Volleyball

Wechsel-Gerüchte um Serniotti kommen zur Unzeit

Volleys-Trainer Roberto Serniotti soll in Polen schon einen neuen Klub gefunden haben. Dabei steht jetzt die wichtigste Saisonphase an.

Redebedarf: Trainer Roberto Serniotti mit Mittelblocker Graham Vigrass

Redebedarf: Trainer Roberto Serniotti mit Mittelblocker Graham Vigrass

Foto: Sport Moments/Basting / picture alliance / Sport Moments

Berlin.  In Polen ist Volleyball eine große Nummer. Dort sind Veränderungen bei Top-Vereinen in den Medien eine ähnlich heiße Ware wie hierzulande Personalien in der Fußball-Bundesliga. Jede Neuigkeit muss sofort raus. So freuten sich die Fans des siebenmaligen Meisters Asseco Resovia Rzeszow, als der deutsche Kapitän Jochen Schoeps kürzlich seine Vertragsverlängerung verkündete. Und als Mitte der Woche die Zeitung „Przeglad Sportowy“ vermeldete, Rzeszows Cheftrainer Andrzej Kowal erhalte einen neuen Assistenten. Sein Name: Roberto Serniotti.

Der Trainer hat noch nichts unterschrieben

Seitdem kursiert diese Meldung in Internetforen wie „WorldofVolley“. Und natürlich haben auch die Spieler des Deutschen Meisters BR Volleys mitbekommen, was da berichtet wird. Der 54-jährige Italiener ist schließlich seit fast zwei Jahren ihr Coach. Und gemeinsam stecken sie aktuell in der heißesten Saisonphase. Die Berliner wollen erneut den nationalen Titel gewinnen und scheinen nach ihrem 3:0 im ersten Halbfinale gegen die United Volleys RheinMain auf einem guten Weg dorthin. Sie haben sogar die Chance, mit einem Sieg am Mittwoch (18 Uhr, Laola1.tv) bei Dynamo Moskau erstmals sportlich den Einzug ins Final Four der Champions League zu schaffen. Da kommt eine Trainer-Diskussion zur Unzeit.

Serniotti spricht deshalb auch von „Gerüchten. Ich habe nichts unterschrieben“. Daraus, dass er beziehungsweise sein sehr gut vernetzter Agent Luca Novi in Kontakt mit anderen Vereinen stehe, macht er allerdings ebenfalls kein Geheimnis: „Ich denke, das ist normal. Jeder, der in diesem Moment keinen Vertrag für die nächste Saison hat, tut das.“ Die Jobs bei den besten Klubs seien rar gesät, da heiße es, die Augen offen zu halten.

Serniotti würde am liebsten in Berlin bleiben

Am liebsten, betont der Italiener erneut, wäre er ja mit Frau und Sohn in Berlin geblieben, wo sich die Familie wohl fühlt. Seine Anfrage bei Geschäftsführer Kaweh Niroomand vor einigen Wochen blieb jedoch erfolglos. Der Manager verwies darauf, dass bei den Volleys solche Gespräche grundsätzlich erst nach der Spielzeit geführt würden.

Das bestätigt Niroomand und kann Serniottis Reaktion auch durchaus verstehen. „Das ist das Risiko, das ich eingehe. Dass er die Sicherheit in einem anderen Verein der Unsicherheit in Berlin vorzieht.“ Seine Marschroute steht dennoch nicht zur Debatte. „Wir lassen uns dadurch nicht in dieser wichtigen Frage unter Druck setzen, wer in der nächsten Saison unser Trainer ist.“ Die Sorge, möglicherweise am Ende mit leeren Händen dazustehen, quält ihn nicht. „Wir sind eine Topadresse in Europa“, sagt der Volleys-Geschäftsführer selbstbewusst, „seit die Gerüchte um Serniotti im Umlauf sind, bekomme ich jeden Tag bis zu drei Bewerbungen.“

Drei Bewerbungen um den Posten pro Tag

Er sehe die wichtigste Personalie relativ entspannt. Eine Verunsicherung des Teams erwarte er nicht, dafür sprächen schon die jüngsten Leistungen. „Die Mannschaft ist in sich gesfestigt, auch dadurch, dass wichtige Korsettstangen wie Robert Kromm, Paul Carroll, Felix Fischer oder Sebastian Kühner seit Jahren bei uns sind. Innerhalb der Mannschaft stimmt es.“ Immer wieder war zu hören, dass dies auf das Verhältnis zwischen Spielern und Coach nicht in dem Maße zutrifft, so dass damit zu rechnen ist, dass Serniottis Zeit in Berlin mit Vertragsende im Sommer ohnehin abläuft. Obwohl er erfolgreich gearbeitet hat, im vergangenen Jahr das Triple aus Meisterschaft, deutschem Pokal und CEV-Pokal gewann.

Einen guten Abschluss wünscht sich der Trainer auch in dieser Saison. Dabei will er sich nicht durch seine Zukunftspläne ablenken lassen, sagt er: „In diesem Moment ist mein Fokus ganz auf das Finale mit den BR Volleys gerichtet. Was ist jetzt wichtig? Dass wir in diesem wichtigen Moment bereit sind.“ Dass ihm das gelungen ist, das immerhin scheint Roberto Serniotti im Moment nicht abzusprechen zu sein.

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