Volleyball

Beim Derby wird der Freund erstmals zum Gegner

Björn Andrae hat Trainerlegende Stelian Moculescu viel zu verdanken. Am Sonnabend tritt er erstmals gegen seinen Lehrmeister an.

Netzhoppers-Angreifer Björn Andrae (r.) will auch gegen die BR Volleys punkten

Netzhoppers-Angreifer Björn Andrae (r.) will auch gegen die BR Volleys punkten

Foto: nph / Kurth / picture alliance / nordphoto

Als Stelian Moculescu vor knapp zwei Jahren nach 40 Jahren als Volleyball-Trainer in Berlin verabschiedet wurde, stand Björn Andrae direkt neben ihm. Der gebürtige Berliner und 280-fache Nationalspieler hatte gerade mit Moculescu und dem VfB Friedrichshafen das Meisterschaftsfinale gegen die BR Volleys verloren.

Bereits als 19-Jähriger stand Andrae (36) unter der Ägide Moculescus in Friedrichshafen auf dem Feld. Gemeinsam haben sie zwei Meisterschaften und drei Pokalsiege sowie Platz neun bei Olympia 2008 gefeiert. An diesem Sonnabend (18.30 Uhr, Schmeling-Halle) aber kämpfen sie auf unterschiedlichen Seiten, denn während Andrae seit 2016 für die Netzhoppers KW-Bestensee antritt, agiert Moculescu nach seiner Rückkehr aus dem Ruhestand an der Seitenlinie der BR Volleys. „Dass er zurückgekommen ist, hat die ganze Welt überrascht“, sagt Andrae. Die Entscheidung, ausgerechnet zum langjährigen Rivalen zu gehen, überrascht ihn aber nicht. „Klar war die Rivalität zwischen Stelu und Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand immer ein Thema, man hat bei Stelu aber stets herausgehört, dass er unheimlichen Respekt vor der Arbeit Niroomands hat. Irgendwie war klar: Wenn er nochmal Trainer wird, dann in Berlin.“

BR Volleys favorisiert - auch gegen Friedrichshafen?

Beim Lokalderby liegt die Favoritenrolle klar bei den Berlinern. „Wir sind weit davon entfernt, uns Fantasiekonstrukte zusammenzustellen“, sagt Andrae. Die BR Volleys sind nur noch einen klaren Sieg davon entfernt, sich Tabellenplatz zwei und damit das Heimrecht für die Play-off-Spiele bis zum Halbfinale zu sichern. Die Netzhoppers hingegen haben als Neunter drei Spieltage vor Ende der Hauptrunde keine Chance mehr auf das Play-off. „Trotzdem wollen wir ein gutes Spiel abliefern“, sagt Andrae. „Für mich ist es dazu etwas Besonderes, denn ich freue mich total darauf, gegen Stelian zu spielen.“

Noch nie stand der Berliner in einem Ligaspiel auf der anderen Seite als sein ehemaliger VfB-Trainer. Die Entwicklung der BR Volleys unter Moculescu betrachtet er mit Wohlwollen: „Sie haben sich sehr stabilisiert und ich traue ihnen noch einiges zu.“ Wenn die Berliner am kommenden Mittwoch in der Champions League seinen alten Klub Friedrichshafen empfangen, wird Andrae als Zuschauer dabei sein. „Für mich ist Friedrichshafen momentan die stärkere Mannschaft“, sagt er. „Ich glaube aber, dass nach dem Pokalsieg etwas ähnliches passieren kann wie im letzten Jahr.“ Damals hatte Friedrichshafen erst den Supercup und dann den DVV-Pokal gewonnen, danach aber abgebaut und Berlin die Meisterschaft überlassen müssen. „Ich glaube, dass das Spiel in Berlin für Berlin ausgeht und dann in Friedrichshafen im Golden Set die Entscheidung fällt“, sagt Andrae.

Trainerguru brauchte Pause, aber jetzt strahlt er wieder

Seinem ehemaligen Trainer wünscht er den größtmöglichen Erfolg, auch weil er sieht, dass dieser die Freude an seinem Job wiedergefunden zu haben scheint. „Stelu hat in Friedrichshafen etwas Phänomenales aufgebaut, das hat aber auch unglaublich viel Kraft gekostet“, sagt Andrae. „Am Ende hat man gesehen, dass der Akku leer war.“ Er erinnert sich daran, wie Moculescu damals mit ihm und anderen jungen Spielern gearbeitet hat. „Er hat unheimlich viel Energie und Zeit investiert, weil er in dir etwas gesehen hat, was du selbst noch gar nicht gesehen hast“, erklärt er. Die Pause hat er gebraucht, sie tat ihm gut. „Er strahlt und genießt es wieder, an der Seitenlinie zu stehen“, sagt Andrae. „Umso schöner finde ich es, dass er jetzt den Weg in die Stadt gefunden hat, die ich eh am schönsten finde.“