Play-off-Halbfinale

Berlin Volleys zittern sich ins Finale

Die Berlin Volleys bezwingen im dritten Halbfinalspiel die United Volleys RheinMain mit 3:2. Nun wartet Friedrichshafen im Endspiel.

Die Berliner Sebastian Kühner, Aleksandar Okolic und Robert Kromm (v.l.) stemmten sich mit aller Macht gegen das Halbfinal-Aus

Die Berliner Sebastian Kühner, Aleksandar Okolic und Robert Kromm (v.l.) stemmten sich mit aller Macht gegen das Halbfinal-Aus

Foto: Bernd König / imago/Bernd König

Berlin.  Ist so etwas überhaupt denkbar? Eine Volleyball-Mannschaft zieht ins Final Four der Champions League ein, verpasst aber die Endspielserie um die nationale Meisterschaft? Wohlgemerkt in Deutschland, wo seit gefühlten Ewigkeiten nur zwei Mannschaften den Ton angeben, Rekordmeister VfB Friedrichshafen (13 Titel) und die BR Volleys (7).

Das Außergewöhnliche lag in der Luft, nachdem der Favorit aus der Hauptstadt am Ostersonntag in der Frankfurter Fraport Arena gegen die United Volleys RheinMain relativ klar mit 1:3 verloren, der Außenseiter in der "Best of three"-Halbfinalserie zum 1:1 ausgeglichen hatte. Doch im dritten Spiel siegten wieder die Berliner, gewannen vor 3691 Zuschauern in der Schmeling-Halle mit 3:2 (25:23, 30:28, 19:25, 24:26, 15:10) und kämpfen weiter um ihren achten Meistertitel. Das erste Finale, erneut nach dem Modus "Best of three", bestreitet der Titelverteidiger nun am Sonntag (14.30 Uhr) in Friedrichshafen.

"Frankfurt war ein sehr guter Gegner. Und ich dachte, wenn wir den vierten Satz verlieren, geht das in die Hose", sagte Volleys-Manager Kaweh Niroomand: "Aber die Mannschaft hat sich nochmal herausgerissen."

Trainer Serniotti wechselt schon im ersten Satz viel

Seltsam blockiert wirkten die Gastgeber zu Beginn. Bald sahen sie sich einem Sechs-Punkte-Rückstand gegenüber (11:17) – ohne dass die Hessen dafür Besonderes leisten mussten. Deren Punkte machten meist: die Berliner. Trainer Roberto Serniotti sah sich das nicht lange an, wechselte fleißig durch.

Zunächst kam Steven Marshall für Ruben Schott, wenig später Zuspieler Sebastian Kühner für Tsimafei Zhukouski und Diagonalangreifer Wouter ter Maat für Paul Carroll. Plötzlich lief es. Pünktchen für Pünktchen holten die BR Volleys auf, glichen zum 20:20 aus und hatten kurz darauf zwei Satzbälle.

Den ersten wehrte der Frankfurter Christian Dünnes ab, beim zweiten schlug er sein Service ins Netz. Ein glücklicher Satzgewinn für Berlin. Aber Serniotti hatte alles richtig gemacht.

2:0-Führung nur scheinbar beruhigend

Der Italiener vertraute weiter seiner neuen Formation. Und sie schien auf einen klaren Erfolg im zweiten Abschnitt hinzusteuern, als sie 23:20 führten. Immer wieder bewährte sich das kurze Zuspiel von Kühner auf Graham Vigrass oder Aleksandar Okolic.

Doch es sollte lange Minuten dauern, bis der Erfolg wirklich sicher war. Denn die United Volleys waren bei 23:23 wieder dran, hatten vier Mal die Chance, nach Sätzen auszugleichen, vergaben jedoch alle. Die BR Volleys dagegen nutzten ihren zweiten Satzball zur scheinbar beruhigenden 2:0-Führung. Der starke Kühner vollendete mit einem Block.

Den dritten Satz schenkten die Berliner förmlich her, lagen mit bis zu zehn Punkten zurück (12:22). Den vierten dominierten sie lange, hatten bis zum 17:13 immer einen klaren Vorsprung. Doch die BR Volleys können in dieser Saison offenbar nur spannend, gaben ihre schöne Führung her und mussten tatsächlich in den Entscheidungssatz.

Matchball nach zweieinhalb Stunden verwandelt

Und hier führten sie schnell mit 6:1. "Gott sei Dank sind wir im fünften Satz wieder gut gestartet", sagte Kromm, der den Matchball nach fast zweieinhalb Stunden per Block verwandelte.

Das Berliner Publikum feierte lautstark, denn es wird seine Mannschaft in der Schmeling-Halle nun sicher noch einmal sehen, nämlich im zweiten Endspiel gegen Friedrichshafen. Dieses soll am 3. Mai stattfinden. Vielleicht gibt es dann ja sogar noch mehr zu feiern.

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