Volleyball

Berlin Volleys verpassen Pokalsieg gegen Friedrichshafen

Der Rekordpokalsieger gewann am Sonntag das Finale in Mannheim gegen den Titelverteidiger Berlin Volleys verdient mit 3:1.

 Die Berliner Graham Vigrass (r.) und Paul Carroll versuchen den Ball zu blocken

Die Berliner Graham Vigrass (r.) und Paul Carroll versuchen den Ball zu blocken

Foto: Uwe Anspach / dpa

Sie wollten hoch gewinnen. Man müsse den Gegner in "Hochballsituationen" zwingen, "in denen wir dann hoffentlich unsere Stärken ausspielen können", so hatte es Zuspieler Sebastian Kühner vor dem Spiel formuliert. Tatsächlich hatten die BR Volleys beim Pokalfinale in Mannheim am Sonntag von Anfang an die Lufthoheit. Jedoch nur in Form eines Zeppelins ihres Sponsors, der vor Beginn der Partie über die Köpfe der Fans des VfB Friedrichshafen hinweg durch die SAP-Arena schwebte.

Im Duell mit dem Dauerrivalen vom Bodensee waren dann allerdings die Häfler obenauf, Berlin unterlag dem Bundesliga-Spitzenreiter mit 1:3 (31:33, 21:25, 27:25, 28:30). Der Deutsche Meister kassierte damit auch im dritten Aufeinandertreffen beider Klubs in dieser Saison erneut eine Niederlage. Schon im Supercup sowie kurz vor Weihnachten in der Liga hatte Friedrichshafen gewonnen. Für den Rekordpokalsieger war es insgesamt der 14. Triumph in diesem Wettbewerb. Dagegen platzte der Traum der BR Volleys, erstmals in der Klubgeschichte den Pokal erfolgreich zu verteidigen.

Seit 2016 werden die Pokalendspiele der Männer und Frauen in Mannheim ausgetragen. Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr war auch die jüngste Auflage vor 10.143 Zuschauern wieder eine große Show – die Veranstaltung bot mit Cheerleadern, Nationalhymne und Pyrotechnik das volle Unterhaltungsprogramm. Es war also die perfekte Bühne für Vital Heynen. Der Trainer des VfB Friedrichshafen ist der Typ Entertainer, je mehr Menschen ihm zuschauen, desto wilder wirbelt er an der Seitenlinie. Mit seinen Mätzchen hat Heynen schon so manchen Gegner aus dem Konzept gebracht. Auch die Volleys haderten nach der Pleite in der Liga mit dem Verhalten des früheren Bundestrainers. "Natürlich nimmt man das als Spieler wahr, ganz gleich für welches Team man spielt", hatte Berlins Steven Marshall noch in dieser Woche gesagt. "Deshalb sollte man dem, was Vital am Spielfeldrand tut und sagt, nur wenig Aufmerksamkeit schenken."

Anfangs schien es auch, als hätten seine Teamkollegen seine Worte gehört. Die BR Volleys legten einen Blitzstart hin, führten zur Freude der 350 mitgereisten Fans schnell mit 3:0. Berlins Trainer Roberto Serniotti hatte überraschend Paul Carroll in die Startformation beordert, den wertvollsten Spieler des letztjährigen Pokalendspiels. Und der Australier zahlte das Vertrauen zurück, er war mit 16 Zählern punktbester Berliner.

Im Angriff fehlt den Berlinern die Präzision

In der Folge kam Friedrichshafen jedoch immer besser ins Spiel, wiederholt scheiterten die BR Volleys am starken Mittelblock des VfB. Es entwickelte sich eine packende Partie, in der sich zunächst keine Mannschaft um mehr als drei Punkte absetzen konnte. Der erste Satz ging in die Verlängerung. Gleich sechs Mal hatte Friedrichshafen Satzball, jedes Mal konnten die Berliner abwehren, die ihrerseits zwei Mal die Chance hatten. Doch ein Ass von Zuspieler Tomas Kocian bescherte dem VfB schließlich den ersten Satz.

Im zweiten Abschnitt blieb das Spiel spannend. Beide Teams schenkten sich nichts und boten dem Publikum beim Duell der Giganten im deutschen Volleyball ein Spiel auf extrem hohem Niveau. Und erneut hatte der Bundesliga-Tabellenführer aus Baden-Württemberg das bessere Ende für sich, der auch diesen Satz mit 25:21 für sich entscheiden konnte. Vor allem Michal Finger konnten die BR Volleys in dieser Phase kaum stoppen: Mit 26 Punkten war der tschechische Diagonalangreifer bester Mann auf dem Feld.

Berlin wankte bereits, doch der Deutsche Meister kam noch einmal zurück. Nach erneut fünf vergebenen Satzbällen sorgte Robert Kromm mit seinem Punkt zum 27:25 für den Satzgewinn und den Anschluss. Auch im vierten Satz packte der Kapitän der Berliner ein ums andere Mal seinen gefürchteten Hammer aus, am Ende gehörte er mit 13 Zählern einmal mehr zu den Stärksten Berlinern.

Die BR Volleys glaubten nun wieder an ein Comeback. Sebastian Kühner, inzwischen eingewechselt, brachte sein Team mit 15:14 in Front. Doch es fehlte die Präzision im Angriff. Erst scheiterte Paul Carroll am Ein-Mann-Block des Bosniers Armin Mustedanovic, dann hauten er und Graham Wigrass ihre Aufschläge jeweils ins Aus. Im achten Anlauf verwandelte Michal Finger nach über zwei Stunden den Matchball für Friedrichshafen.

"Wir hatten unsere Chancen. Wir haben in jedem Satz gut angefangen, aber wir waren nicht konsequent genug", sagte Sebastian Kühner enttäuscht. "Eigentlich sind wir die erfahrenere Mannschaft, doch wir konnten diesen Vorteil nicht aufs Feld bringen." Die ganze Konzentration der Berliner gilt nun der Meisterschaft.

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