Volleyball

Volleys kassieren erste Saisonniederlage

Ausgerechnet zum Abschluss in der Hinrunde der Bundesliga gab es gegen Friedrichshafen die erste Niederlage.

Berlin Volleys (Archivbild)

Berlin Volleys (Archivbild)

Foto: Paul Zinken / dpa

Wieder 0:3, wie bei der Premiere des Supercups im Oktober. Auch im Spitzenspiel der Volleyball-Bundesliga ging die Mannschaft der BR Volleys gegen den VfB Friedrichshafen als klarer Verlierer vom Feld. Allerdings nur, wenn man nicht auf das Kleingedruckte achtet. Vor zwei Monaten lauteten die Satzergebnisse zugunsten des Herausforderers vom Bodensee noch 25:16, 25:20, 25:21. Diesmal hieß es 32:30, 27:25, 29:27. Jeder Spielabschnitt endete erst in der Verlängerung.

War das Spiel um den Supercup noch ein eher langweiliges sportliches Ereignis gewesen, ließ das Topduell des sechsmaligen mit dem 13-maligen Deutschen Meister am Sonntag zumindest an Spannung wenig zu wünschen übrig. "Das einzig Ärgerliche", sagte Berlins Geschäftsführer Kaweh Niroomand, "war, dass bei uns nicht alle immer wach waren, gerade am Schluss der Sätze."

VfB-Trainer Vital Heynen verschießt erste Giftpfeile

Die Gastgeber brachten es fertig, insgesamt elf Satzbälle zu vergeben, sechs im ersten Durchgang, zwei im zweiten und drei im dritten. So kann man natürlich keinen Erfolg haben. Jedenfalls nicht gegen einen Kontrahenten vom Schlage des VfB Friedrichshafen.

Noch ärgerlicher war jedoch, dass der Titelverteidiger – Berlin gewann in der vergangenen Saison die Meisterschaft, den deutschen Pokal und den europäischen CEV-Cup – so stark begonnen hatte, als könne es diesmal nur einen Sieger geben. 20:13 lagen die BR Volleys vorn, schlugen besser auf, punkteten mit immer anderen Spielern, schienen prächtig eingestellt auf die Mannschaft vom Bodensee. Niemand konnte später richtig erklären, was dann geschah. Plötzlich schlich sich der VfB Punkt für Punkt heran, glich zum 24:24 aus und war von da an immer auf Augenhöhe. Mindestens.

"Das war vielleicht der Schlüssel dieses Spiels", analysierte Berlins Trainer Roberto Serniotti, "wir werden daraus viel lernen können." Vor allem dies: "Wenn wir in Deutschland etwas gewinnen wollen, müssen wir diesen Gegner schlagen." Dass sein Team das dafür nötige Talent hat, bewies es durchaus. Aber nur phasenweise. Während die Gäste fast gleichbleibend auf demselben, hohen Niveau agierten, zeigte Berlin Schwankungen. "Wir hatten zu viele Brüche im Spiel", fand Niroomand, "und haben nie Konstanz gefunden. Sowohl als Mannschaft als auch individuell. Mal war es ganz toll, dann passierten wieder blöde Fehler."

Kurioserweise verlief der zweite Satz fast seitenverkehrt zum ersten. Diesmal lag der VfB klar in Front, mit 17:11. Nun kämpfte sich Berlin heran, glich zum 21:21 aus, führte 24:22. Doch statt den wichtigen Satzausgleich herzustellen, wurde auch diese Chance vertan. Ausgerechnet der sonst so zuverlässige Wouter ter Maat (22 Punkte) scheiterte am gegnerischen Block. "Wir hätten auch 3:0 gewinnen können", sagte der Niederländer, "doch wir haben es in keinem Satz zu Ende gebracht. Man muss aber auch sagen: Sie haben einen guten Job gemacht."

Dabei hatte Serniotti beim 11:17 für Sebastian Kühner den anderen Zuspieler Tsimafei Zhukouski gebracht. Kurz darauf wurde auch erstmals Robert Kromm durch Nikola Kovacevic ersetzt. Scheinbar mit Erfolg, denn zumindest vorübergehend kippte ja das Geschehen. Aber dann gelang dem überragenden Tschechen Michal Finger mitten zwischen zwei Berliner Spieler hindurch mit einem Ass einer seiner 22 Punkte. Und auch dieser Satz entglitt den Hausherren.

"Ich habe meinen Jungs erzählt: Berlin ist gut. Aber wir sind gleich", schilderte Friedrichshafens Trainer Vital Heynen seine Marschroute. Da es in jedem Satz 25:25 stand, muss er wohl recht behalten haben. Gleicher geht's nicht. "Dass wir dann jedes Mal gewinnen, da ist auch Glück dabei, das ist wie beim Elfmeterschießen." Wichtiger sei ihm, dass sein Team erst einmal in diese Position gekommen sei.

Natürlich nimmt der pfiffige Belgier auch die Punkte gern mit aus Berlin. Der Abstand in der Liga ist zwischen Tabellenführer Berlin und dem -zweiten aus Schwaben nun auf zwei Punkte geschrumpft. Heynen sieht sich mit seinem "Konzept, auf junge deutsche Spieler zu setzen", auf einem guten Weg. Wenn man jedoch genauer hinschaut, ist der beste Mann der Häfler mit Zuspieler Simon Tischer zwar ein Deutscher, aber 34 Jahre alt. Auch Libero Markus Steuerwald (27) ist ein erfahrener Nationalspieler. Ansonsten sind die Leistungsträger der Tscheche Finger, der Norweger Andreas Takvam (17 Punkte), der Bosnier Armin Mustedanovic (10) und der Belgier Tomas Rousseaux. Aber geschenkt: Der Weg, den der ehemalige Bundestrainer in Friedrichshafen eingeschlagen hat, ist sicher zu begrüßen.

Den zweiten Matchball verwandelte schließlich Mustedanovic nach fast exakt 100 Minuten – diese Zeit reicht sonst schon mal für vier Sätze. Die 6632 Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle hatten ein sehr gutes Bundesligaspiel gesehen – wie immer, wenn diese beiden Klubs sich begegnen. Es wird vorerst das entscheidende Duell auf deutschem Boden bleiben, auch im Pokalfinale am 29. Januar in Mannheim stehen sie sich gegenüber. "Ich habe nichts gegen Berlin", schoss Vital Heynen schon mal erste Giftpfeile in der Hauptstadt ab, "aber mein Auftrag ist leider, sie zu schlagen." Da erhebt Wouter ter Maat aber gleich Einspruch: "Am Ende der Saison werden wir sie besiegen." Muss ja nicht mit 3:0 sein.

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