Volleyball

Späte Liebe zum Spiel ohne Kontakt

Die BR Volleys verstärken sich mit Mittelblocker Jeffrey Jendryk. Dabei wollte der US-Amerikaner erst gar nicht Volleyball spielen.

Rasanter Aufstieg: Jeffrey Jendryk spielt erst sechs Jahre Volleyball. Aber er ist schon zwei Jahren US-Nationalspieler

Rasanter Aufstieg: Jeffrey Jendryk spielt erst sechs Jahre Volleyball. Aber er ist schon zwei Jahren US-Nationalspieler

Foto: imago sport / imago/Newspix

Berlin.  Am Anfang, sagt Jeffrey Jendryk, war Volleyball keine Option. Als Junge versuchte er sich im Basketball und American Football, wie es amerikanische Jungs eben so machen. Seine beiden Schwestern spielten Volleyball. Das konnte er sich nicht vorstellen. Nicht seine Sache, dieser Sport ohne jeden Kontakt. Eine Meinung durfte er sich erlauben, schließlich schaute er ständig zu, wenn er mit der Familie zu den Turnieren reiste. Nun wird er der nächste Zugang der BR Volleys. Jeffrey Jendryk erhält beim deutschen Volleyball-Meister einen Zweijahresvertrag.

Mit dem Basketball ging es nicht vorwärts

Denn seine Sicht der Dinge hat sich geändert, als er 16 Jahre alt war. Mit dem Basketball ging es nicht recht vorwärts. Also spielte er an einer Highschool auch mal beim Volleyball vor. Der Coach schaute zu und fragte nach einer halben Stunde den anwesenden Mister Jendryk senior, wie lange sein Sohn denn schon Volleyball spiele. Als der antwortete: „Seit dreißig Minuten“, fiel der Trainer fast in Ohnmacht.

So viel Talent, so viel Spielverständnis bei einem blutigen Anfänger? „Ich wusste, wie es geht, ohne zu spielen. Ich habe mir alles abgeschaut, ich habe ja genug zugesehen“, sagt Jendryk heute trocken. Danach ging es steil aufwärts mit ihm, nicht nur beim Wachstum. Er misst inzwischen 2,05 Meter und wird auf der Position des Mittelblockers eingesetzt. Als sich seine positive Entwicklung an der Loyola University in Chicago fortsetzte, meldete sich sogar der US-Nationaltrainer. Mittlerweile hat der erst 22-Jährige 21 Länderspiele absolviert. Zuletzt wurde er mit seinem Team Dritter in der Nations League.

Pokale, Meisterschaften und die Fans reizen ihn an Berlin

Zum Kader der Amerikaner zählen mit Diagonalangreifer Kyle Russell und Libero Dustin Watten zwei Spieler, die demnächst auch in der deutschen Hauptstadt seine Kollegen sein werden. Russell, der schon ein Jahr in Berlin lebt, war voll des Lobes über den Verein. „Ich hörte, die BR Volleys sind ein großes Team, sie gewinnen viele Pokale und Meisterschaften. Sie nehmen an drei starken Wettbewerben teil, und sie wollen immer alles gewinnen“, berichtet Jendryk, „das imponierte mir.“ Dazu seien die Fans sehr speziell und auch noch so viele, „Tausende, stimmt das? Bei mir am College waren es vielleicht ein paar Hundert.“

Natürlich genießt er es außerdem, bei seinem ersten großen Auslandsabenteuer fernab der Heimat Landsleute an seiner Seite zu haben. „So etwas ist selten. Sie können mir in meinem ersten Jahr bestimmt helfen.“ Es ist ja denkbar, dass nicht alles gleich klappt wie geplant. Russell ist es in der vergangenen Saison, seiner ersten in Berlin, so ergangen. Zu Beginn spielte er keine Rolle, am Ende zählte er zu den Stärksten. „Kyle hat es geschafft, er liebt es in Berlin zu sein, deshalb bleibt er.“ So könnte Jendryk sich das auch vorstellen.

Berlin hat auch neuen Co-Trainer

Die BR Volleys haben mit dem Polen Tomasz Wasilkowski gestern auch einen neuen Co-Trainer verpflichtet. Er arbeitete zuletzt als Assistenztrainer beim polnischen Erstligisten Cuprum Lubin. Doch vor allem haben sie einen jungen Mann vom großen Schritt überzeugt, der erst spät erkannte, was für ein schöner Sport Volleyball doch ist. „Eigentlich“, sagt er, „vom ersten Moment an, wo ich es selbst probiert habe.“

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