld einnehmen durch seine Turniere“, sagt Enard, „und die Klubvertreter aus den großen europäischen Ligen, die sich immer so einig sind, wenn sie untereinander sprechen, werden ganz still, wenn sie dem internationalen Verband gegenüberstehen.“ Deshalb ist in anderen Ländern die Vorbereitung der Topklubs ebenfalls eine Katastrophe. Ein schwacher Trost. Genauso, dass die Vereine die Situation schon seit Jahren nicht anders kennen.

Spannender wird das Training in Berlin wohl erst Mitte September, wenn die Nationalspieler Jan Zimmermann, Moritz Reichert und Egor Bogachev zurückkehren. Dabei sind die Deutschen bei der WM in Bulgarien und Italien gar nicht dabei. Bundestrainer Andrea Giani hat sie trotzdem zu Lehrgängen zusammengerufen.

Auch der Amerikaner Kyle Russell, der mit dem B-Team der USA unterwegs ist, wird dann erwartet. „Stück für Stück werden wir einer mehr“, sagt Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand, „wir hoffen, am 2. Oktober zum ersten Mal mit dem kompletten Kader trainieren zu können.“ Keine zwei Wochen vor dem ersten Pflichtspiel.

Der VC Olympia soll aushelfen

Bis dahin hoffen die BR Volleys darauf, sich mit gemeinsamen Einheiten mit dem VC Olympia zu behelfen, Gespräche werden geführt. Aber was bringt so eine Form der Vorbereitung überhaupt? „Ich stimme zu“, sagt Enard und meint: nicht besonders viel. Aber es gibt ja keine Wahl. Erschwerend kommt hinzu, dass die WM-Rückkehrer möglicherweise noch in Topform sind, aber spätestens Ende November, Anfang Dezember kommt das mentale und körperliche Tief. Und dann wächst die Gefahr von Verletzungen.

„Wir müssen das sehr genau steuern“, weiß der neue Trainer, „wir werden den Spielern auch mal Pausen gönnen müssen.“ Doch ausgerechnet zu der Zeit stehen bereits sehr wichtige Partien in der Champions League und im deutschen Pokal an.

Niroomand glaubt aber, dass Besserung in Sicht ist. Der Weltverband FIVB habe auf die immer wiederkehrenden Proteste der Vereine endlich reagiert und Vorschläge unterbreitet. Was der Berliner Manager sich wünscht, ist klar: „Wir wollen mit unserer Saison eher beginnen und auch länger spielen.“ Und dafür zwischendurch eine längere Unterbrechung für die Nationalmannschaften akzeptieren, „wie beim Handball“. Ab 2020, hat die FIVB angekündigt, werde es im Terminkalender Änderungen geben.

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