Volleyball-Derby

Bei den Netzhoppers hat "Papa" Andrae die Verantwortung

Björn Andrae spielte einst für die BR Volleys. Nun will der 35-Jährige mit den Netzhoppers KW-Bestensee seinen Ex-Klub im Derby ärgern.

Björn Andrae (l.) war dreimal Volleyballer des Jahres

Björn Andrae (l.) war dreimal Volleyballer des Jahres

Foto: nph / Kurth / picture alliance / nordphoto

Berlin.  Als Björn Andrae das letzte Mal in der Max-Schmeling-Halle war, Anfang Dezember beim Champions-League-Auftritt der BR Volleys gegen die Italiener von Civitanova, da bejubelte er jeden Punkt der Berliner. Andrae war als Zuschauer gekommen, um sein früheres Team anzufeuern. Am Sonntag (16 Uhr) zum Berlin-Brandenburg-Derby zwischen den BR Volleys und den Netzhoppers Königs Wusterhausen wird er wieder in der Halle sein. Doch dieses Mal muss seine Aufgabe sein, Punkte des Gegners zu verhindern.

Seit dieser Saison spielt Björn Andrae für die Netzhoppers. Seine Verpflichtung war für den Vorstadtklub eine Sensation, denn der 35-Jährige ist im deutschen Volleyball nicht irgendwer. 260 Mal spielte er für die Nationalmannschaft, war dreimal "Volleyballer des Jahres" und bis vor kurzem noch in Europas Topligen aktiv – in Italien, in Polen, in Russland. Doch den Weltenbummler zog es zurück in die Heimat.

"Ich wollte meine Karriere in Deutschland ausklingen lassen. Zuhause wohnen, zuhause spielen", sagt er. In Königs Wusterhausen soll er die jungen Spieler an die Hand nehmen, "fast wie ein Papa". Einige seiner Teamkollegen sind noch minderjährig, Andrae könnte tatsächlich beinahe ihr Vater sein. "Ich habe hier mehr Verantwortung fürs Team als bei all meinen vorherigen Stationen", erzählt er.

Seine Karriere begann beim SCC Berlin

Auch in der Begegnung gegen die BR Volleys zählt der Klub wieder auf seine Erfahrung. Offiziell ist es ein Auswärtsspiel für die Netzhoppers, doch für Björn Andrae fühlt es sich nicht so an. "Zur Max-Schmeling-Halle brauche ich zehn Minuten weniger als zu unserer Halle in Bestensee", sagt er. Die Verbundenheit zum Gegner ist jedoch nicht nur geografischer Natur. Als Jugendlicher hatte Andrae beim damaligen SCC Berlin seine Karriere gestartet. "Ohne die großartige Jugendarbeit beim SCC wäre ich nicht der Spieler geworden, der ich bin", sagt er. Auch deshalb sei er "im Herzen immer Berliner geblieben", so Andrae.

Von den Mitspielern von damals spielt heute keiner mehr bei den BR Volleys, doch Manager Kaweh Niroomand war schon damals aktiv. "Als ich ihn das erste Mal getroffen habe, war ich 14 Jahre alt", erinnert sich Andrae. Das war 1995, der Klub spielte noch in der Sömmeringhalle in Charlottenburg, und in der Volleyball-Bundesliga herrschte vielerorts Turnhallenmief.

Dass die BR Volleys 20 Jahre später 8000 Zuschauer in die Max-Schmeling-Halle locken würden, konnte sich damals niemand vorstellen. "Da muss man absolut den Hut ziehen vor der Arbeit von Kaweh Niroomand", meint Andrae. Mittlerweile werde nicht mehr nur ein Volleyballspiel geboten, sondern ein Event. "Viele Zuschauer kommen nur wegen der guten Stimmung", so der Netzhoppers-Kapitän.

Vielleicht einen Satz gegen die BR Volleys gewinnen

Zuletzt war diese bei den Berlinern getrübt. Zwei der vergangenen drei Bundesligaspiele gingen verloren und mit ihnen die Tabellenführung. Zudem trennte sich der Verein vom Serben Nikola Kovacevic, der die Erwartungen nie erfüllen konnte. Ohne ihn gab es dann in dieser Woche ein klares 3:0 in der Champions League beim tschechischen Meister Dukla Liberec.

Auch im Derby am Sonntag sind die BR Volleys favorisiert gegen die achtplatzierten Netzhoppers. Björn Andrae glaubt nicht an einen Sieg seiner Mannschaft, "aber vielleicht können wir einen oder zwei Sätze gewinnen", sagt er: "Wir wollen die Berliner so gut es geht ärgern und eine gute Show bieten." Seine Hoffnung ist, dass die Gastgeber mit den Gedanken schon beim Pokalfinale am nächsten Sonntag gegen den VfB Friedrichshafen sind.

Auch das ein Ex-Klub von Björn Andrae, insgesamt vier Jahre verbrachte er am Bodensee. Die Ergebnisse des VfB verfolgt er ebenso intensiv. "Vom Kader her sind beide Teams in dieser Saison nahezu gleich gut. Friedrichshafen macht auf mich momentan aber mental den stärkeren Eindruck. Ich sehe sie leicht im Vorteil, auch weil sie Berlin in dieser Saison schon zweimal schlagen konnten", sagt Andrae. Seine Prognose für das Finale in Mannheim: "3:2 für Friedrichshafen."

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