Volleyball

Die BR Volleys und der Fluch des Erfolgs

Die BR Volleys erobern in dieser Saison Europa im Sturm. Aber nun droht ihnen plötzlich eine Saison ohne Champions League.

Ruben Schott (l.) umspielt den Blocker der United Volleys RheinMain. Das will er auch im dritten Halbfinale tun

Ruben Schott (l.) umspielt den Blocker der United Volleys RheinMain. Das will er auch im dritten Halbfinale tun

Foto: Sebastian Wells / imago/Sebastian Wells

Berlin.  Drei oder fünf, das ist hier die Frage für die Volleyball Bundesliga (VBL). Wird die Finalserie um die Deutsche Meisterschaft der Männer nach dem Modus "Best of three" oder "Best of five" entschieden? Von Rekordmeister VfB Friedrichshafen, der schon qualifiziert ist, hängt es nicht ab. Seinen Kontrahenten ermitteln an diesem Donnerstagabend (19.30 Uhr) in der Schmeling-Halle Titelverteidiger BR Volleys und die United Volleys RheinMain. Der Sieger steht im Finale. Sind es die Berliner, gibt es höchstens drei Endspiele. Sind es die Hessen, können es bis zu fünf werden.

Finale soll nicht schon nach zwei Spielen vorbei sein

Eine kuriose Situation. Die BR Volleys sind erfolgreicher, als es der Spielplan vorsah. Normal waren in den vergangenen Jahren "Best of five"-Serien. Der Höhepunkt einer seit Oktober währenden Saison sollte nicht schon nach zwei Partien vorbei sein können. Doch vor dieser Spielzeit haben die VBL und ihre Vereine sich auf einen Sonderfall verständigt. Sollte ein Klub im Europapokal noch im April dabei sein, kann die Serie auf drei Spiele verkürzt werden. Das ließ sich leicht verabreden. Niemand hätte damals vermutet, dass die BR Volleys das Final Four der Champions League erreichen. Nun ist es so.

"So etwas darf sich nicht wiederholen", sagt Berlins Geschäftsführer Kaweh Niroomand und meint natürlich die Verkürzung der Serie. Er glaubt: "Wir haben jetzt drei bis vier Teams, die in Europa gut mithalten können." Deshalb sorgt die Liga vor. In der nächsten Saison soll es kein Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft mehr geben. Das würde die Terminlage entspannen.

Ligen in Polen und Italien haben ähnliche Probleme

Niroomand hat auch keinen Disput mit der Liga. Vor der Halbfinalserie hatte er noch geschimpft über die unbefriedigende Situation. Nun sagt er: "Es gibt gar keine andere Lösung. Fünf Endspiele gehen gar nicht, wir müssen in der Schmeling-Halle ja auch auf die Füchse Rücksicht nehmen." Der Handball-Bundesligist spielt in derselben Arena. Hinzu kommt die körperliche Herausforderung für die Spieler, die jetzt bereits 40 Saisoneinsätze hinter sich haben. "Das ist von der Belastung her gar nicht machbar", so Niroomand.

VBL-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung versteht das "Dilemma sehr gut". Man habe auch über eine Verlängerung der Saison auf den 9./10. Mai nachgedacht. Doch dagegen sprach, dass sich die deutsche Nationalmannschaft am 2. Mai trifft, um sich auf die sehr wichtige WM-Qualifikation vorzubereiten. "Die Liga ist reingepresst in das Korsett der internationalen Termine", sagt Jung. Gespräche mit dem Weltverband FIVB gebe es, weil Ligen etwa in Polen oder Italien ähnliche Probleme haben. Die Mühlen der Funktionäre mahlen langsam. Immerhin mahlen sie endlich.

Ziel bleibt Finale gegen Friedrichshafen

Der Fluch ihres internationalen Erfolgs könnte sein, dass die BR Volleys im kommenden Herbst nicht erneut in der europäischen Elite mitmachen dürfen. Verlieren sie das dritte Spiel gegen die Frankfurter, geht es für sie nur noch um den CEV-Cup. Allein der Meister hat seinen Platz in der Champions League sicher, der unterlegene Finalist darf sich durch die Qualifikation kämpfen.

"Das wäre nicht erfreulich", sagt Niroomand zwar, aber: "Es würde uns auch nicht umschmeißen." Außerdem ist es ja noch nicht so weit. Das 1:3 in Frankfurt vom vergangenen Sonntag, erklärt Diagonalangreifer Paul Carroll, sei abgehakt. "Wir wollen in das Finale gegen Friedrichshafen, und unsere Fans werden uns dabei helfen", glaubt er, "wir werden auch anders als in Frankfurt wieder die letzte Entschlossenheit zeigen." In einem einzigen Spiel.

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