Volleyball

Volleys-Star Felix Fischer - Ein Stirnband für alle

Felix Fischer trägt gegen Bühl zum 500. Mal das Trikot der BR Volleys. Seine Karriere möchte er mit einem Titel beenden.

Felix Fischer wurde mit den BR Volleys vier Mal Deutscher Meister

Felix Fischer wurde mit den BR Volleys vier Mal Deutscher Meister

Foto: imago sportfotodienst / imago/Sebastian Wells

Berlin.  Das Spiel ist beendet. Die Zuschauer in der gut besuchten Max-Schmeling-Halle stehen. Auf dem Feld tanzt ein Volleyballspieler mit schwarzem Stirnband und orangefarbenem Trikot im Kreis der Kollegen. Sein Lächeln reicht von einem Ohr zum anderen und ist so ansteckend, dass es nach und nach auf die Gesichter der Zuschauer übergeht. Das war 2009, der tanzende Volleyballer war Felix Fischer, der damals zum wertvollsten Spieler des SCC Berlin gekürt wurde.

Mannschaft ohne Fischer ist schwer vorstellbar

Inzwischen treten die Charlottenburger unter dem Namen BR Volleys an. Fischer aber ist derselbe geblieben. Wenn sein Team am Sonnabend im Play-off-Viertelfinale auf den TV Bühl trifft (18.30 Uhr, Schmelinghalle), feiert der inzwischen 34-Jährige sein 500. Spiel im Berliner Trikot. Wer den energiegeladenen Mittelblocker noch einmal erleben möchte, dem bleibt nicht viel Zeit. Fischer macht am Saisonende Schluss. "Eine Mannschaft ohne Felix ist fast unvorstellbar," sagt Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand. "Er ist eine Identifikationsfigur, die wir so schnell nicht nachbilden können."

Wegen seiner Vereinstreue und seiner authentischen Art hat Fischer sich zum Publikumsliebling entwickelt. "Wenn er spielt, sehe ich immer noch den zehnjährigen Felix vor mir", sagt sein ehemaliger Trainer Endre Puskas. Unter ihm hat Fischer bei Post Telekom Berlin mit dem Volleyball begonnen. "Er war auch bei mir immer der Motivator, der vorneweg ging und die anderen mitzog", sagt Puskas.

Beim Fußball waren ihm die Leute zu dumm

Gleichzeitig war der Junge aus Friedrichshain sein Sorgenkind. "Felix war hyperaktiv und schwer zu händeln", erzählt Puskas, der inzwischen Leiter für Kinder- und Gesundheitssport beim Sport- und Gesundheitspark Berlin e.V. ist. Hier arbeitet er mit Kindern, die spezielle Bedürfnisse haben, ab Oktober startet ein Programm für ADHS. Auch Fischer litt an der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. "Meine Mutter wollte nicht, dass ich Tabletten nehme", erzählt er. Stattdessen schickte sie ihren Sohn zum Sport.

Ganz so einfach ließ der kleine Felix sich aber nicht integrieren. "Beim Handball bin ich nach einer Woche rausgeflogen, beim Basketball auch", sagt er. Puskas nahm ihn, wie er war. "Ohne Endre wäre ich nie beim Volleyball geblieben", erzählt Fischer. Auch einen Ausflug zum Fußball verzieh der Trainer ihm. Als 15-Jähriger versuchte Fischer sich als Torhüter bei Empor Berlin. Nach einem Jahr kehrte er zu Puskas zurück. "Die Leute waren mir zu dumm." Ab diesem Moment wusste Fischer, dass er Volleyballer sein will – und dann ging alles ganz schnell: Jugendnationalmannschaft, Sportschule, VC Olympia. Später brachte Fischer es sogar auf 39 Einsätze für die A-Nationalmannschaft. "Er hat eine tolle Karriere hingelegt", sagt Michael Warm, der ihn damals beim VCO betreute.

Anruf von Niroomand war ein Glücksfall

Den Schulwechsel nach der neunten Klasse verkraftete Fischer nicht gut, sein Abitur brach er in der zwölften Klasse ab. "Es war eine Fehlentscheidung, so früh zu wechseln", sagt er. Ein beständiges Umfeld ist wichtig für den 2,03-Meter-Mann. Auch deshalb sieht er den Anruf, den er 2003 von Niroomand erhielt, noch immer als glückliche Fügung an. Dem damals 19-Jährigen lag ein Vertrag vom Bundesligisten CV Mitteldeutschland vor, als Niroomand ihn doch noch für den SCC Berlin anfragte. "Hätte Kaweh eine Stunde später angerufen, wäre ich weg gewesen", sagt Fischer.

Stattdessen blieb er in Berlin und gewann auf Anhieb die Meisterschaft. Aktuell spielt er seine 13. Saison für die Volleys. "Ich habe großes Glück, dass es in meiner Heimatstadt einen so guten Klub gibt, bei dem ich spielen darf", sagt er. Nur einen Ausflug nach Paris erlaubte er sich 2009, "das ging total in die Hose". Er verdiente weniger und spielte kaum. Dafür wurde er in Berlin mit offenen Armen aufgenommen und gewann drei weitere Meistertitel.

Schon vor zwei Jahren wollte er aufhören

2015 bekam Fischer unter Trainer Mark Lebedew nur noch Kurzeinsätze. Als die Berliner gegen Friedrichshafen das Finale um die Meisterschaft verloren, war der Tiefpunkt erreicht. Fischer wollte aufhören. Niroomand offerierte ihm einen Zwei-Jahresvertrag. Zum Glück ist er geblieben. 2016 gewann er mit den Volleys das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Europapokal. "Ich hätte mir richtig in den Arsch gebissen, wenn ich das verpasst hätte", sagt er. Nun wird er seine Karriere wirklich beenden. Ab September beginnt er eine Ausbildung zum Fachinformatiker.

Vorher will Fischer noch mindestens ein Mal in der Schmeling-Halle tanzen – am liebsten, wenn die BR Volleys den Meistertitel gewinnen. "Das wäre der perfekte Abgang", sagt er. Dann wird er wieder mit seinem Lächeln das gesamte Publikum anstecken, auch wenn dieses Mal mit Sicherheit die eine oder andere Abschiedsträne darüber kullert. Vielleicht schon am Sonnabend, wenn er in die Runde schaut und sieht, dass alle Zuschauer ein schwarzes Stirnband tragen. Der Klub will das Textil auf jeden Sitzplatz legen. Kommen mehr als 4673 Fans, brächte das einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Aber vor allem soll es ein Dankeschön sein an Felix Fischer. Für 500 Spiele im Trikot seines Herzensvereins.

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