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Die BR Volleys haben jetzt einen Marshall

Im April ärgerte Steven Marshall die BR Volleys noch als Gegner. Künftig schmettert der kanadische Außenangreifer für die Berliner.

Mit der kanadischen Nationalmannschaft will Steven Marshall (r.) zu den olympischen Spielen

Mit der kanadischen Nationalmannschaft will Steven Marshall (r.) zu den olympischen Spielen

Foto: Shizuo Kambayashi / picture alliance / AP Photo

Berlin.  Noch nicht einmal zehn Wochen ist es her, da waren die Berliner Volleyballer ganz schön genervt von Steven Marshall. Im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft erzielte der kanadische Außenangreifer 39 Punkte für die SVG Lüneburg und trug so maßgeblich dazu bei, dass die beiden Spiele gegen die BR Volleys fünf Sätze andauerten und sich die Hauptstädter jeweils erst nach über zweieinhalb Stunden durchsetzten.

Nun hat sich Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand einen klugen Schachzug überlegt und den 1,93 Meter großen Nationalspieler für die kommende Spielzeit selbst verpflichtet.

Marshall unterschrieb einen Ein-Jahres-Vertrag in Berlin und ist damit neben Robert Kromm und Ruben Schott Außenspieler Nummer drei. Francesco De Marchi und Paul Lotman orientieren sich in dieser Transferperiode neu – die künftigen Arbeitgeber beider Athleten sind bislang noch unbekannt.

Zweitbeste Annahmequote

„Auf der Suche nach jemanden, der noch helfen könnte, ist Marshall uns natürlich aufgefallen“, sagt Niroomand. Vor seinem Halt in Lüneburg spielte der Kanadier ein Jahr in der ersten polnischen Liga bei Luczniczka Bydgoszcz. Dieser Sprung war ihm 2014 direkt vom College in British Columbia gelungen. In seiner Debütsaison in der Bundesliga überzeugte der 26-Jährige mit der zweitbesten Annahmequote der Hauptrunde und fünf Medaillen als wertvollster Spieler seines Teams.

„Er hat sicherlich noch nicht die Erfahrung eines Paul Lotman, aber ich könnte mir vorstellen, dass er da reinwachsen kann“, sagt Niroomand. Spielerfahrung sammelt der reaktionsschnelle Annahmespieler gerade mit der kanadischen Nationalmannschaft in der World League, wo seinem Team in drei Spielen bislang drei klare Siege gelangen.

Der Kanadier erlebt einen Volleyball-Boom

Kanadas Volleyballer werden gerade von einer Welle der Euphorie getragen, nachdem sie sich vor zweieinhalb Wochen in Japan zum ersten Mal seit 24 Jahren wieder für die Olympischen Spiele qualifiziert haben. „Es ist einfach unglaublich. Als wir am Flughafen ankamen, haben uns die Leute erkannt und applaudiert“, sagt Marshall.

Üblich ist das in Kanada nicht, schließlich verfügt das Land nicht einmal über eine professionelle Volleyball-Liga. Stattdessen dominiert vor allem Eishockey das Geschehen.

Auch Marshall war als Jugendlicher ein talentierter Eishockeyspieler. „Ich habe lange beides parallel gemacht, mich dann aber für Volleyball entschieden, was meine Eltern etwas überrascht hat“, sagt er lachend. International startete er allerdings zunächst in der Sandvariante durch.

Die Hoffnung auf Olympia lebt

Von 2007 bis 2011 spielte Marshall auf der Beachvolleyball World Tour mit. „Eigentlich war es mein Plan, es als Beachvolleyballer zu Olympia zu schaffen“, sagt er. Doch wegen einer Verletzung entschied er sich, in die Halle zurückzukehren.

Sein ehemaliger Partner Ben Saxton hat sich im Beachvolleyball nun ebenfalls für Olympia in Rio de Janeiro qualifiziert. Er wird sicher fahren, während Marshall noch hoffen muss, dass er im finalen Kader steht, der am 12. Juli bekannt gegeben wird. „Das ist das höchste Ziel eines Athleten, das wäre der Wahnsinn“, sagt er.