Volleyball

BR Volleys ist der Gastgeber - doch feiern tun die anderen

Berlin Volleys machen zu viele Fehler und verlieren ersten Supercup gegen Dauerrivale Friedrichshafen. Stuttgart gewinnt bei Frauen.

Feucht-fröhliche Siegerparty: Die Frauen des MTV Stuttgart und die Männer des VfB Friedrichshafen jubeln über den Gewinn des Supercups in Berlin City

Feucht-fröhliche Siegerparty: Die Frauen des MTV Stuttgart und die Männer des VfB Friedrichshafen jubeln über den Gewinn des Supercups in Berlin City

Foto: Jan-Philipp Burmann / City-Press GbR

Berlin. Der VfB Friedrichshafen ist wieder da. Mit dem Gewinn des Volleyball-Supercups meldete sich der Rekordmeister vom Bodensee nach einer titellosen Saison eindrucksvoll zurück. 0:3 (16:25, 20:25, 21:25) mussten sich die BR Volleys am Sonntag dem ewigen Rivalen geschlagen geben. Die Berliner verpassten damit, sich nach der Meisterschaft, dem deutschen und dem europäischen Pokal auch den vierten Titel innerhalb eines Jahres zu sichern.

„Wir haben einfach zu viele Fehler in Aufschlag und Annahme gemacht“, sagte Sebastian Kühner. „Wenn du so gegen einen stark aufgelegten VfB antrittst, kannst du nicht gewinnen.“ Beim ersten Kräftemessen der Saison präsentierte der VfB – wie von Trainer Vital Heynen angekündigt – eine sehr starke Abwehrleistung.

Demgegenüber waren die Angriffe der BR Volleys nicht effektiv genug. Robert Kromm konnte in den ersten beiden Sätzen nicht überzeugen, auch Paul Carroll, in der vergangenen Saison der beste Punktsammler der Berliner, kam nicht durch. „Wenn die Schlüsselspieler nicht funktionieren, wird es schwer“, sagte Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand.

Schwung brachte erst Zuspieler Kühner

Trainer Roberto Serniotti wechselte Carroll bereits im ersten Satz aus und brachte für ihn den Niederländer Wouter Teer Maat. So richtig Schwung verbreitete aber erst Zuspieler Kühner, den Serniotti im zweiten Durchgang für Tsimafei Zhukouski einwechselte (10:15). Der Berliner brachte sein Team durch gute Aufschläge, schnelle Pässe und zweite Bälle wieder ins Spiel, auf der anderen Netzseite hatte der neue VfB aber stets die besseren Argumente.

„Ich dachte, wir wären schon ein Stück weiter“,klagte Niroomand. „Das Ineinandergreifen von Annahme, Zuspiel und Angriff hat nicht hingehauen.“ 5624 Zuschauer waren für den ersten Supercup in die Mercedes-Benz Arena gekommen. Das waren nicht einmal halb so viele wie beim Pokalfinale im Januar in Mannheim, als ein neuer Zuschauer-Rekord für Volleyball in Deutschland aufgestellt wurde.

„Das ist doch für den Anfang ganz gut, so viele bekommen wir auch nicht immer in die Halle“, sagte Kühner. Klaus-Peter Jung, Geschäftsführer der Volleyball-Bundesliga, will aber mehr: „11.000 hätten wir uns gewünscht, deshalb bin ich nicht ganz zufrieden“, sagte er. „Aber die Menschen müssen die Veranstaltung erst lernen.“

„Ich war noch nie beim Volleyball. Das ist das übers Netz oder?“

Das Ziel, mit dem ausgeweiteten Unterhaltungsprogramm um Youtube-Sternchen Nicole Cross, Schauspieler Tom Beck und die deutsche Popband Marquess, auch Zuschauer abseits der Volleyball-Szene in die Halle zu ziehen, ist den Veranstaltern gelungen. „Wer spielt hier eigentlich?“, fragte ein Ticketinhaber, der auf dem Vorplatz der Arena stand. „Ich war noch nie beim Volleyball. Das ist das übers Netz oder?“ Fünf Stunden später wusste er mehr.

Zum Beispiel, dass bei den Frauen der MTV Stuttgart in vier Sätzen den Deutschen Meister und Pokalsieger aus Dresden 3:1 besiegt hatte (25:20, 25:23, 24:26, 25:20). „Wir hatten gerade fünf Trainingseinheiten zusammen, dass wir hier keinen Zauber vorführen, war zu erwarten“, sagte Dresdens Zuspielerin Mareen Apitz.

Die deutsche Nationalspielerin ist nach zwei Jahren im Ausland wieder zurück. „Ich finde es super, dass es den Supercup jetzt auch hier gibt“, sagte sie. „Wünschenswert wäre allerdings, dass so eine Veranstaltung wie in anderen Ländern live im Fernsehen gezeigt wird und nicht nur im Online-Stream und am nächsten Tag ein Zwei-Minuten-Beitrag, den keiner wahrnimmt.“

Niroomand ist gegen eine Wiederholung in Berlin

Man müsse weiterarbeiten, sagte Klaus-Peter Jung, der in den kommenden Wochen mit Vermarkter ProSiebenSat.1 Media darüber entscheidet, ob die Veranstaltung auch in den kommenden Jahren in Berlin bleibt.

Niroomand ist dagegen: „Hier gibt es viel zu viele Konkurrenzveranstaltungen“, sagt er. Weiterarbeiten müssen auch die Berliner Volleyballer, bevor sie am Sonnabend gegen den TV Bühl in die Saison starten. Der Vergleich mit dem VfB zeigte Nachholbedarf auf.

Eine positive Nachricht hatte Niroomand aber: Steven Marshall hat eine weniger schlimme Knieverletzung als befürchtet. Der kanadische Außenangreifer, der beim Supercup fehlte, wird ab Mitte der Woche wieder ins Training einsteigen. „Wir brauchen ihn“, betonte Niroomand. Vital Heynen tanzte währenddessen zum Konzert von Marquess durch die Halle. Der neue VfB-Trainer genoss seinen Triumph ausgiebig.