Volleyball

Zum Glück ist das Pokalfinale nicht in Berlin

Zweimal haben die BR Volleys in dieser Saison bereits daheim verloren, beim Pokalfinale am Sonntag in Mannheim soll sich das ändern.

Tomas Rousseaux vom VfB Friedrichshafen soll es gegen die BR Volleys schwerer haben zu punkten als in den vorerigen Saison-Duellen

Tomas Rousseaux vom VfB Friedrichshafen soll es gegen die BR Volleys schwerer haben zu punkten als in den vorerigen Saison-Duellen

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Kurz vor dem Pokalfinale am Sonntag konnten die BR Volleys in dieser Woche noch einmal einen Zugang vermelden. Besser gesagt: hunderte. Beim Endspiel in Mannheim (16.45 Uhr, Sport1) dürfen sich Berlins Volleyballer auf Unterstützung von den Rängen auch durch die Anhänger von Frauen-Finalist SSC Palmberg Schwerin freuen. Diese sollen zusammen mit den 350 Fans der Volleys eine orange-gelbe Wand bilden, die beide Klubs zum Sieg schreien soll.

Berlins Zuspieler Sebastian Kühner sagt: "Natürlich haben die Zuschauer aus Stuttgart und Friedrichshafen eine wesentlich kürzere Anreise und werden deshalb in der Überzahl sein, aber unsere orange Fankurve gab schon vor einem Jahr ein sensationelles Bild ab. Gemeinsam mit den SSC-Anhängern werden sie unseren beiden Mannschaften ganz sicher dabei helfen, die Extra-Prozentpunkte zu mobilisieren, die wir für einen Pokalsieg brauchen."

Die beiden bisherigen Duelle der Saison gewann der VfB

Die Fans sind sich offenbar schon ziemlich sicher, dass die Volleys ihren Pokalerfolg aus dem Vorjahr wiederholen können, was dem Klub in seiner Vereinsgeschichte bislang allerdings noch nie gelungen ist. In der Planung der gemeinsamen Choreographie mit den Schwerinern ist als letzter Punkt bereits genau beschrieben, was die Zuschauer nach einem Sieg zu tun haben: "Alle schwenken die orangen Fahnen und rufen BRV", so lautet die Anweisung.

Anders als im Vorjahr, als die Rollen gegen Außenseiter Bühl von vornherein klar verteilt waren und Berlin letztlich locker mit 3:0 siegte, ist dieses Mal jedoch völlig offen, wer sich am Ende die Trophäe sichert. Berlin gegen Friedrichshafen: Es ist das Duell der Giganten im deutschen Volleyball, das Aufeinandertreffen der beiden erfolgreichsten Teams der vergangenen 20 Jahre. Der VfB hat den Cup bereits 13 Mal gewinnen können, ist damit Rekordpokalsieger. Für die BR Volleys endete dagegen im vergangenen Jahr eine lange Durststrecke, als man auf dem Weg zum späteren Triple erstmals seit 2000 wieder im DVV-Pokal erfolgreich war, zum insgesamt vierten Mal.

2016 wurden die Endspiele der Männer und Frauen erstmals in der Mannheimer SAP-Arena ausgetragen. 12.000 Zuschauer waren in der Halle live dabei – nie zuvor hatten in Deutschland mehr Menschen ein Volleyballspiel verfolgt. Auch in diesem Jahr wird wieder eine fünfstellige Zuschauerzahl erwartet. "Vor einer solchen Kulisse wird es auch darauf ankommen, wer das bessere Nervenkostüm hat", sagt Berlins Manager Kaweh Niroomand.

Als beide Mannschaften kurz vor Weihnachten zuletzt in der Bundesliga aufeinandertrafen, machte Friedrichshafen mental den besseren Eindruck. Die Gäste ließen sich vom Lärm in der Max-Schmeling-Halle nicht beeindrucken, wohingegen die Berliner bei der 0:3-Niederlage gleich neun Satzbälle vergaben. Bereits beim Supercup vor Saisonstart hatte Friedrichshafen in Berlin mit 3:0 gewonnen. "Aus psychologischer Sicht sind die beiden Siege Balsam für uns gewesen", sagt VfB-Kapitän Simon Tischer. "Denn Berlin weiß jetzt, wir sind in der Lage, sie zu schlagen. Und das bleibt im Hinterkopf."

VfB-Kapitän Tischer sieht Berlin als Favoriten

Als Favorit sieht Tischer seine Mannschaft deshalb allerdings nicht automatisch. "Berlin ist auf dem Papier die bessere Mannschaft", sagt er. Aus Sicht von Diagonalspieler Paul Carroll haben die BR Volleys zudem ein weiteres Ass im Ärmel: "Wir haben im letzten Jahr schon in Mannheim gespielt. Diese Erfahrung ist sicher ein kleiner Vorteil für uns", meint der Australier, der bei Berlins letztjährigen Pokaltriumph zum wertvollsten Spieler gewählt worden war. "Wir müssen die Chancen nutzen, die uns der VfB gibt. Denn so einem Team darf man nicht die Möglichkeit geben, in einen Satz oder in das Spiel zurückzufinden.

Deshalb müssen wir unseren Killerinstinkt zeigen und versuchen, sie auf dem falschen Fuß zu erwischen." Auch Manager Niroomand sagt: "Wir müssen noch aggressiver auftreten und unsere Aufschläge und die Bälle, die wir aus der Abwehr holen, noch besser verwerten."

Nachdem Volleys-Coach Roberto Serniotti in der ersten Saisonhälfte munter rotieren ließ und vielen Spielern Einsatzzeiten gewährte, scheint er nun seine Stammformation gefunden zu haben. Beim Berlin-Brandenburg-Derby gegen die Netzhoppers Königs Wusterhausen spielte die Start-Sechs zuletzt sogar fast komplett durch. Die Berliner gewannen die Generalprobe für das Pokalfinale mit 3:0. "Wahrscheinlich ist das auch das Team gewesen, das am Sonntag spielen wird", sagt Kaweh Niroomand. Von personellen Veränderungen auf der Zuschauertribüne einmal abgesehen.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.