Volleyball

Beim Supercup steigt Australiens Wiedervereinigung

Luke Perry spielt am Sonntag mit besonderen Emotionen beim Supercup in Berlin. Denn er kam aus Friedrchshafen zu den BR Volleys.

Luke Perry gewann mit Friedrichshafen nur Silber in der Meisterschaft, inzwischen ist aber nach Berlin ins Team seines Landsmanns Paul Caroll gewechselt

Luke Perry gewann mit Friedrichshafen nur Silber in der Meisterschaft, inzwischen ist aber nach Berlin ins Team seines Landsmanns Paul Caroll gewechselt

Foto: nph / Kurth / picture alliance / nordphoto

Berlin.  Zwischen seinen Mannschaftskollegen von den BR Volleys wirkte Luke Perry fast ein bisschen verloren. Als sich der neue Kader des deutschen Meisters, Pokalsiegers und Europapokalsiegers sich am Mittwochabend zur offiziellen Teampräsentation versammelte, stach der Defensivspezialist hervor. Er ist durch seine Größe von 1,82 Metern nicht nur der mit Abstand kleinste Spieler im Team, sondern mit seinen 20 Jahren auch der Jüngste.

Unterschätzen sollte man Perry aber nicht, denn der zurückhaltende Australier hat bereits 110 Länderspiele absolviert. Schon als 17-Jähriger wurde der Libero ins Nationalteam beordert. „Perry ist noch sehr jung, besitzt ein riesiges Talent und enormes Entwicklungspotenzial“, sagt Volleys-Manager Kaweh Niroomand. „Wir werden durch den Wechsel auf dieser Position kaum an Qualität einbüßen.“ Das ist eigentlich als Kompliment gemeint, schließlich folgt Perry auf Erik Shoji, einen der besten Liberos der Welt, der jetzt mit Bruder Kawika für viel mehr Geld in Nowosibirsk spielt.

Der neue Trainer Vital Heynen setzt lieber auf deutsche Stars

Gleichzeitig spricht Niroomand mit seiner Aussage eine Veränderung im Berliner Kader an, die auch Trainer Roberto Serniotti aufgefallen ist. Vor dem Supercup gegen den VfB Friedrichshafen in der Mercedes Benz-Arena am Sonntag (15.30 Uhr) sieht der Italiener sein Team nicht so stark wie am Ende der vergangenen Saison.

„Wir haben einige wirklich gute Spieler verloren. Wir müssen erst einmal sehen, ob wir die ersetzt bekommen“, sagte er. Serniotti rechnet nicht damit, dass die Partie so klar ausgehen wird, wie das letzte Pflichtspiel am ersten Mai dieses Jahres, als die BR Volleys ihre Gäste vom Bodensee 3:0 besiegten und sich ihren siebten Meistertitel holten.

„Friedrichshafen ist richtig stark“, sagt Serniotti über das Team, das nach dem Abschied von Trainerlegende Stelian Moculescu einen Umbruch hinter sich hat. Zudem hatten die Berliner schon vor Saisonbeginn mit schwerwiegenden Ausfällen zu kämpfen. Nehemiah Mote, den die BR Volleys als besten Blocker der Liga vom TV Bühl holten, verletzte sich bereits im Juni beim Weltliga-Turnier mit der australischen Nationalmannschaft so schwer am Knie, dass er seinen Dienst in Berlin gar nicht erst antreten konnte. Stattdessen absolviert er in Australien eine Reha. „Die Genesung läuft gut, aber ich denke, er wird eher nächste Saison wieder spielen können“, sagt Landsmann Perry.

Steven Marshall, der Paul Lotman im Außenangriff ersetzen soll, zog sich vergangene Woche eine Kreuzband-Verletzung zu. Wie lange er ausfällt, ist noch ungewiss. „Ich habe zwölf Wochen zu Kaweh gesagt, da ist er fast vom Stuhl gefallen, jetzt arbeite ich mich langsam herunter“, sagt Teamarzt Oliver Miltner. Marshall selbst sagt: „Ich glaube, dass ich kein Ligaspiel verpassen werde.“

Der neu installierte Supercup wird aber definitiv ohne den kanadischen Nationalspieler stattfinden. „Dabei war er so gut in Form“, jammert Serniotti. Auch Zuspieler Tsimafei Zhukousky ist nicht richtig fit. Den Kroaten plagen mal wieder Rückenprobleme. „Die ersten Trainingswochen waren nicht einfach, wir haben viele Spieler, die entweder verletzt sind oder gerade von Verletzungen zurückkommen“, sagt Perry.

Umso wichtiger sind am Sonntag er und sein Landsmann Paul Carroll, der vergangene Saison Berlins fleißigster Punktsammler war. Perry ist eher dafür zuständig, Punkte des Gegners zu verhindern, dabei war das nicht immer seine Leidenschaft. Als Jugendlicher spiele er Australian Football und war dort als Offensivspieler für die Tore zuständig. „Eigentlich wollte ich nie Volleyball-Profi werden“, sagt er.

Mit 14 Jahren fing er an, weil er in der Schule einen weiteren Sport aussuchen musste, und sein großes Talent fiel schnell auf. Mit 16 kam er ans Australian Institute of Sport, wo sich die besten Spieler des Landes versammeln. Ein Jahr stand er bereits in der A-Nationalmannschaft und unterschrieb seinen ersten Profivertrag in Finnland. „Das ging alles ganz schön schnell“, sagt Perry. In Finnland war er bester Libero der Liga, ein Jahr später unterschrieb er beim VfB Friedrichshafen.

„Friedrichshafen ist stark, aber wird sind auch richtig gut“

Vielleicht wäre er dort auch geblieben, wenn am Bodensee nicht der Trainerwechsel von Moculescu zu Vital Heynen stattgefunden hätte. „Ich wusste nicht, ob Vital mich behalten will“, sagt Perry über den ehemaligen Männer-Bundestrainer, der viel Wert auf deutsche Spieler im Kader legt. Da freute sich Perry umso mehr über das Angebot aus Berlin. „Berlin ist eine tolle Stadt, außerdem gefällt mir das Projekt BR Volleys richtig gut“, sagt er.

Ein komisches Gefühl habe er nicht, wenn er ans Wiedersehen mit dem Ex-Klub denkt. „Ehrlich gesagt war es für mich wesentlich schlimmer, letztes Jahr in Friedrichshafen gegen Paul Carroll zu spielen“, sagt Perry. Jetzt hat er die Chance, mit seinem Landsmann gemeinsam Titel zu gewinnen: „Das wird ein hartes Spiel, Friedrichshafen ist stark, aber wir sind auch richtig gut.“