Volleyball

Bogachev soll der perfekte Botschafter der Volleys werden

Wie ein deutsches Talent um den Aufstieg zum Stammspieler kämpft. Gegen Düren wird er am Sonntag wohl erst mal auf der Bank sitzen.

Muss sich durchbeißen: Egor Bogachev

Muss sich durchbeißen: Egor Bogachev

Foto: Bernd König / imago/Bernd König

Berlin.  Wenn Egor Bogachev zur Grundlinie geht, jubeln die Fans schon. Der Außenangreifer der BR Volleys hat einen Aufschlag, den kein Gegner mag. Donnert er den Ball auf die andere Feldseite, erzielt er mit 19 Prozent Wahrscheinlichkeit den direkten Punkt. Diese Statistik macht Bogachev zum zweiteffektivsten Aufschläger der Bundesliga.

"Der Aufschlag ist der Ball, den niemand außer mir beeinflussen kann", sagt der Berliner. Dass er diese Selbstbestimmtheit schätzt, wundert nicht, schließlich befindet sich der 20-Jährige gerade in einer Phase, in der er extrem abhängig ist von Entscheidungen anderer. "Für Egor ist es gerade eine schwierige Konstellation. Unser bisheriger Saisonverlauf hat gegen ihn gespielt", sagt Geschäftsführer Kaweh Niroomand.

Durch den durchwachsenen Saisonstart hat der Nachwuchsspieler nicht viele Einsatzzeiten bekommen. "Ich verstehe natürlich, dass die erste Sechs sich einspielen muss, dennoch hatte ich mir mehr Spielanteile erhofft, das war teilweise frustrierend", sagt er. Vorige Woche bekam er gegen den Tabellenletzten Solingen endlich die Chance, von Beginn an zu spielen – obwohl die Berliner den ersten Satz abgaben, nahm Trainer Luke Reynolds Bogachev nicht vom Feld.

Wechsel vom Vorletzten zum Meister

"Das hat sich ausgezahlt", sagt Niroomand. Bogachev war beim 3:1 zweitbester Angreifer und hat Selbstvertrauen gesammelt. Um den Angriff des 2,03 Meter großen Athleten macht Niroomand sich ohnehin keine Sorgen. "Er muss an der Annahme arbeiten," sagt er. In der Vorsaison war Bogachev der beste Angreifer der Liga. Er spielte noch in der Nachwuchsschmiede VC Olympia und wurde stets vom Zuspieler gesucht.

"Vom Topscorer zu einem, der gar keine Beachtung findet, war schon ein heftiger Schritt", gibt Bogachev zu. Allerdings wechselte er auch vom Vorletzten zum Meister. Dieser Sprung ist nicht zu unterschätzen, auch wenn die Teams insgesamt enger aneinander gerückt sind. Ein ausgeglichenes Niveau sieht Bogachev als großen Faktor für die Attraktivität der Liga, um künftig deutsche Spieler wie seinen Vorgänger Ruben Schott (wechselte im Sommer nach Mailand) halten zu können.

Ein anderer Punkt sei der finanzielle Aspekt. "Insgesamt müssten die deutschen Spieler in einigen Vereinen besser bezahlt werden. Man muss die Gründe minimieren, die im Ausland locken", sagt Bogachev. Er selbst hat an seinem Gehaltsgefüge nichts auszusetzen, für ihn geht es momentan darum, sich zu etablieren. "Ich habe das Ziel, mir im nächsten Jahr einen Stammplatz zu erspielen", sagt er. Außerhalb des Feldes hat er den schon: Seit diesem Jahr ist Bogachev Botschafter der Initiative "Zeichen setzen für den Nachwuchs", die der achtmalige Meister in Zusammenarbeit mit seinem Hauptgeldgeber ins Leben gerufen hat.

Quote für einheimische Profis könnte bald eingeführt werden

Damit tritt er die Nachfolge von Publikumsliebling Felix Fischer an. "In unseren Planungen spielt Egor eine wichtige Rolle", sagt Niroomand über den Mann, der bis 2020 in Berlin unter Vertrag steht. Bogachev durchlief die Volleyball-Schule des SCC und stand sogar im Kader für die EM im Polen. Hätte ihn nicht ein Bänderriss zur Absage gezwungen, dürfte er sich Vize-Europameister nennen. So einen Spieler brauchen die BR Volleys – vor allem, wenn die Liga tatsächlich die Deutschenquote einführen sollte.

Am Sonntag wird Bogachev wohl wieder nur auf der Bank starten, wenn die Volleys sich gegen Düren für die 0:3-Pleite zu Saisonbeginn revanchieren wollen (16 Uhr, Schmeling-Halle). Doch er bleibt optimistisch: "Ich weiß, dass meine Chance kommen wird." Die Zukunft gehört Spielern wie ihm.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.