Volleyball

Volleys-Trainer Moculescu hat Chance auf perfekten Abschied

Das vierte Finale gegen Friedrichshafen könnte das letzte Spiel von ihm werden. Niroomand hat schon einen neuen Coach im Visier.

Friedrichshafens Athanasios Protopsaltis gegen die Berliner Pierre Pujol, Graham Vigrass und Robert Kromm (v.l.) am 2,43 Meter hohen Netz

Friedrichshafens Athanasios Protopsaltis gegen die Berliner Pierre Pujol, Graham Vigrass und Robert Kromm (v.l.) am 2,43 Meter hohen Netz

Foto: Sport Moments/Basting / picture alliance / Sport Moments

BERLIN.  Eigentlich hat Stelian Moculescu ja genug Titel. In 40 Jahren erfolgreicher Trainertätigkeit sammelt sich so einiges an. Mehr als 40 Trophäen sind es wohl, daher kann der Trainer der BR Volleys an diesem Sonntag auch ganz entspannt in die Begegnung mit dem VfB Friedrichshafen gehen (15 Uhr, Schmeling-Halle). Sein Team führt in der Serie nach dem Modus „Best of five“ 2:1 und kann nun in eigener Halle zum neunten Mal die Meisterschale holen, die Moculescu mit seinem alten Klub vom Bodensee bereits 13 Mal gewann.

Moculescu muss niemandem mehr etwas beweisen

Moculescu (67) ist eine Trainerlegende, er muss niemandem mehr etwas beweisen, und doch gibt es da diese Episode von vor zwei Jahren. Sie stört seine Vita etwa so, wie eine dicke Fliege auf der Kinoleinwand vom ansonsten perfekten Bild ablenkt. Am 1. Mai 2016 stand Moculescu abgekämpft in der Berliner Max-Schmeling-Halle. Er hatte gerade die Finalserie mit dem VfB 0:3 gegen die BR Volleys verloren. Derart deutlich ging keine andere Play-off-Begegnung der beiden Teams gegeneinander aus.

Im Rahmen der Berliner Meisterfeier wurde der gebürtige Rumäne dann allerdings mit Ovationen der Fans in den Ruhestand geleitet. Es war ein bewegender Abschied, und doch ein unvollendeter, denn irgendwie passte es nicht zu dem Mann, der den deutschen Volleyball geprägt hat wie kein anderer, ohne Titel abzutreten. Vielleicht war es auch diese Szenerie, die dazu geführt hat, dass er sich im Februar von Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand zu einem Comeback überreden ließ.

Der Titel 2016 war ein besonderer für die Berliner. Allzu oft konnten sie noch nicht in eigener Halle feiern, genau genommen nur 2016 und 2004, wie aus einer Statistik des „Volleyball Magazins“ hervorgeht. Meistens feierten die BR Volleys auswärts. „Im Play-off zu Hause zu gewinnen, ist sehr schwer“, sagt Volleys-Kapitän Robert Kromm. Die Berliner hatten schon einige Male die Chance dazu, die Finalserie in eigener Halle zu beenden, konnten sie aber oft nicht nutzen.

„Das passiert, wenn man es unbedingt will, die Erwartung zu hoch ist und man verkrampft“, erklärt Kromm. Im zweiten Spiel der Finalserie erwischten die Berliner vor einer Woche eine Welle der Euphorie. Sie traten entschlossen auf, ihr Publikum trug sie mit zum 3:2-Sieg über den VfB. „Wenn es so läuft wie in dem Spiel, wäre das toll“, sagt Kromm und ergänzt: „Allein den Titel zu holen, egal wo, ist eine ganz große Sache.“ Vor zwei Wochen war Friedrichshafen noch der große Favorit, da hat kaum jemand mehr mit den Berlinern gerechnet, die im Saisonverlauf bereits fünf Mal an ihrem Lieblingsfeind gescheitert waren. Jetzt haben sie einen Vorsprung von einem Spiel. Am vergangenen Mittwoch bewies der VfB allerdings beim 3:1 in eigener Halle eindrucksvoll, dass durchaus noch mit ihm zu rechnen ist.

Manchmal, wenn er abends im Bett liege, dann kommen Gedanken, positive wie negative, erzählt Kromm. „Das ist unbewusst, das kann ich gar nicht kontrollieren.“ Wenn er ein positives Bild festhalten könnte, dann wäre es das, am Sonntag gegen 18 Uhr mit der Mannschaft in der Umkleidekabine Bier zu verspritzen und dabei diese tiefe Zufriedenheit zu verspüren. Kromm ist seit 2012 ein wichtiger Bestandteil der BR Volleys, genau wie Paul Carroll, der schon seit 2011 im orangefarbenen Trikot spielt.

Für beide könnte das letzte Heimspiel der Saison das überhaupt letzte in der Schmeling-Halle sein. Bereits Ende März berichtete Geschäftsführer Niroomand von einem großen Umbruch in der kommenden Saison und von älteren Spielern, die ihre Karriere beenden. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es sich dabei um die beiden Ausnahmeathleten handelt, die das Team schon zu einigen Triumphen geführt haben. In der diesjährigen Finalserie gegen Friedrichshafen waren die Helden bislang andere auf Seiten der Berliner, aber gerade in so einem Endspiel zu Hause sind Kromm und Carroll mit ihren Erfahrungen aus den vergangenen Jahren überaus wertvoll für die BR Volleys.

Der Franzose Cedric Enard ist als neuer Trainer im Gespräch

Gleiches gilt für Stelian Moculescu, der seine Geschichte noch einmal neu schreiben und als der Mann in den Ruhestand gehen kann, der die BR Volleys innerhalb von drei Monaten nach einer eher verkorksten Saison zum triumphalen Meistertitel geführt hat. An diesem Sonntag hat er die Chance, sich selbst den perfekten Abschied zu bescheren.

Zwar betonen sowohl Niroomand als auch er selbst, über eine mögliche Fortsetzung der Zusammenarbeit erst nach dem letzten Spiel zu sprechen, Moculescu ließ aber zuletzt häufiger verlauten, dass er müde sei. Als neuer Trainer soll Cedric Enard vom französischen Erstligisten Tours VB nach Berlin kommen. Der 42-Jährige ist gleichzeitig Assistenztrainer der französischen Nationalmannschaft.

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