Volleyball

Kovacevic soll raus aus der Komfortzone

Für Nikola Kovacevic mussten die BR Volleys im September tief in die Kasse greifen. Nun droht der Serbe zu einem Problemfall zu werden.

Nikola Kovacevic (r., neben ihm Aleksandar Okolic) ist bisher weniger erfolgreich, als es die BR Volleys erhofft hatten

Nikola Kovacevic (r., neben ihm Aleksandar Okolic) ist bisher weniger erfolgreich, als es die BR Volleys erhofft hatten

Foto: imago sport / imago/Contrast

Berlin.  Nikola Kovacevic muss nachsitzen. Am Mittwoch absolvierte der serbische Volleyballspieler einen eigens für ihn anberaumten Leistungstest. Denn die BR Volleys sind nicht zufrieden mit dem Fitnesszustand des 33-Jährigen. „Er muss jetzt ein athletisches Zusatzprogramm absolvieren, damit er die Defizite aufholt“, sagt Kaweh Niroomand.

Titel in Polen, Frankreich und China geholt

Im September hatte der Geschäftsführer der BR Volleys Kovacevic verpflichtet, der schon in der polnischen, französischen und chinesischen Liga Meistertitel gewonnen hatte sowie die Europameisterschaft 2011 mit der serbischen Nationalmannschaft. Kovacevic sollte die einfache Lösung sein für die Position Außen/Annahme, auf der Niroomand sich mindestens drei gleichwertige Spieler wünscht. Für den erfahrenen Serben nahm er in Kauf, dass er sich finanziell „ganz schön strecken“ musste. Eigentlich hätten sich die Berliner einen Spieler von seinem Format gar nicht leisten können, sagt Niroomand. Nun stellt sich aber heraus, dass Kovacevic weder besonders einfach ist noch das Format mitgebracht hat, das seine Vita verspricht. Der 1,93 Meter große Angreifer wirkt wesentlich schmaler als in den zahlreichen Videos, die im Netz von ihm kursieren.

Er selbst sieht das anders: „Ich war immer so, seit zehn Jahren. Vielleicht sieht das so aus, weil ich in anderen Klubs in engeren Shirts gespielt habe, die hier sind etwas größer.“ Allzu oft konnte er sich in dem orangefarbigen Dress der BR Volleys allerdings noch nicht präsentieren, bislang wärmte Kovacevic vorrangig die Ersatzbank. „Bisher haben wir ohne ihn gespielt“, sagt Volleys-Trainer Roberto Serniotti. „Ich hoffe aber, dass ich auf ihn als weiteren starken Spieler zurückgreifen kann, wenn die schweren Spiele kommen“, so der Italiener.

Nach elf Jahren aus dem Nationalkader gestrichen

Darauf scheint auch Kovacevic zu warten: „Jetzt kommen ja erst die richtig interessanten Spiele“, sagte er nach der Partie gegen Aufsteiger Solingen vergangene Woche, als Serniotti ihn wegen einer Nackenblockade nicht einsetzen konnte. Nun soll Kovacevic an diesem Sonnabend in Rottenburg gegen den Tabellenvorletzten Spielpraxis sammeln (19.30 Uhr, sportdeutschland.tv), bevor die Berliner im Pokal-Halbfinale und der Champions League alle Kräfte brauchen.

„Ich habe keinen Druck“, sagt Kovacevic. „Ich spiele Volleyball seit über 15 Jahren professionell, habe überall gespielt, auf einem wesentlich höheren Niveau. Meine Zeit wird noch kommen.“ Bereits als 15-Jähriger unterschrieb Kovacevic seinen ersten Profivertrag. „Ich war ein Talent“, sagt er. Doch der Glanz verblasst langsam. Im vergangenen Jahr strich Serbiens Trainer Nikola Grbic ihn nach elf Jahren aus dem Kader der Nationalmannschaft. Heute sagt Kovacevic: „Ich habe immer gern für mein Land gespielt, aber ich habe getan, was ich zu tun hatte, jetzt ist die nächste Generation dran.“ Im Mai hat er seine zweite Frau Ana Matijasevic geheiratet, Ende August kam Sohn Noa zur Welt. Das war mit ein Grund, warum die BR Volleys ihn holen konnten. „Ich wollte nicht mehr so weit weg“, sagt Kovcevic, der im vergangenen Jahr bei Lokomotiv Nowosibirsk in Russland unter Vertrag stand, bevor er im August für drei Wochen nach Shanghai ging, wo er die Asia Club Meisterschaft spielte.

Unter strenger Beobachtung vom Athletiktrainer

Jetzt will er es etwas ruhiger angehen lassen. Für Berlin habe er sich auch entschieden, weil alles so gut organisiert sei. „Ich muss mir hier um nichts Sorgen machen“, sagt Kovacevic. Allzu gemütlich sollte er es sich aber nicht machen, die BR Volleys haben ihn nun mit Athletiktrainer Erik Helm unter strenger Beobachtung. „Wir müssen jetzt die Grundlage schaffen, denn ich glaube, Nikola wird für uns noch sehr wichtig werden“, sagt Niroomand.