Volleyball

Volleys-Gegner zieht um nach Österreich

Volleyball-Bundesligist TSV Herrsching hat eine zu kleine Halle, aber große Pläne: Bis 2021 wollen die Bayern eine Arena für 2500 Zuschauer bauen.

Jubel beim TSV Herrsching: Der Volleyball-Bundesligist aus Bayern tritt gern in zünftiger Sportkleidung an

Jubel beim TSV Herrsching: Der Volleyball-Bundesligist aus Bayern tritt gern in zünftiger Sportkleidung an

Foto: BEAUTIFUL SPORTS/Ulf Schiller / picture alliance / Beautiful Spo

Berlin.  Wenn große Ereignisse bevorstehen, besteht zuweilen die Gefahr, die Stolpersteine zu übersehen, die unmittelbar vor den eigenen Füßen liegen. Für die BR Volleys ist der 5. März ein solch großes Ereignis, dann treten sie in der letzten Partie der Bundesliga-Hauptrunde gegen den VfB Friedrichshafen an, den sie in dieser Saison noch nicht besiegen konnten. "Gegen den VfB zu gewinnen, droht ein Tabu zu werden, das müssen wir brechen", sagt Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand.

Berlins Ziel ist Platz eins nach der Hauptrunde

Die Partien heute gegen den TSV Herrsching (19.30 Uhr, Schmeling-Halle) und beim Tabellenletzten Solingen (Sonntag, 14.30 Uhr) sind vom Papier her eine klare Angelegenheit. In allen Begegnungen dieser Spielzeit lautete das Ergebnis 3:0 für Berlin. "Es ist aber wichtig, dass wir jetzt unsere Hausaufgaben machen", warnt Niroomand, "sonst ist die Rangfolge im Play-off entschieden, bevor wir an den Bodensee fahren." Erster der Hauptrunde zu werden, ist das Ziel der BR Volleys, dann haben sie in den entscheidenden Play-off-Partien Heimrecht.

Gegner TSV Herrsching hat andere Probleme: Die Bayern vom Ammersee wollen in Berlin wichtige Punkte sammeln, um sich innerhalb der letzten drei Spieltage noch von Tabellenplatz sieben auf sechs hochzuschieben. Damit wären sie direkt für das Play-off-Viertelfinale qualifiziert. Dort allerdings wartet die nächste Hürde auf den selbst ernannten "Geilsten Club der Welt": Herrschings Nikolaushalle genügt den Liga-Bestimmungen nicht, da die Decke zu flach ist und die Zuschauerkapazität zu gering.

Im Cup-Halbfinale verloren die Bayern ihr Heimrecht

Schon im Pokal-Halbfinale gegen Berlin kam es deswegen zum Disput, der dadurch gelöst wurde, dass in Berlin gespielt wurde. Dieses Mal sind die Herrschinger besser vorbereitet: Sollten sie das Play-off-Viertelfinale erreichen, tragen sie ihr Heimspiel in Innsbruck aus. Der österreichische Klub Hypo Tirol hat angeboten, sein Halbfinale der österreichischen Liga mit einem Viertelfinale Herrschings zusammenzulegen. "Das wird über das österreichische Fernsehen auch super vermarktet", freut sich Herrschings Manager Fritz Frömming.

Eine dauerhafte Lösung kann die knapp 150 Kilometer entfernte Halle im Nachbarland aber nicht sein. Herrsching braucht jetzt einen Plan, denn die Liga hat zwar im Januar beschlossen, die zum Saisonende auslaufende Ausnahmegenehmigung für die Hallen Herrschings, der SVG Lüneburg und der Ladies in Black Aachen zu verlängern, allerdings nur, wenn die Klubs tragbare standortbezogene Hallenkonzepte für die Zukunft vorlegen.

Neue Halle soll zwischen 3,5 und 12 Millionen Euro kosten

Ein solches Konzept für eine 2500 Zuschauer fassende multifunktionale Event-Arena hat der Verein der Gemeinde in Herrsching vor einer Woche vorgestellt. Je nach Material soll diese 3,5 bis 12 Millionen Euro kosten und benötigt eine Fläche von 14.000 Quadratmeter – inklusive Parkflächen für bis zu 700 Fahrzeuge. "Unser Ziel ist es, spätestens zu Beginn der Saison 2020/21 in einer neuen Halle zu spielen", sagt Frömming.

Diese Lösung begrüßt auch Niroomand: "Die Ausnahmeregelung ist ein Kompromiss, den wir mittragen, denn wir brauchen ja solche Vereine in der Liga", sagt er. Noch zwei Jahre in den zu kleinen und flachen Hallen Lüneburgs oder Herrschings zu gastieren, empfindet er allerdings als "Zumutung". Umso mehr genießt der Volleys-Manager an diesem Mittwoch das letzte Heimspiel der Hauptrunde in der Berliner Schmelinghalle – vorausgesetzt, auch das Ergebnis stimmt.

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